Großprojekte, die 2024 in Burglengenfeld für Schlagzeilen sorgten – und die Gemüter erhitzten

Von Thomas Rieke · 1. Januar 2025 um 05:00

Gleich drei Projekte beachtlicher Dimension haben 2024 im beschaulichen Burglengenfeld mehrfach für Schlagzeilen gesorgt. Im Folgenden seien sie noch einmal in Erinnerung gerufen. Zwei der Vorhaben haben bereits relativ konkrete Formen angenommen, mindestens eines könnte sich aber auch als Luftschloss erweisen.

Zunächst zum relativ Konkreten: Vor einem Jahr hat Heidelberg Materials (HM) in einem Informationsforum über seine Expansionspläne am Standort Burglengenfeld aufgeklärt. Der Steinbruch soll bis 2066 noch einmal deutlich wachsen, und zwar um rund 45 Hektar. Dies sei, so heißt es, nötig, weil man sich langsam, aber sicher den bisherigen Abbaugrenzen nähere. Der Standort spiele für Süddeutschland eine besondere Rolle, es mache also strategisch sehr viel Sinn, hier die Zementproduktion langfristig zu sichern. Und: Für teure Investitionen, die auch dem Klimaschutz dienten, benötige man die entsprechende Planungssicherheit.

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In Burglengenfelds nördlichem Umland lösten diese Ideen ziemliche Unruhe aus. Viele Bürger halten die Pläne für maßlos überzogen, reichen sie doch auch in eine Zeit, die viele nicht mehr erleben werden. Manche befürchten, ihre Immobilien könnten an Wert verlieren oder durch Erschütterungen Schaden nehmen, manche sorgen sich, die Auflagen, die mit den Sprengungen einhergehen, könnten zu einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität führen, wieder andere stören sich schon am selbstbewussten Auftreten der Unternehmensvertreter. Diese zeigen sich bisher wenig kompromissbereit und wollen keinen Zweifel aufkommen lassen, dass ihr Vorhaben in der beabsichtigten Form genehmigungsfähig ist.

Zweifel an Neutralität der Gutachter

Mit dem Schwanzlhof ist auch eine bekannte Pferdehaltung betroffen. Mitglieder des Reit- und Fahrvereins Dirnau, der dort seine Heimat hat, warnen vor den Folgen der Steinbruch-Expansion. Die noch näher rückenden Sprengungen würden für das Fluchttier Pferd ein kaum zu lösendes Problem darstellen – und damit auch für die Reiter. Einem von HM extra in Auftrag gegebenem Gutachten, welches bescheinigt, das Tierwohl sei nicht in Gefahr, wollen die Pferdefreunde nicht so recht glauben.

Wie auch immer: Die Bürger, die die Pläne von HM kritisch sehen, haben sich zu einer Initiative zusammengeschlossen Auf Flyern wird zu solidarischem Handeln aufgerufen. Die Expansion in geplanter Größe müsse verhindert werden, eine Verlängerung der Abbau-Genehmigung sei maximal für 15 Jahre vorstellbar. Immobilienbesitzer müssten für zu erwartende Wertverluste entschädigt werden.

In manchem Burglengenfelder schlagen zwei Herzen

Manche Bürger sind aber auch hin und hergerissen. Einerseits äußern sie Verständnis für die Bedenkenträger, andererseits betonen sie, wie wertvoll das Zementwerk über viele Jahrzehnte hinweg für die Stadt gewesen sei – als Arbeitgeber und Steuerzahler. In vielen Burglengenfelder Familien gibt es Mitglieder, die ihr Brot in dem Industriebetrieb verdient haben oder noch verdienen.

Außerdem gibt es auch Leute wie SPD-Rat Siegfried Klopp, die die Aufregung unter bestimmten Betroffenen kritisch hinterfragen. Hätten diejenigen, die vor Jahren schon Grund an den Baukonzern abgetreten haben, nicht damit rechnen müssen, dass die Steinbruchgrenzen irgendwann noch näher in ihre Richtung verschoben werden sollen?

Seit 16. Dezember liegen Unterlagen aus

Seit 16. Dezember liegen die Antragsunterlagen von HM öffentlich aus. Bis 27. Januar können sie begutachtet werden. Weitere vier Wochen haben Bürger Gelegenheit, Einwände zu erheben. Die Verantwortlichen beteuern, alles für die Genehmigungsfähigkeit ihres Vorhabens getan zu haben.

