Kurz vor Info-Abenden: Über Windpark Burglengenfeld-Schwandorf ziehen dichte Wolken auf

Von Thomas Rieke · 21. Februar 2024 um 19:00

Seit Monaten verdichten sich die Hinweise, dass die Pläne für einen Windpark auf Burglengenfelder und Schwandorfer Flur schon sehr konkrete Formen angenommen haben. Um dem Informationsbedürfnis der Bevölkerung entgegenzukommen, haben die Kommunen für 27. und 28. Februar Bürgerversammlungen vorbereitet. Büchheims Ortssprecher Jürgen Ehrnsperger war schneller.

Er lud bereits am vergangenen Sonntag ins Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Büchheim ein. In zahlreichen Gesprächen mit Dorfbewohnern hatte er nach eigener Aussage erkannt, dass sich viele drängende Fragen zum Thema aufgestaut haben. Soweit möglich, wollte der Ortssprecher selbst zur Klärung beitragen. So würde man vermutlich auch auf die von den Städten geplanten Veranstaltungen besser vorbereitet sein und ein Stimmungsbild erhalten, so seine Vermutung.

Mitarbeiter von Wind 18 klinkte sich ein

Wie der Zufall so spielt, hatte Stefan Habermeier vom Vorhabensträger Wind18 von dem Treffen in Büchheim erfahren – und sich quasi selbst eingeladen. Er wollte Rede und Antwort stehen, um Missverständnisse aus der Welt zu schaffen und wilden Spekulationen entgegenzutreten.

Mit von der Partie war auch der Burglengenfelder Leo Pirzer, der im betroffenen Gebiet seit Jahrzehnten als Jäger unterwegs ist. Nicht nur deshalb, so versichert der 63-jährige ehemalige Werkspolier einer Bauunternehmung, sei er strikter Gegner des Windparks. „Ich will den Wald retten. Wir haben hier eine große Artenvielfalt und seltene Vögel. Doch die Projektentwickler haben das alles für wertlos erklärt“, sagte er wörtlich.

Ein Flugblatt mit vielen drängenden Fragen

Pirzers Ziel ist es also, das Vorhaben zu verhindern. Auf einem Flugblatt, das er in einer Auflage von 2000 Stück unters Volk bringen will, fordert er die Besucher der Bürgerversammlungen am 27. und 28. Februar auf, die Verantwortlichen mit möglichst vielen Fragen zu löchern. Die Bewohner der betroffenen Region hätten nicht nur ein Anrecht zu erfahren, ob durch den Windpark ihre Lebensqualität beeinträchtigt wird, sie müssten auch wissen, ob sie für den zu erwartenden Wertverlust ihrer Wohnimmobilien mit Ausgleichszahlungen rechnen dürften. Auch wäre es interessant zu erfahren, wie es um die immer wieder ins Feld geführte Bürgerbeteiligung bestellt ist.

Im Sommer vergangenen Jahres hatte Bürgermeister Thomas Gesche erstmals Bürgerversammlungen angesetzt, um über die Windkraftpläne zu informieren und Hintergründe zu erläutern. Zum Beispiel in Pistlwies.

An die Gründung einer Bürgerinitiative hat Pirzer ebenfalls bereits gedacht. Eine erste Unterschriftensammlung verlief seinen Worten zufolge vielversprechend. „Rund 30 Personen haben spontan unterzeichnet.“ Nägel mit Köpfen will er aber erst nach den städtischen Veranstaltungen machen.

Grundbesitzer können mit hohen Einnahmen rechnen

Projektant Habermeier ist froh, dass er an der Versammlung in Büchheim teilnehmen durfte. Natürlich hätten alle Fragen irgendwie ihre Berechtigung, meinte er. Nicht jede ließe sich aber in der Öffentlichkeit beantworten – wie etwa die zu den konkreten Pachtzahlungen an die Grundeigentümer. Habermeier bestätigte allerdings, dass „normale Projektentwickler“ zwischen 70.000 und 130.000 Euro pro Windkraftanlage (WKA) und Jahr zahlen würden. Trotzdem ließe sich mit Windrädern günstiger Strom erzeugen als mit Atomkraftwerken.

