Spektakuläre Pläne um Kaiser-Therme in Bad Abbach: Vom Vier-Sterne-Resort bis zum Freizeitpark

Die Kaiser-Therme in Bad Abbach (Landkreis Kelheim) soll verkauft werden. Potenzielle Investoren erhalten derzeit ein Exposé, das auch Vorschläge für die Entwicklung des Areals enthält: vom Vier-Sterne-Resort mit Hotel und Chalets bis zum Familienpark. Benannt werden auch die hohen Sanierungskosten.
Bis Ende 2026 muss die Kaiser-Therme einen Käufer finden. Dann steigt der aktuelle Betreiber, der Zweckverband Kurmittelhaus Bad Abbach (getragen von Bezirk Niederbayern, Landkreis Kelheim und Bad Abbach), aus. Der Mediengruppe Bayern liegt jetzt ein bislang unveröffentlichtes Exposé vor, das an potenzielle Investoren geht. Das 45-seitige Papier wurde unter Mitwirkung der Beraterfirma „Project M“ erstellt, die im Sommer vom Zweckverband beauftragt wurde, „den strukturierten Verkaufsprozess“ zu begleiten.
Einmal mehr deutlich wird im Exposé, dass die Therme ein Sanierungsfall ist. Rund 35 Millionen Euro müssten „nach jüngsten Kostenermittlungen aus 2024“ vor allem in die Technik und den Hochbau gesteckt werden. Während der Arbeiten wäre das Heilbad 90 Wochen geschlossen. Offen dargelegt wird auch das jährliche Defizit der Therme von über einer Million Euro in 2023. Der Gesamtaufwand für das derzeitige Personal wird mit 1,797 Millionen Euro angegeben.
Über zwei Hektar freie Fläche mit Baurecht
Für das Areal rund um die Therme zeigt das Papier Entwicklungsmöglichkeiten auf: unbebaute Flächen der Gemeinde bzw. des Zweckverbands von 21.805 Quadratmetern, seit den 1990er-Jahren ausgewiesen mit einem Baurecht für Hotel, Sanatorium, Klinik, Gastronomie und Einzelhandel. Für diese Grundstücke benennt das Exposé insgesamt fünf Nutzungsoptionen, jeweils in Anbindung an die Therme.
Ein Vorschlag zielt auf ein „Aktiv & Vital-Resort“ (4 Sterne) ab. Auf „Lifestyle und Wellbeing“ ausgerichtet soll sich dieses mit einem Hotel, Chalets bzw. Apartments, Gastronomie und Spa-Bereich um die Thermen- und Saunalandschaft ansiedeln. Eine zweite Idee bringt ein modernes Saunadorf mit Hotel ins Spiel. Dazu soll die bestehende Sauna mit „großzügigem Außen- und hochwertigem Innenbereich“ aufgewertet werden.
Übernachten im Tiny- oder Baumhaus
Ein „Wellbeing-Ferien- & Campingdorf“ regt ein drittes Konzept an. „Erlebnisreiches Übernachten“ in Tiny- und Baumhäusern oder Zelten sind neben acht Apartmenthäusern die Eckpunkte darin. Auch Wohnwägen und -mobile sollen ihren Platz finden. Vorschlag vier richtet sich mit einem Resort für Familien auf eine Zielgruppe mit Kindern bis zu 13 Jahren aus. Hotel und Apartments sollen kinderfreundlich gestaltet werden. Von Spielplätzen über Kletterwände, Streichelzoo, Kreativwerkstätten bis zum Wasserpark soll den jungen Gästen an nichts fehlen. Eltern können im Spa-Bereich entspannen.
Die fünfte und letzte Anregung greift einen modernen Trend auf: Arbeit und Freizeit in enger Verbindung. Unter „Quartiersentwicklung Freizeit & Erholung“ werden Studentenunterkunft, Hotelzimmer, Co-Working- und Veranstaltungsräume, Restauration, Camping, Shopping und Wellness aufgeführt – unter Einbeziehung der Bad Abbacher Altstadt und der Freizeitinsel.
Beispiele bis in die USA werden genannt
Für alle fünf Konzepte führt das Exposé realisierte Beispiele an (aus Deutschland, Österreich und den USA). Auf mögliche Investitionssummen zur Umsetzung in Bad Abbach wird nicht eingegangen. Auch auf Nachfrage der Mediengruppe Bayern beim Zweckverband gibt es dazu keine Angaben. Bindend sind die Vorschläge nicht. Interessenten, die an einem Vergabefahren teilnehmen möchten, können „ihr spezifisches Konzept präsentieren“, steht im Papier.
Für die Initiative „ProTherme“, die für den Erhalt der Therme in bisheriger Form kämpft, sind die Musterbeispiele ein Alarmsignal. „Wir haben recherchiert, dass die Eintrittspreise für Thermen dort bis zu 90 Euro betragen. Das würde jeden aktuellen Badbesucher aus der Region abschrecken“, sagt Jochen Wollenweber, einer der Initiatoren.
Zugang zur Therme muss öffentlich bleiben
Der aktuelle Eigentümer, sprich der Zweckverband, gibt im Papier die Erwartung an Investoren aus, dass der „Zugang für die Öffentlichkeit zum Thermal- und Saunabereich erhalten und dauerhaft gewährleistet bleiben muss“. Überdies bestehe eine Pflicht „zur Um- oder Nachnutzung des Thermenareals und zur Nutzung des Thermalwassers“. Eine Pflicht zum Erhalt der Gebäude wird nicht erwähnt.
„Keine Verpflichtung“ zur Übernahme der Mitarbeiter
Die Mitarbeiter – von 49 qualifizierten Personen ist die Rede – „können mit übernommen werden, es besteht jedoch keine Verpflichtung dazu“. Für Wollenweber ist dieser letzte Satz beschämend: „Die unsichere Perspektive macht die belastenden Umstände für die Thermen-Mitarbeiter noch schwieriger. Man schert sich nichts um das Personal.“
Die Anfrage der Mediengruppe Bayern, wie viele Interessenten an der Therme es aktuell gibt, lässt der Zweckverband unbeantwortet.
Außerordentliche Bürgerversammlung im Kursaal
Termin: Am Dienstag, 19. November 2024, wird im Kursaal in Bad Abbach mit Beginn um 19.30 Uhr eine außerordentliche Bürgerversammlung abgehalten. Sie befasst sich ausschließlich mit dem Thema Kaiser-Therme. Geleitet wird sie von Bürgermeister Benedikt Grünewald.
Anträge: Im Vorfeld wurden laut „ProTherme“ rund ein Dutzend Anfragen gestellt. Sie drehen sich um die Zukunft der Mitarbeiter, die Höhe der Personalkosten (im Exposé sind knapp 1,8 Millionen Euro genannt) und eine Wertermittlung von Therme und Areal.
