Zwischen Schwandorf und Burglengenfeld sollen Windräder entstehen: Drei Investoren ringen im Stadtrat

Von Stefanie Kraus · 25. Juli 2023 um 19:00

Erneut beschäftigte das Thema Windenergie die Schwandorfer Stadträte. Drei Investoren haben ihren Hut in den Ring geworfen, um einen Windpark an der Stadtgrenze zwischen Schwandorf und Burglengenfeld sowie dem Staatsforst zu entwickeln. Dabei setzen die Unternehmen unterschiedliche Schwerpunkte.

Die Vorgaben bei der Stadtratssitzung am Montagabend waren streng: Jeweils zehn Minuten hatten die drei potenziellen Projektplaner Zeit, dem Gremium ihr Vorhaben erneut zu präsentieren. Den Anfang machte Andreas Scharf von der Primus Energie GmbH.

Bereits im Sommer vergangenen Jahres hatte Scharf das Vorhaben den Stadträten ausführlich vorgestellt. Nun bekräftigte er, dass Primus im Zusammenhang mit dem Ausbau der Windenergie auch weiterhin auf das Thema Wasserstoff setze. Das Unternehmen will nicht nur den deutschlandweit größten Elektrolyseur in Vohburg bedienen, sondern die Produktion von Wasserstoff auch vor Ort aufbauen – so auch im Landkreis Schwandorf. Scharf sprach davon, dass die Große Kreisstadt etwa gemeinsam mit Burglengenfeld in Zukunft ein größeres Wasserstoffprojekt umsetzen und damit Energie für die örtliche Industrie produzieren könnte. „So versuchen wir die Zukunft der Energiewende vorauszudenken“, sagte Scharf.

Windräder mit einer maximalen Höhe von 267 Metern

Der von Primus geplante Windpark soll laut ersten Entwürfen auf Schwandorfer Stadtgebiet neun Windräder mit einer maximalen Höhe von 267 Metern umfassen. Weitere Anlagen sollen auf Burglengenfelder Seite entstehen. Ab 2025/26 könnte der Park laut Scharf gebaut und in Betrieb genommen werden. Eine einzige Windanlage habe eine Leistung von sechs Megawatt. Bei für die Region üblichen Windverhältnissen ergebe das bis zu 17 Millionen Kilowattstunden pro Jahr. Damit könnten 4500Haushalte versorgt werden.

Auch die finanziellen Vorteile, die das Projekt mit sich brächte, sprach Scharf an. So soll etwa die Kommune mit einer Ausschüttung von 0,2 Cent pro eingespeister Kilowattstunde beteiligt werden. „Bei einer modernen Windkraftanlage beträgt die Umlage damit etwa 20.000 Euro pro Jahr und Anlage“, so Scharf. Doch auch lokale Energiegenossenschaften sowie Anwohner, letztere mittels eines speziellen Sparbriefs, könnten sich an der Windkraftanlage beteiligen. Auch solle es einen Bürgerstromtarif geben.

Alfred Damm, Fraktionssprecher von Grüne/ÖDP, stellte fest, dass Primus als einziger Anbieter ein eigenes Umspannwerk bauen und nicht wie die Mitbewerber die Anlage in Büchelkühn mitnutzen wolle. Scharf sagte dazu, dass er davon ausgehe, dass die Kapazitäten der bestehenden Anlage in Büchelkühn für ein Projekt dieser Größe möglicherweise nicht ausreichen könnten.

Bis zu 49Prozent der Anteile abgeben

Neu unter den Bewerbern ist der Weltkonzern Uniper, der in der Stadtratssitzung durch David Holmgren und Tobias Kohr vertreten war. Der Konzern setzte nach eigenen Angaben 2021 rund 164 Milliarden Euro um und beschäftigt etwa 7000 Mitarbeiter in ganz Europa. Zuletzt machte das Unternehmen jedoch wegen seiner Rekordverluste in Milliardenhöhe und der Verstaatlichung Schlagzeilen. SPD-Fraktionschef Franz Schindler wollte wissen, wie Uniper ausgerechnet auf Schwandorf kommt. Dies beantworteten die Konzernvertreter mit der schieren Verfügbarkeit von Fläche im Süden Deutschlands. Ihr Windpark soll einmal 17 Windräder umfassen. Interessant: Uniper plant zwar keinen Verkauf des Windparks, wäre aber wohl bereit, bis zu 49 Prozent der Anteile an die Gemeinde, Bürger oder Unternehmen abzugeben.

Der dritte Bewerber um den Ausbau der Windenergie in Schwandorf ist die „Wind 18“, vertreten durch Stefan Habermeier und Richard Winderl. Als „Abgrenzung zu den anderen Betreibern“ führte Habermeier das partnerschaftliche Beteiligungsmodell ins Feld. Dabei sollen die Kommune, die Bürger sowie die Wind 18 mit jeweils 33,3 Prozent der Anteile gleichberechtigt beteiligt sein – jedoch erst ab dem Zeitpunkt des Betriebs. Zuvor trage die Wind 18 das volle Projektrisiko, während die Kommune und die Bürger nur jeweils 0,1 Prozent der Anteile halten. Trotzdem hätten sie von Beginn an vollständige Gesellschafterrechte.

Der Windpark soll ebenfalls zwischen Schwandorf und Burglengenfeld entstehen und insgesamt 16 Anlagen auf einer Fläche von 274 Hektar umfassen, davon acht auf Schwandorfer Boden. Laut Habermeier könnte die Anlage 2027 in Betrieb gehen.

Wird die Vergabe zum Problem?

Ein Knackpunkt in der Debatte um den Ausbau der Windkraft könnte die Vergabe der Flächen der Staatsforsten werden. Das merkte auch der Fraktionsvorsitzender der UW, Kurt Mieschala, an. Seit Kurzem gibt es ein neues Verfahren, bei dem die Flächen öffentlich ausgeschrieben werden müssen und nicht wie bisher von den Unternehmen unmittelbar reserviert werden können.

Was das künftig für die Planung und Umsetzung von Windprojekten bedeutet, konnte in der jüngsten Stadtratssitzung niemand absehen. Ein Beschluss wurde im Beisein der Öffentlichkeit nicht gefasst. Diskussion und Abstimmung wurden in den nichtöffentlichen Teil verlegt.