Nach Verkauf der Kaiser-Therme: „Restliche Thermen nicht in Gefahr“

Von Melanie Bäumel-Schachtner · 13. Juli 2024 um 15:00

Der Bezirkstag von Niederbayern hat vergangene Woche mit großer Mehrheit beschlossen, die Kaiser-Therme Bad Abbach (Landkreis Kelheim) zu verkaufen. Das wirft nun auch Fragen zu den Rottaler Bädern und der Limes-Therme in Bad Gögging (Kreis Kelheim) auf. Ist möglich, dass dort irgendwann das Gleiche passiert und der Bezirk aussteigt? Bezirkstagspräsident Olaf Heinrich gibt Antworten.

Grund in Bad Abbach ist die Tatsache, dass der Bezirk den Eigenanteil von über 30 Millionen Euro bei einer nötigen Sanierung der Therme, die rund 52 Millionen Euro kosten soll, nicht stemmen kann. Bezirkstagspräsident Olaf Heinrich (CSU) geht im Gespräch mit der Mediengruppe Bayern nicht davon aus das für die anderen Thermen bald dasselbe gilt und erklärt die Hintergründe.

Als vor rund 30 Jahren die Kaiser-Therme in Bad Abbach beschlossen und gebaut wurde, sei sie durch unglückliche Umstände von Haus aus eine „Totgeburt“ gewesen, wie es ein Gemeinderat aus Bad Abbach bei der Gemeinderatssitzung letzte Woche bezeichnete.

Kein Bau von Hotels oder Kliniken entlang der Therme

Zwei Dinge passierten damals, die ein gesundes Wachstum der Infrastruktur rund um die Therme verhinderten: Zum einen brachte Horst Seehofer seine Gesundheitsreform auf den Weg. „Die hohe finanzielle Unterstützung durch den Versicherungsträger für eine Badekur war damit vorbei“, erklärt Heinrich. Und: Die Grenzen öffneten sich. Die Folge: Investoren bauten keine Hotels oder Kurklinken entlang der funkelnagelneuen Therme, sondern gingen in die neuen Bundesländer, um zum Beispiel in Dresden und Leipzig zu investieren. „Man hatte gehofft, dass sich Hotels oder Rehakliniken ansiedeln. Das ist alles leider nicht passiert“, so Heinrich.

Und genau das sei im Rottaler Bäderdreieck und in Bad Gögging anders. Dort gibt es nach Heinrichs Worten eng verflochtene Wirtschaftsstrukturen mit den Bädern, was eben in Bad Abbach nie passiert ist, weil es zu spät eröffnet wurde. Ein weiteres Plus der übrigen Bäder in Bad Birnbach, Bad Griesbach, Bad Füssing und Bad Gögging, an deren Zweckverband der Bezirk zu je 60 Prozent beteiligt ist: Sie stammen aus einer anderen Bauzeit als Bad Abbach, daher habe es dort mittlerweile mehr technische Investitionen gegeben. Bei den anderen Standorten, die der Bezirk halten will, werde „massiv daran gearbeitet, dass wir eine schwarze Null erreichen“.

Verkauf war schon 2001 Thema

Auch in die Kaiser-Therme seien in den vergangenen Jahren rund acht Millionen Euro gesteckt worden, doch eine Technik, die noch funktioniere, wechsle man halt auch nicht frühzeitig aus. Nun sei es aber bald so weit, und da der Bezirk wachsende Aufgaben bei gleichzeitig sinkender Umlagekraft habe, sei es nicht zu stemmen. „Die richtige Entscheidung“ sei daher erfolgt. Das, was den Erfolg der Kaiser-Therme in Bad Abbach verhindert hat, mache aber nun genau das Plus aus, das Investoren sehen: Dass rund um das Kurbad ausreichend Platz ist, damit zum Beispiel Hotels oder ein Thermenressort entstehen können. Drei Interessenten hätten bereits bei der Gemeinde angefragt. Die Idee, die Therme zu veräußern, ist übrigens nicht neu: Wie Heinrich Einblick gibt, stand das Thema Verkauf schon 2001 auf der Agenda. Es sei gescheitert, weil der damalige Investor abgesprungen sei. Diesmal wolle man es besser machen.

Externe Spezialisten begleiten Verkaufs-Prozess

In einer Zweckverbandssitzung diese Woche hat das Gremium einstimmig beschlossen, dass der Verkaufsprozess extern von Spezialisten begleitet wird. „Dazu wird zuerst ein städtebauliches Gesamtkonzept aufgestellt“, sagt Heinrich. Der Bezirkstagspräsident ist optimistisch, dass ein geeigneter Investor gefunden werden kann, um auch für die Bevölkerung die optimale Lösung zu erreichen. Die Therme sei attraktiv: „Es gibt im Bayerischen Wald Wellnesshotels, die haben mehr Wasserfläche als die 600 Quadratmeter in der Kaiser-Therme. Das nährt die Hoffnung, dass die Kaiser-Therme in Kombination mit Investitionen in Übernachtungsmöglichkeiten auch wirtschaftlich betrieben werden kann.“

Eine Herausforderung stellt die aktuelle Unsicherheit für die Mitarbeiter dar. Der Zweckverband habe großes Interesse, dass das Team an Bord bleibt. „Wir hoffen, dass sie dem Prozess vertrauen“, sagt Heinrich. „Die Käufer haben Interesse an einem Unternehmen, nicht an einer Immobilie, und dazu gehören auch die Mitarbeiter“, erklärt er. Sie sollen transparent eingebunden werden, auch, wenn man den Investor natürlich erst bekannt geben könne, wenn die Tinte auf dem Vertrag trocken ist. Heinrich hofft aber, dass es ein positives Signal für das Thermen-Team ist, wenn immer wieder Interessenten durchs Haus gehen, um es in Augenschein zu nehmen, und zu sehen ist, dass es weitergehen soll in Bad Abbach.

Bezirkstagspräsident Olaf Heinrich: „Verkauf ist die richtige Entscheidung.“ − Foto: Rammer