Burglengenfelder Windpark-Gegner fühlt sich von Projektanten verschaukelt

Von Thomas Rieke · 12. März 2024 um 05:00

Wie bringt man die Teile einer Windkraftanlage (WKA), deren Rotorblätter 75 Meter lang sind, in einen dichten Wald hinein? Welchen Flurschaden nimmt man dafür in Kauf? Diese Fragen treiben Leo Pirzer seit Monaten um. Die Antworten, die der 63 Jahre alte Burglengenfelder Bauprofi Ende Februar auf der Bürgerversammlung erhalten hatte, beruhigten ihn keineswegs, im Gegenteil.

Wie berichtet, will die Wind-18-GmbH zusammen mit den Städten Burglengenfeld und Schwandorf sowie der Bürgerenergie Mittlere Oberpfalz (Bemo) an den Stadtgrenzen zwei Windparks realisieren, die nach derzeitigem Stand zusammen zwölf Anlagen vorsehen. Damit wollen die Kommunen einen Teil zur Energiewende beitragen, und Bürger sollen die Möglichkeit haben, über die Energiegenossenschaft Teilhaber zu werden.

Die Skepsis wuchs stetig

Leo Pirzer, leidenschaftlicher Jäger und Fachmann vom Bau, verfolgte die Debatten dazu mit wachsender Skepsis. Er selbst hat für ein renommiertes Unternehmen viele Großprojekte mit umgesetzt. Vorwiegend Brücken, aber auch auf Baustellen, auf denen moderne Windmühlen errichtet wurden, kennt er sich aus.

Daher ist er überzeugt, sich die Eingriffe, die nun auf Burglengenfelder und Schwandorfer Flur bevorstehen, ausmalen zu können. Seinen Worten zufolge drohen riesige Einschläge, die das Waldgebiet zwischen Witzlarn und Naabeck nachhaltig verändern werden. Pro Windrad müssten bis zu 20 Hektar gerodet werden.

Windparkplaner erleben ab und an auch böse Überraschungen. In Neunburg vorm Wald beispielsweise löste eine Bodensenkung eine Grundsatzdebatte aus. Mehr dazu lesen Sie hier.

So verbreitete es Pirzer auch auf einem Flugblatt, das er kurz vor der Bürgerversammlung unters Volk gebracht hatte. Projektant Stefan Habermeier (Wind 18) versuchte umgehend, Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Er sagte, dauerhaft würden pro WKA lediglich rund 3000 Quadratmeter Grund benötigt. Eine ebenso große Fläche müsse zwar für den Aufbau gerodet werden, würde dann aber wieder aufgeforstet. Beim Wegenetz werde man sich grundsätzlich „am Bestand orientieren“. Es werde aufgeschottert, und die Kurven würden etwas ausgeweitet. Die Kernbotschaft: Unterm Strich sei alles halb so wild.

Pirzer: Ein Tieflader ist kein Harvester

Genau darüber empört sich Leo Pirzer. Er fühlt sich und andere Skeptiker verschaukelt. Der Bauexperte macht eine ganz andere Rechnung auf. Neben der Fläche für das Fundament und dem Areal, das für den Aufbau benötigt werde, dürfe man vor allem den Wegebau und die für die Kabelverlegung benötigten Trassen nicht vergessen. Ein normaler von der Forstwirtschaft genutzter Weg habe eine Breite von fünf Metern. Bestimmte Teile eines Windrads aber seien, je nach Bautyp, zwischen sechs und acht Meter breit, sagt Pirzer.

Folglich müssten die Zufahrtwegs entsprechend ausgebaut werden. In den Kurven gelte dies erst recht. Damit die Rotorblätter „ums Eck“ gebracht werden könnten, sei eine Breite von rund 40 Metern erforderlich. Damit nicht genug: Wegen des Gewichts der Tieflader samt Ladung reiche es nicht aus, „nur ein bisschen zu ertüchtigen“, betont der Burglengenfelder. Links und rechts müsse man Humus und Wurzelwerk beseitigen, ordentlich aufschottern und verdichten. Schließlich gelte es, sensible Teile zu transportieren, und ein Tieflader mit solcher Fracht sei nicht zu vergleichen mit einem Harvester, der sich auf jedem Gelände seinen Weg bahne.

Habermeier kündigt Baugrundgutachten an

Weitere massive Eingriffe befürchtet Pirzer durch die Fundamentierung. Je nachdem wie der Untergrund beschaffen sei, seien die Firmen gezwungen, Pfähle zu betonieren oder sogenannte Injektionsgründungen anzulegen, um Gesteinsrisse zu versiegeln. Insgesamt sei für An- und Abtransporte mit zigtausenden von Lkw-Bewegungen zu rechnen.

Auf die Bedenken angesprochen, erwidert Habermeier, natürlich würde man zu gegebener Zeit ein Baugrundgutachten in Auftrag geben – und auf Ratschläge der Experten entsprechend reagieren. Was den Flächenverbrauch angeht, so sieht Habermeier keinen Anlass, sich zu korrigieren: „Unsere Angaben gelten grundsätzlich weiter.“ In der konkreten Planung könne es allerdings „noch leichte Änderungen geben“. Diese Aussagen bezögen sich auf den Windpark Burglengenfeld. Für den auf Schwandorfer Seite seien die Anlagen-Standorte noch nicht final festgelegt, so dass auch noch kein konkreter Wegeplan existiere.

Wer sich aber selbst ein Bild davon machen möchte, wie ein Wald aussieht, wenn Windrädern in ihm stehen, dem empfiehlt Habermeier einen Ausflug nach Pfreimd und Wernberg-Köblitz. Dort stehen beispielsweise am Feistelberg drei Windkraftanlagen. Allerdings haben die Windräder mit einer Nabenhöhe von rund 134 Metern eine geringere Dimension als die Anlagen, die für Burglengenfeld und Schwandorf vorgesehen sind. Die Nabenhöhe gibt Habermeier hierfür mit 162 Meter an.

Mit Kameras auf der Pirsch

Leo Pirzer forciert unterdessen seinen Plan zur Gründung einer Bürgerinitiative. Bei einem ersten Treffen hat er bereits 30 Unterschriften von Unterstützern gesammelt. Allerdings weiß Pirzer auch, dass die Chancen, Vorhaben, wie sie nun in Burglengenfeld auf den Weg gebracht werden, durch Bürgerbegehren kaum zu stoppen sein werden. Die WKS sollen nämlich auf einer Vorrangfläche realisiert werden.

Umso mehr setzt Pirzer auf Belange des Naturschutzes. Ein halbes Dutzend Mitstreiter sei bereits „permanent mit Kameras unterwegs“, um Besonderheiten in dem Plangebiet zu dokumentieren. Ende März soll dann die Bürgerinitiative ins Leben gerufen werden.

Projekt-Gegner Leo Pirzer hat sich über einige Aussagen der Wind-18-Sprecher „grauenhaft geärgert. Foto: Rieke