Mehrere Firmen hatten gleichzeitig Interesse gezeigt, in Burglengenfeld und Schwandorf Windkraftanlagen zu erreichten. Ein guter Überblick wurde bereits im Juli 2023 gegeben. Mehr dazu lesen Sie hier.

Laut Habermeier sind aktuell durch die Wind 18-GmbH auf Burglengenfelder Flur vier WKAs vorgesehen, auf Schwandorfer Boden acht. Andere Unternehmen hätten auf derselben Fläche durch geringere Abstände deutlich mehr Anlagen geplant, seien aber aus dem Rennen. Die Grundstücksverhandlungen seien weit fortgeschritten. Bei den Verpächtern handle es sich um Privatleute, also nicht um die bayerischen Staatsforsten.

Kritik an den bayerischen Staatsforsten

Diese könnten am Ende aber doch noch eine Rolle spielen, räumte Habermeier ein. Und zwar dann, wenn auch sie (wie schon lange erwartet) Flächen ausschreiben würden, die ebenfalls grundsätzlich zum Windvorranggebiet zählten. Dann seien drei bis vier Anlagen zusätzlich vorstellbar. Die Crux sei, so Habermeier weiter, dass bei den Preisvorstellungen des Staatsbetriebs Kommunen sowie Bürgerenergiegenossenschaften so gut wie chancenlos seien. Sie könnten da nicht mithalten.

Nicht alle Zahlen, welche Windpark-Gegner Pirzer ins Spiel bringt, halten laut Habermeier einer Prüfung stand. Zum Beispiel sei es falsch, dass für eine einzige Windkraftanlage inklusive Zufahrt und Kabeltrassen bis zu 20000 Quadratmeter Boden beansprucht würden. 3500 Quadratmeter seien völlig ausreichend. Auch sollten Kritiker bedenken, dass der Landverbrauch durch Freiflächen-PV-Anlagen umgerechnet auf den Stromertrag ungleich höher sei.

Wie groß sind die Chancen der Gegner?

Trotzdem: Leo Pirzer ist sich sicher, dass die große Mehrheit der Büchheimer die Windkraftpläne ablehnen. Den Anteil der Gegner schätzt er auf 80 Prozent. Unterstützung darf er sich von Ortssprecher Ehrnsperger erwarten, der sich allerdings diplomatischer ausdrückt. Er sagt, wenn es einen Weg gebe, das Projekt zu verhindern, würde er ihn einschlagen. Gebe es keinen, so seien die Betroffenen gut beraten, das Beste aus der Situation zu machen, sprich auf möglichst große Zugeständnisse zu dringen. Die Meinungsbildung unter den Bürgern sei noch nicht abgeschlossen, betonte Ehrnsperger. In der Versammlung sei aber zu spüren gewesen, dass das Thema die Büchheimer sehr bewege.

Rathauschef Gesche bleibt gelassen

Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) hält das für völlig normal. Die Emotionen seien nachvollziehbar, „da Windkraftanlagen insbesondere das Landschaftsbild verändern“. Er selbst werde kommende Woche „mit denselben Gefühlen wie vor jeder anderen Bürgerversammlung auch“ in die Veranstaltung gehen. Er und die Verwaltung freuten sich auf einen guten Austausch mit den Besuchern. Man garantiere für Sachlichkeit, Objektivität und Transparenz.

Dass die Bürgerversammlung in der Stadthalle und nicht in einer Dorfgaststätte stattfindet, erklärte Gesche mit dem zu erwartenden Andrang. Die Stadt wolle jedem Interessierten die Möglichkeit zur Teilnahme geben. „Im Umland wäre das aus Platzgründen nicht möglich“, so der Rathauschef.

Zwei Bürgerversammlungen hintereinander

Am 27. Februar ab 18 Uhr findet in der Burglengenfelder Stadthalle eine Versammlung statt, in der die Besucher über die geplanten Windkraftanlagen im Umland informiert werden. Rede und Antwort stehen der Windkümmerer der Energieagentur Regensburg, Vertreter der Wind18-GmbH sowie der Bürgerenergiegenossenschaft Mittlere Oberpfalz. Weil auch die Planungen auf dem Stadtgebiet Schwandorf vorgestellt werden, ist Oberbürgermeister Andreas Feller zu Gast. Schwandorf lädt tags darauf um 18 Uhr in die Oberpfalzhalle ein.