Windrad-Pläne sorgen in Pistlwies für Unmut – Bürger fordern Anreize

Vor gut einem Dutzend Zuhörern ist kürzlich in Pistlwies die Reihe der Bürgerversammlungen zu Ende gegangen, die Rathauschef Thomas Gesche (CSU) extra für die Umlandgemeinden angesetzt hatte, um die Bevölkerung über die Windenergie-Pläne aufzuklären.
Obschon das Stadtoberhaupt, ähnlich wie zuvor in See, Pottenstetten oder Dietldorf, nicht viel Konkretes präsentieren konnte, entwickelte sich eine Diskussion, die in die Seele der Landbevölkerung blicken ließ.
„A selten blöder Termin!“, schimpften kurz vor Beginn der Veranstaltung einige Besucher. Sie drückten damit ihren Unmut über den auf 18 Uhr festgesetzten Beginn aus. „Da kommen die meisten doch erst von der Arbeit nach Hause. Und die Bauern sind noch am Feld“, hieß es. Damit ließe sich die doch eher bescheidene Zahl der Gäste erklären, die sich letztlich im Gasthaus Fleischmann zusammengefunden hatten.
Dabei ging es um ein Thema, das speziell für die Bewohner der bis 1972 selbstständigen Gemeinde Büchheim, zu der auch Pistlwies gehörte, ein heißes Eisen ist: die Ausweisung von Windpotenzialflächen und die möglichen Folgen. Leo P. hatte die Lage nach einem kurzen Blick auf eine Karte, die Stadtbaumeister Franz Haneder verteilte, sofort erkannt: „Wir hier sollen also alleine die komplette Last der Energiewende durch Windkraftanlagen tragen?“
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Tatsächlich befindet sich der allergrößte Teil der von Burglengenfeld an den regionalen Planungsverband gemeldeten Flächen, auf denen der Bau von Windmühlen gesteuert werden soll (2,15 Prozent des Stadtgebiets), auf Büchheimer Flur. Vor allem die Pistlwieser könnten in einigen Jahren von ihren Gärten aus nicht mehr nur den vertrauten Fernmeldeturm aus dem Staatsforst ragen sehen, sondern die Rotorblätter riesiger Windanlagen.
Ungleiche Lastenverteilung: Das Land produziert für die Stadt
Auch Günter B. sieht die Lastenverteilung kritisch: Wenn unbedingt „grüner Strom“ gewünscht werde, sollten doch „die Stoderer“, also Burglengenfelder Stadtbewohner, zuerst ihren Teil dazu beitragen und die Hausdächer mit Photovoltaik bestücken – „und nicht uns diese Windradl hier aufstellen“.
Ein weiterer Besucher behauptete gar, wenn alle Hausbesitzer so viel in erneuerbare Energiequellen steckten, wie es die Landbevölkerung im Allgemeinen und die Bewohner der Büchheimer Ortsteile im Besonderen bereits getan hätten, gäbe es sowieso keine Probleme. Letztere seien diesbezüglich nämlich vorbildlich. In einer Pro-Kopf-Berechnung halte da kaum ein anderer Ortsteil mit.
Ein vierter Diskutant hielt die aufkeimende Aufregung für völlig umsonst. Wenn die Planungen noch zwei Jahre dauerten, werde sich das Thema von selbst erledigen, meinte er. Dann würden die Grünen auf Bundesebene nämlich abgewählt, „und dann haben wir wieder eine ganz andere Situation“.
Gesche: Bedarf an umweltfreundlicher Energie wird weiter steigen
Bürgermeister Gesche konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, warnte aber vor übertriebenen Erwartungen von Windkraft-Skeptikern im Falle eines Machtwechsels. Alles deute darauf hin, dass der Bedarf an umweltfreundlicher Energie steigen werde, also „kommen wir nicht umhin“, auch Windkraftanlagen zuzulassen, ja zu fördern. Im Übrigen warnte Gesche davor, Konflikte zu schüren und einen Keil zwischen Land- und Stadtbevölkerung zu treiben. Es sei nun einmal nicht zu ändern, dass sich bestimmte Örtlichkeiten für den Ausbau der Infrastruktur besser eigneten als andere. Die Landbewohner profitierten umgekehrt auch von diversen Einrichtungen und Angeboten, die in der Stadt angesiedelt seien – auch nicht immer zur Freude der dort Lebenden.
Wie lassen sich die Bürger mit ins Boot holen, mit Anreizen?
Ortssprecher Jürgen Ehrnsperger klinkte sich ein, um die Lage aus seiner Sicht auf den Punkt zu bringen: „Die Dinger (Windräder) werden kommen, Leute. Das ist sicher.“ Insofern stelle sich nur noch die Frage, wie sich die Akzeptanz verbessern ließe.
Ehrnsperger selbst lieferte Vorschläge. Anreize für direkt Betroffene, sich zu arrangieren, könnten beispielsweise kostenloser Strom oder Genossenschaftsanteile sein. Ob über so etwas nachgedacht werde?, wollte er wissen. Windkümmerer Ludwig Friedl von der Energieagentur Regensburg bestätigte die Existenz entsprechender Überlegungen. Im Gespräch seien zum Beispiel Entschädigungen durch besondere Belastungen während der Bauphase oder auch ein geringfügiger Strompreisnachlass für die Gemeinde. Das Ganze sei aber rechtlich nicht unproblematisch. Man solle Zustimmung nicht „erkaufen“.
Bürgermeister Gesche sagte zu, die Verwaltung werde sich für „vernünftige“ Beteiligungsmodelle einsetzen. Ansonsten zog er ein positives Fazit zu all den Versammlungen im Umland, die seit Anfang Mai stattgefunden haben. Dass es etwas Gegenwind gegeben würde, sei zu erwarten gewesen. Doch die Kritik habe sich ja noch im Rahmen gehalten, meinte Gesche. „Vor ein paar Jahren hätte das noch ganz anders ausgeschaut“, rundete der Rathauschef ab.
Windkraft: Die Stadt Burglengenfeld will steuern
Allgemeines: Das Stadtgebiet von Burglengenfeld umfasst 93,26 Quadratkilometer. 32,4 Prozent gelten als Windpotenzialfläche. 2,15 Prozent hat die Verwaltung an den Planungsverband gemeldet. So glaubt die Kommune, alles Weitere besser steuern zu können.
Perspektive: Konkrete Bauanträge gibt es derzeit noch keine.
