Steinbruch-Erweiterung: Empörung über Konzern-Pläne in Burglengenfeld wächst

Bei den Dorfbewohnern rund um das Burglengenfelder Steinbruchareal (Landkreis Schwandorf) des Zementwerks herrscht seit Monaten großer Frust. Die Bekanntmachung von Heidelberg Materials, die Abbaufläche um 45 Hektar erweitern zu wollen, hat sie in eine Art Schockzustand versetzt.
In einer von den Stadträten Josef Schießl (FWL) und Thomas Hofmann (CSU) organisierten Veranstaltung musste sich nun Projektleiter Stefan Ventur am Freitag im Gasthaus Steinbauer vielen Fragen der Bürger stellen.
Bei einer ersten Informationsveranstaltung am 6. Dezember im VAZ, zu der die Werksleitung des Zementwerks eingeladen hatte, waren die meisten enttäuscht nach Hause gegangen. Ein direkter Meinungsaustausch war nach Ansicht der Betroffenen damals nämlich nicht möglich gewesen (MZ berichtete). Auch am Freitag dürften die Bürger nach der Veranstaltung mit mehr Fragen nach Hause gegangen sein, als sie gekommen waren.
Viele Details sind nämlich noch immer nicht geklärt. So fiel zumindest das Fazit von City-Manager Wolfgang Dantl aus, der den sehr emotionalen Info-Abend moderiert hatte. Nur einmal musste er die Diskussionsteilnehmer zur Mäßigung ermahnen.
Die Liste der zu befürchteten Zumutungen
Manuel Friedl, Mitglied des Reitvereins Dirnau, hatte vor Beginn der über zweistündigen Diskussion eine Vielzahl von möglichen Beeinträchtigungen, die auf die Bürger zukommen werden, zusammengefasst. „Wir müssen künftig mit Straßensperrungen rechnen“, sagte er. Denn sowohl die Straße bei Dirnau, als auch die Kreisstraße zwischen Burglengenfeld und Pottenstetten lägen künftig im Sprengradius, der von bisher 300 Metern auf 100 Meter verkleinert werden solle.
Das nördliche Umland von Burglengenfeld ist nicht nur wegen der Pläne für den Steinbruch besorgt. Auch das Konzept für einen Windpark wird kritisch betrachtet. Mehr dazu lesen Sie hier.
Friedl wies ferner auf eine erhöhte Staubbelastung hin, auf die Gefahr von Gebäudeschäden durch Erschütterungen sowie auf den Wertverfall angrenzender Immobilien. Außerdem sei er keineswegs überzeugt, dass nach dieser geplanten Erweiterung der Abbaufläche im Jahr 2066 endgültig Schluss sei. Es gebe nämlich noch weitere, von der bayerischen Staatsregierung festgelegte Vorhalteflächen, in denen sich auch die Weiler Bubenhof und Richthof befänden, die ebenso noch in Anspruch genommen werden könnten.
Auch bei Richthof gibt es noch Vorhalteflächen
Stefan Ventur wollte dies nicht gänzlich ausschließen, was die eh schon sehr emotionale Stimmung im Saal weiter anheizte. Was danach sein werde, könne man jetzt noch nicht sagen, so der Projektleiter der Steinbrucherweiterung.
Ein mögliches Indiz, dass die Vorhaltefläche bei Richthof in ferner Zukunft doch noch genutzt werden könnte, dürfte auch die durch Heidelberg Materials nur zeitlich bedingte Genehmigung für die dort erbaute Freiflächenphotovoltaikanlage für eine Zeitdauer von 30 Jahren sein. „Diese Vorhaltefläche soll langfristig nicht aufgegeben werden“, wie Ventur sagte.
Seine Antwort auf die Frage einer Bürgerin aus Saaß, wie bei eventuellen Gebäudeschäden, die auf Erschütterungen durch Sprengungen zurückzuführen seien, verfahren werde, erhitzte die Gemüter ebenfalls stark. In diesen Fällen liege die Beweispflicht nämlich beim Hauseigentümer, hieß es.