Noch auf einem anderen Gebiet, an dem Heidelberg Materials maßgeblich beteiligt ist, bleibt es spannend: Für ein Batteriespeicherwerk würde der Konzern in der Vorstadt ein Grundstück zur Verfügung stellen. Präsentiert wurde dieses auf rund 230 Millionen Euro veranschlagte Projekt Mitte des Jahres von Oliver Schlink, Geschäftsführer der Suncorona Green Tech GmbH aus Leimen. Es sieht neben der Speicherung von Strom für das Zementwerk auch ein Wohlfühlpaket für die Bevölkerung vor: Sportstätten, Einkaufsmöglichkeiten und ein Café.

Geschäftsführer von Suncorona blieb unerreichbar

Der Haken: Suncorona hat selbst für das Vorhaben gar nicht die Mittel, sondern ist auf entsprechend potente Geldgeber angewiesen. Ob der Projektentwickler diesbezüglich auf einem guten Weg ist, ließ sich aktuell nicht in Erfahrung bringen. Bekannte Telefon- und Handynummern sind deaktiviert, auch auf verschiedene E-Mail-Anfragen gab es keine Reaktion.

Untergetaucht scheint der Geschäftsführer aber nicht zu sein. Bürgermeister Thomas Gesche bestätigte, erst Anfang Dezember habe er zu Oliver Schlink wieder Kontakt gehabt und dabei habe er den Eindruck gewonnen, dass das Projekt „nach wie vor mit viel Zielstrebigkeit und Energie weiterverfolgt wird“. Die Stadt könne mit dem Bebauungsplan natürlich bloß den Rahmen setzen und nicht für die Umsetzung garantieren, betonte Gesche, „wir sind aber nach wie vor vorsichtig optimistisch, dass dieses Projekt gelingen kann“.

Windpark: Geduld ist gefragt

Ein großes Stück vorangekommen ist die Wind-18-GmbH mit ihren Plänen für einen Windpark bei Büchheim, ander Grenze zum Stadtgebiet Schwandorf. Hier sollen unter Beteiligung der Stadtwerke Burglengenfeld (SWB) und der Bürgerenergie-Genossenschaft Mittlere Oberpfalz (Bemo) vier Windräder entstehen. Das Genehmigungsverfahren ist bereits im April angelaufen, und eigentlich hätten die Planer noch heuer mit einem positiven Bescheid gerechnet.

Doch noch immer liegt keine Entscheidung vor, bestätigt Wind-18-Sprecher Stefan Habermeier Mitte Dezember. Es könne durchaus sein, dass noch ein, zwei Monate ins Land ziehen würden, bis man Klarheit habe, was aber nicht weiter tragisch sei.

Knackpunkt dürfte sein, ob das Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr wegen der Nähe des Plangebiets zum Truppenübungsplatz Hohenfels Einwände erhebt. In Grafenwöhr sind Windparkpläne an militärischen Belangen gescheitert. Habermeier aber zeigt sich davon unbeeindruckt und betont, er sei weiter sehr zuversichtlich, dass das Vorhaben auf Burglengenfelder Flur gute Chancen habe, realisiert zu werden.

Die Stadtwerke haben jetzt eine neue Aufgabe

Die Stadt hat dafür bereits ein Zeichen gesetzt, indem die Räte in ihrer letzten Sitzung des Jahres mit großer Mehrheit einer Satzungsänderung der SWB zugestimmt haben. Dem zufolge hat das Kommunalunternehmen nun explizit die Aufgabe, in die Erzeugung Erneuerbarer Energien einzusteigen.

Es gab nur eine Gegenstimme: 2. Bürgermeister Josef Gruber (CSU) hat Zweifel, ob die SWB dem Vorhaben gewachsen sein werden, schließlich sei das Unternehmen durch die Anschlussfinanzierung für das Bulmare über Jahrzehnte hinaus belastet. Befürworter des Energiegeschäfts halten die Sorge für unbegründet. Sie gehen davon aus, dass sich mit den Erneuerbaren schon in wenigen Jahren Millionen verdienen lassen.

Unweit des Zementwerks soll eine Batteriespeicherfabrik aus dem Boden wachsen. Foto: Rieke, Archiv
Durchkreuzen militärische Belange den Plan für den Windpark Burglengenfeld? Symbolbild: dpa, Archiv