Windpark Burglengenfeld: Die Umland-Bewohner sind tief enttäuscht

Von Thomas Rieke · 29. Februar 2024 um 05:00

Die von rund 150 Personen besuchte Bürgerversammlung, die am Dienstag in der Burglengenfelder Stadthalle extra für das Thema Windpark abgehalten wurde, verlief störungsfrei und friedlich. Aber: Auf die Projektanten und Stadtoberhaupt Thomas Gesche (CSU) prasselte jede Menge Kritik ein.

Nachdem Ludwig Friedl, Geschäftsführer der Energieagentur Regensburg, die Notwendigkeit für den Ausbau der Windkraft unter anderem auf Berufung der Gesetzeslage erklärt hatte, bestritt Stefan Habermeier einen wesentlichen Teil des Abends.

Der Projektant von der Wind18 GmbH skizzierte, was sein Unternehmen auf Burglengenfelder und Schwandorfer Flur vor hat und welche Rolle dabei die Kommunen sowie die Bürgerenergie Mittlere Oberpfalz (BEMO) spielen sollen. Auch versuchte er, den stark vertretenen Projektgegnern so weit wie möglich den Wind aus den Segeln zu nehmen, indem er zu fast allen Fragen, die auf einem Flugblatt gestellt worden waren, Stellung bezog. Nur zu Pachtzahlungen an Grundbesitzer äußerte er sich nicht.

Freiwilliger Verzicht auf Maximallösung

Besonders hob Habermeier hervor, dass das Konzept von Wind18 einen vergleichsweise harmlosen Eingriff in die Vorrangflächen auf dem Gebiet der einst selbstständigen Gemeinde Büchheim und Schwandorfs darstelle. Theoretisch wären seinen Worten zufolge deutlich mehr Windräder möglich. Man strebe aber bewusst keine Maximallösung, sondern eine „vernünftige“ an.

Rund eine Woche vor der Bürgerversammlung deutete sich an, dass es gehörig Gegenwind geben könnte. Mehr dazu lesen Sie hier.

Entschieden widersprach Habermeier der von Jagdpächter Leo Pirzer ins Spiel gebrachten Behauptung, für eine einzige Windkraftanlage müssten 20Hektar Wald geopfert werden. Für das Fundament (500 Quadratmeter) und den Kran-Stellplatz seien dauerhaft nur rund 3000 Quadratmeter erforderlich. Zusätzlich würden für den Aufbau 3000 Quadratmeter gerodet, dann aber wieder aufgeforstet.

Militärische Belange sind noch nicht abschließend geklärt

Aktuell, so Habermeier weiter, befinde sich die Wind18 in der Phase zwischen Flächensicherung und Antragstellung. Die erforderlichen Unterlagen sollen im März beim Landratsamt eingereicht werden. Auch wenn man glaube, die Hausaufgaben erledigt zu haben und diverse Risiken schon jetzt ausschließen zu können, sei ein Scheitern nicht auszuschließen, räumte der Projektant ein. Vor allem die militärischen Belange hinsichtlich des Truppenübungsplatzes in Hohenfels seien noch nicht abschließend geklärt. Dies könne auch erst im Zuge des Genehmigungsverfahrens geschehen.

Beeinträchtigungen der Wohnqualität zum Beispiel durch Schalldruck oder Schattenwurf seien Gegenstand gründlicher Untersuchungen, beteuerte Habermeier. Für einige drohende Probleme gebe es technische Lösungen. Eine klare Absage erteilte er der Forderung nach Ausgleichszahlungen für angebliche Wertminderungen. Man werde sich aber für die Betroffenen einen „Mechanismus überlegen, der eine Anerkennung darstellt“.

Ortssprecher fühlt sich von Bürgermeister im Stich gelassen

Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) verwies auf zwei klare Entscheidungen im Stadtrat für den Windpark. Zwar habe er für die Kritiker im Umland ein gewisses Verständnis, doch gebe es den breiten gesellschaftlichen Konsens, sich von Kohle- und Atomstrom zu verabschieden. „Die Windkraftanlagen werden kommen“, sagte Gesche. Da sei ihm die Variante, die Transparenz und eine starke Beteiligung der Stadt garantiere, noch die liebste. Anlieger hätten ein Erstzeichnungsrecht, und die Wertschöpfung bleibe in der Region. Das sei die bestmögliche Konstellation.

