Steinbruch-Erweiterung: Zementwerk Burglengenfeld weicht Streitgespräch in großer Runde aus

Der Burglengenfelder Steinbruch soll bis 2066 um 45 Hektar wachsen. Was bedeutet das für Flora und Fauna, womit müssen die Menschen rechnen, denen der Tagebau immer näher rückt? Um solche Fragen ging es beim Informationsforum, zu dem Heidelberg Materials ins VAZ geladen hatte. Der Abend wird sehr unterschiedlich bewertet.
In den Augen von Werkleiter Bernhard Reindl und von Elke Schönig, die bei Heidelberg Materials für die Unternehmenskommunikation zuständig ist, war die Veranstaltung ein voller Erfolg. Das Interesse sei mit rund 100 Besuchern sehr gut gewesen, und man habe viele wertvolle Fragen sammeln können. Zusammen mit den Antworten würden sie alsbald im Internet veröffentlicht und den Antragsunterlagen für das Vorhaben beigelegt.
Manche Besucher gingen schnell wieder nachhause
Zahlreiche Besucher zeigten sich angesichts des Veranstaltungsformats jedoch bitter enttäuscht – und verließen das VAZ vorzeitig. Einführende Worte des Werkleiters, ein zehnminütiger Vortrag von Projektleiter Stefan Ventur, den man genau so schon vier Wochen vorher im Stadtrat hatte hören können, und die sogenannten Thementische waren ihnen zu wenig.
Sie hätten sich eine klassische Podiumsdiskussion mit der Möglichkeit zum Streitgespräch mit den Experten sowie einen Meinungs- und Erfahrungsaustausch in größerer Runde gewünscht. „Ich hätte den Leuten gerne berichtet, wie das so ist, wenn das eigene Haus plötzlich Risse bekommt“, sagte beispielsweise ein Bürger, der seit Jahrzehnten in der Nachbarschaft des Industriebetriebs lebt.
So aber sahen sich er und andere gezwungen, nach dem Vortrag von Tisch zu Tisch zu wandern und auf eine Chance zu lauern, um mit einem Gutachter ins Gespräch zu kommen. Welche Fragen und Bedenken möglicherweise schon vorgebracht worden waren, war angesichts der Geräuschkulisse oft schwer zu verstehen – oder ging ganz an einem vorbei.
Wie sehr darf man auf die Gutachter vertrauen?
Die Unzufriedenheit war beim gemeinen Bürger ebenso zu spüren wie bei Mandatsträgern. Der stellvertretende Sprecher der CSU-Stadtratsfraktion Thomas Hofmann sprach sinngemäß von einem schlechten Witz. SPD-Rat Michael Hitzek vermisste die Möglichkeit, ein Stimmungsbild einfangen zu können, das für anstehende Besprechungen in der Fraktion hätte hilfreich sein können.
Auch wäre er durch mutige Fragen selbst gerne Eisbrecher für eine lebendige Debatte gewesen – und hätte zum Beispiel klären wollen, wie vertrauenswürdig die Gutachter sind, auf die sich der Konzern beruft. Sind das Leute, die schon länger für das Unternehmen arbeiten? Oder wurden sie von Behörden beauftragt? Nicht nur Hitzek hätte das gern gewusst.
Kritik prallt an den Veranstaltern ab
Doch eine Veranstaltung wie sie ihm, Hofmann und anderen vorschwebte, war nicht beabsichtigt, bestätigten Sprecher des Zementwerks. „Sonst hätten sich vielleicht nur ein paar Leute profilieren und Stimmung machen wollen“, hieß es. Außerdem dürfe man nicht vergessen, dass es durchaus nicht jedermanns Sache sei, im Publikum aufzustehen und kritische Fragen zu formulieren.
Nein, das Informationsforum, wie es angeboten wurde, sei schon das richtige Instrument gewesen, um Bürger aufzuklären und zu erfahren, womit sie nicht einverstanden seien. Das Format habe sich bei anderen Projekten bewährt – und im konkreten Fall sei es sowieso eine freiwillige Aktion im Vorfeld des eigentlichen Genehmigungsverfahrens gewesen.
Das Zementwerk – „integraler Bestandteil Burglengenfelds“
Werkleiter Reindl hatte eingangs, wie schon im Stadtrat, betont, dass es sich bei der geplanten Erweiterung des Steinbruchs um ein „existenzielles Vorhaben“ für den Standort handle. Das Interesse der Bevölkerung wertete er als Zeichen für eine gute Beziehung, die zwischen dem Unternehmen und der Stadt herrsche. Das Zementwerk sei eben „integraler Bestandteil“ Burglengenfelds, biete seit Jahrzehnten viele Arbeitsplätze und zahle fleißig Gewerbesteuern.
Vor rund vier Wochen hatte Heidelberg Materials seine Pläne dem Stadtrat vorgestellt. Dazu ist folgender Artikel erschienen: Pläne des Zementwerks: Der Steinbruch in Burglengenfeld soll um 45 Hektar wachsen
Projektleiter Ventur umriss das komplizierte Thema, zeigte eindrucksvolle Grafiken und Bilder, die einen Überblick bieten sollten über den Ist-Zustand des Abbaugebiets, die geplante Ausdehnung und das technische Vorgehen beim Tagebau. Ein Schaubild sollte belegen, dass der durch den Verkehr und Sprengungen verursachte Staub zu bändigen sei und sowieso größtenteils „im Kessel bleibt“.
In einem Video war schon der geplante See zubewundern
Auch über Ausgleichsmaßnahmen für bestimmte Tierarten wie die Heidelerche oder die Fledermaus informierte er. In einem Video konnte man bereits den gefluteten Steinbruch sehen, der nach dem Abbau entstehen und eine Fläche von 90 Hektar haben soll.
Die Thementische waren schnell belagert. Besonders galt dies für die Bereiche Hydrogeologie sowie Erschütterungen. Sachverständige wie Klaus Dieter Raum oder Dirk Grothe sahen sich mit einer Flut von Fragen konfrontiert und hatten keinen leichten Stand.
Viele Zweifel konnten nicht ausgeräumt werden
Bald stellte sich heraus, wie schnell Missverständnisse entstehen, weil Antworten fehlinterpretiert werden, und wie groß das Misstrauen gegenüber Grenzwerten und DIN-Normen ist.
Ein Bürger bezweifelt, dass es in der Praxis immer gelingt, die Sprengungen so kontrolliert auszuführen, dass auch ältere Gebäude heil bleiben. Eine weitere Besucherin sorgt sich um die Tiere auf einem Pferdehof. Ob sich die Fluchttiere an die Detonationen gewöhnen könnten, sei mehr als fraglich.
So geht es jetzt weiter
Das Info-Forum war eine freiwillige Leistung von Heidelberg Materials. Sobald wie möglich sollen nun die Antragsunterlagen für das Vorhaben eingereicht werden. Nach der Bearbeitung durch das Landratsamt kommt es zur öffentlichen Auslegung und Bekanntmachung sowie der Beteiligung der Träger öffentlicher Belange.
Auch die Stadt Burglengenfeld darf sich dann positionieren. Sie wird also nur gehört, hat aber selbst nichts zu entscheiden. Der Bearbeitung der Stellungnahmen folgt der gesetzlich vorgeschriebene öffentliche Erörterungstermin. Bis zum Genehmigungsbescheid ist es folglich noch ein weiter Weg.
