Gymnasium Rohr: So geht es nun weiter – Das müssen Eltern und Schüler wissen

Von Martin Rutrecht · 21. März 2024 um 19:00

Der Kreistag hat Fakten geschaffen und beantragt ein drittes staatliches Gymnasium für den Landkreis Kelheim. In Rohr wird dafür das bisher kirchliche JNG übernommen. Nach diesen Entscheidungen gilt es einiges voranzubringen: Übergang, Raumkonzept, Gebäudeübergabe, Sanierung. Hier ein Überblick über wesentliche Punkte.

• Antrag: Die Gründung eines dritten staatlichen Gymnasiums muss vom Freistaat Bayern genehmigt werden. Der Antrag mit drei fachlichen Ausrichtungen ab dem Schuljahr 2025/26 wird von der Verwaltung vorbereitet. In die Standortfrage mischt sich das Kultusministerium nicht ein.

• Übergang: Das kommende Schuljahr am Johannes-Nepomuk-Gymnasium (JNG) in Rohr i. Niederbayern läuft noch unter kirchlicher Trägerschaft des Benediktinerordens. „Wir müssen diesem Jahrgang garantieren, dass er bei uns das Abitur machen kann“, sagt Abt Markus Eller, zuständiger Präses für Rohr, gegenüber unserer Zeitung. Mit 2025/26 werden die Klassen fünf bis sieben staatlich. Die komplette Verstaatlichung erfolgt zum Schuljahr 2032/33.

• Gebäude: Der Landkreis sichert mit seinem Beschluss die Nutzung und Übernahme der Liegenschaften, eine notwendige Generalsanierung und bauliche Veränderungen zu. Wie im Kreistag bekannt wurde, wird das Schulgebäude – West- und Südflügel der Klosteranlage – von den Benediktinern 2029 zu einem symbolischen Preis (1 Euro) übergeben. Dieses Angebot machte die Abtei. Bis dahin bleibt der Landkreis bei allfälligen Sanierungskosten außen vor. „Mehr an Zugeständnissen ist nicht möglich“, erklärt der Abt.

• Raumangebot: Laut Schulleiterin Carola Reim verfügt das JNG aktuell über 17 Klassen-, vier Oberstufen- und acht Fachräume sowie einen Informatikraum. Theater-, Speisesaal und Übungsräume sind ebenso vorhanden. Die Schule nutzt mit Erlaubnis des Klosters auch den Prager Saal. „Ob er ans staatliche Gymnasium übergeht, ist Verhandlungssache“, sagt Reim. Die Marktbücherei gehört zu einem Drittel der Schule, dem Kloster und der Gemeinde. Vier Klassenräume sind derzeit nicht ständig genutzt.

• Zweige: Neben der bisherigen musischen und sprachlichen Ausrichtung soll das Gymnasium ab 2025/26 einen naturwissenschaftlich-technologischen Zweig bekommen. Dafür werden weitere Räume benötigt, der Orden will drei zur Verfügung stellen.

• Schülerzahlen: Der Landkreis muss nach Vorgaben des Ministeriums eine dauerhafte Dreizügigkeit garantieren. Derzeit besuchen 452 Schüler das JNG. Der größte Anteil kommt aus Abensberg (112), gefolgt von Rohr (56), Langquaid (53) und Neustadt (52). Durch den dritten Zweig sieht der Landkreis ein Potenzial von über 700 Schülern, die für eine Dreizügigkeit ausreichend ist. Insgesamt soll die Zahl der Gymnasiasten im Landkreis laut des Instituts SAGS von derzeit 2275 auf 3045 im Jahr 2034 steigen. Die Gymnasien Kelheim (aktuell: 932) und Mainburg (891) hätten dann knapp je 1200 Schüler aufzunehmen.

• Lehrpersonal: „Alle wollen bleiben.“ Das sagt Schulleiterin Reim über die derzeit 40 Lehrkräfte am JNG. Eine direkte Übernahme von einer kirchlichen in eine staatlichen Einrichtung ist allerdings nicht möglich, hat das Kultusministerium bereits betont. Die Lehrer müssen sich beim Staat bewerben. „Wir werden im Vorfeld aktiv sein“, erklärt Reim.

• Sachaufwand: Der Landkreis leistet seit 2021 bereits einen jährlichen Defizitausgleich „von 330.000 Euro“, so Landrat Martin Neumeyer im Kreistag. Der künftige Sachaufwand für Rohr (1310 Euro pro Schüler) wäre nach Berechnungen auf Basis aktueller Zahlen wesentlich höher als in Kelheim (678 Euro) und Mainburg (872 Euro). Was aber laut Landrat der geringeren Schülerzahl geschuldet sei. Mit den prognostizierten rund 700 Schülern käme man auf 880 Euro.

• Handlungsbedarf: Breites Thema im Kreistag und auch im Vorfeld war der bauliche Zustand der Schule. Laut des Ingenieurbüros Huber aus Mainburg, das von der Abtei beauftragt wurde, können die Räume aktuell ohne Sanierungsmaßnahmen genutzt werden. Auch eine Schadstoffuntersuchung blieb ohne negative Resultate. Heizung und Wärmeversorgung bedürfen aber eines raschen Handelns. Hier zeichnet sich eine Lösung ab: Der Nachbar der Schule (Sixt jun.) hat schriftlich angeboten, eine Versorgung über seine Hackschnitzelheizung zu marktüblichen Preisen zu gewährleisten.

• Generalsanierung: In den nächsten zehn Jahren käme der Landkreis um große Investitionen herum, so das Ingenieurbüro. Dann allerdings stünden umfangreiche Maßnahmen für 49,7 Millionen Euro an. Eine barrierefreie Generalsanierung, Umbau und Erweiterung für die Dreizügigkeit, der Neubau einer Dreifachturnhalle und unter Umständen auch eines Allwetterplatzes mit Außenanlangen führt das Büro auf. In einem mehrjährigen Bauprogramm könnten die Gebäudeflügel der Schule abwechselnd saniert werden, wird vorgeschlagen.

• Übertritt: Einen Informationsabend richtet das JNG am Mittwoch, 17. April 2024, um 19Uhr aus. Am Samstag darauf folgt ein Tag der offenen Tür in der Schule ab 9 Uhr.

Enttäuschung in Neustadt

Reaktion: Neustadts Bürgermeister Thomas Memmel zeigt sich enttäuscht, dass das Angebot der Stadt auf ein neues Gymnasium „nicht auf Augenhöhe mit der Sanierung in Rohr geprüft wird“. Vor allem sei dadurch eine ökologische Alternative mit Nähe zur Bahnlinie ausgeschlagen worden.

Kalkulation: Memmel, selbst CSU-Kreisrat, spricht von einem Neubau für „30 bis 40 Millionen Euro“. Das Ingenieurbüro Huber taxiert knapp 94 Millionen. „Das Areal sowie Sporthalle und -platz kämen von uns, dann noch die Förderungen.“ So würde sich die Summe auf seine Angaben reduzieren, sagt Memmel.

Zukunft: Für ein Gymnasium Neustadt „sehe ich nun keine Perspektive mehr“, auch für eine andere weiterführende Schule nicht. „Als Kreisrat kenne ich die schwierige finanzielle Lage im Landkreis.“ Eine Interessensgemeinschaft hatte sich ebenso für den Alternativ-Standort stark gemacht.