Büchheims Ortssprecher Jürgen Ehrnsperger gab indes zu bedenken, insbesondere der Ort Witzlarn sei extrem betroffen. Aber auch aus anderen Dörfer habe es viele drängende Fragen gegeben. Um diese zu klären, hätte sich Ehrnsperger die Unterstützung durch Gesche gewünscht. „Ich habe dich sehr vermisst, Thomas!“, sagte er. Gesche konterte, bereits im Sommer 2023 habe es im Umland sechs Versammlungen zum Thema gegeben. Die Veranstaltung jetzt sei die Fortsetzung der Information.

Leo Pirzer, der die Gründung einer Bürgerinitiative ankündigte, ließ Habermeiers Korrektur hinsichtlich des Flächenverbrauchs nicht auf sich sitzen. Sie passe nicht zu den Erfahrungen, die er selbst in seinem Beruf auf Großbaustellen gewonnen habe.

Eine reine „Werbeveranstaltung“...

Martin Graf kritisierte die „tolle Werbeveranstaltung“, die man aufgezogen habe. Von „der Politik“ sei er wahnsinnig enttäuscht. Niemand habe sich die Mühe gemacht, mit den Betroffenen am Land zu sprechen. Markus Pirkenseer aus Kirchenbuch sieht das Wohlfühlklima in seinem Heimatdorf akut bedroht. Da müssten „ganz andere Summen als 2000, 3000 Euro fließen, damit ich das dulden kann“. Nikolaus Händel, der im selben Ort zuhause ist, zeigte sich entsetzt über die bevorstehende Zerstörung von Wald, die Zerstückelung von Vögeln – und das Verhalten von Bürgermeister Gesche.

Aus den Reihen der Windkraftbefürworter im Publikum meldete sich Uschi Schönwetter zu Wort. Sie zog eine durchweg positive Bilanz. Die Verantwortlichen machten ihre Sache ordentlich. Die Burglengenfelder sollten auch an die Finanzlage der Kommune denken. Regelmäßige Einnahmen, die durch die Beteiligung an dem Windpark fließen würden, täten der Stadt und damit ihren Bürgern gut.

Um das geht es für Burglengenfeld

Die Pläne: Die Wind18 GmbH möchte im Forst östlich von Witzlarn den kommunalen Windpark Burglengenfeld realisieren. Er soll vier Anlagen umfassen. Gleich jenseits der Stadtgrenze sind in Zusammenarbeit mit Schwandorf acht weitere Windräder vorgesehen. Bis auf die militärischen Belange bezüglich des Truppenübungsplatzes Hohenfels scheinen die wesentlichen Fragen bereits geklärt zu sein. Im März will Wind18 beim Landratsamt den Antrag auf Genehmigung einreichen.

Details: Die Entfernung der Anlagen zur Wohnbebauung liegt mit einer Ausnahme bei 1000 Metern. Das Investitionsvolumen allein für den Burglengenfelder Park wird mit 36 Millionen Euro angegeben. Mit der erzeugten Strommenge könnten angeblich neun Prozent des lokalen Bedarfs gedeckt werden.

Beteiligung: Sowohl die Kommunen als auch die Bürgerenergie Mittlere Oberpfalz (BEMO) wollen Teilhaber werden. In der Entwicklungsphase ist die Beteiligung mit 0,1 Prozent marginal. In der Betriebsphase soll sie jeweils 33,3Prozent betragen. Die Stadtwerke wollen ihren Anteil über Kredite beisteuern.

In einer früheren Version des Textes hieß es fälschlicherweise, zur Wohnbebauung würde nur ein Mindestabstand von 800 Metern eingehalten. Die permanent benötigte Fläche für eine einzige Windkraftanlage wurde mit 2500 Quadratmetern angegeben. Sie beläuft sich aber auf 3000 Quadratmeter, betont der Projektant. Wir haben die Fehler am 29. Februar, 13.20 Uhr, korrigiert.

Bürgermeister Thomas Gesche und Schwandorfs OB Andreas Feller (l.) werben beide für Windkraft. Foto: Rieke
Büchheims Ortssprecher Jürgen Ehrnsperger hätte sich mehr Aufklärung im Umland gewünscht. Foto: Rieke