Stadträte fordern Entgegenkommen des Konzerns
Die Stadträte Michael Schaller (CSU) und Sebastian Bösl (SPD) regten in diesem Punkt eine Kompromisslösung an. Irgendwie müsse man den Anwohnern schließlich auch entgegenkommen, so Bösl. Sein Appell an Ventur: „Darüber mal nachdenken!“
Der Kinderspielplatz in Saaß und die dortige Kapelle, die unter Denkmalschutz steht und erst in den vergangenen Jahren restauriert worden war, erforderten nach dem Bergbaurecht einen Sprengradius von mindestens 1000 Metern, wie eine weitere Diskussionsteilnehmerin vorbrachte. Doch das Genehmigungsverfahren der Steinbrucherweiterung unterliege dem Wasserrecht, wie Ventur erklärte. Und da gebe es eben andere Maßstäbe.
Eine Aussage, die Stadtrat Hofmann nicht akzeptieren wollte. „Hier geht es um schützenswerte Güter. Es ist nicht nachvollziehbar, warum im Wasserrecht andere Maßstäbe gelten sollen als im Bergbaurecht.“
Bei Sprengungen in den Häusern bleiben...
Gesprengt soll täglich werden, wie der Leiter Steinbruch ankündigte. Möglicherweise werde auch mit kleineren Sprengungen vorgegangen, was allerdings mehrere Sprengungen zur Folge haben würde. Feststehe jedoch, dass bei Sprengungen im Sprengradius liegende Straßen gesperrt werden müssten. Bewohner in angrenzenden Häusern dürften sich dabei auch nicht im Freien aufhalten und müssten während dieser Zeit in ihren Häuser bleiben, so der Steinbruchleiter.
Der Steinbruch soll noch näher an den Schwanzlhof in Dirnau rücken. Damit gerät ein Pferdeparadies in Gefahr. Die MZ berichtete darüber bereits im Januar. Den Artikel finden Sie hier.
Nadine Hofmann vom Reitparadies Schwanzlhof in Dirnau sieht durch die Steinbrucherweiterung die Existenzgrundlage des Reit-Betriebs gefährdet. Auch die Frage, wie während einer Sprengung bei medizinischen Notfällen verfahren werde, brannte ihr auf den Nägeln.
Stadtrat Gregor Glötzl (BWG) wollte wissen, wie die Renaturierung des Steinbruchareals abgesichert sei. Ventur sicherte hierfür eine Rücklagenbildung zu. Thomas Hofmanns Warnung zum Ende der Veranstaltung an Ventur war dennoch deutlich: „Sollte es kein Entgegenkommen geben, treffen wir uns wieder bei ,Jetzt red i‘ oder in der TV-Sendung Quer.“ Auch die Gründung einer Bürgerinitiative wurde von ihm ins Spiel gebracht.
Das weiteres Prozedere und Blick in die ferne Zukunft
Derzeit liegen die Antragsunterlagen zur Steinbrucherweiterung beim Landratsamt. Mit der öffentlichen Bekanntmachung wird im Juni gerechnet. Dann haben Bürger und Träger öffentlicher Belange vier Wochen Zeit, die Unterlagen einzusehen und weitere vier Wochen, ihre Einwendungen zu verfassen.
Die Erweiterungsschritte im Detail: Phase 1 (2029 bis 2033): Ausdehnung in Richtung Kastenhof (Westen) und Dirnau (Nordosten). Phase 2 (nach rund zehn Jahren): Abbau Richtung Bubenhof (Norden) und Saaß (Nordwesten). Phase 3 (ab 2054): Die gesamte Grundfläche soll genutzt werden.
Nach dem Abbauende im bisherigen Steinbruch soll ein 90 Hektar großer und bis zu 15 Meter tiefer Stausee entstehen. – Eine Fläche von 3,36 Hektar soll dem Artenschutz dienen. Für 15 bis 20 Feldlerchen-Brutpaare seien allerdings keine Kompensationsmaßnahmen unmittelbarer Umgebung möglich, hieß es.
