Schwandorfs Landrat zieht positives Fazit für 2024: „Bleiben noch von Insolvenzwelle verschont“

Von Martin Kellermeier · 29. Dezember 2024 um 19:00

Das Jahr 2024 war in vielerlei Hinsicht ein Jahr der Krisen. Wie steht der Landkreis Schwandorf da? Was steht im kommenden Jahr an? Darüber spricht Landrat Thomas Ebeling (CSU) im Interview mit der Mittelbayerischen Zeitung. Und auch zu den Vorgängen in Irlaching Siedlung bei Schwandorf hat er eine Meinung.

Herr Landrat, für unser Gespräch haben Sie den nagelneuen Hirschbergturm bei Neunburg gewählt. Wie wichtig ist dieser für die Region?

Thomas Ebeling: Der Aussichtsturm ist eine der großen touristischen Attraktionen im Landkreis Schwandorf. Einheimische und Touristen wählen ihn immer wieder gerne als Ziel. Ich freue mich, dass wir es nach einem längeren Prozess geschafft haben, den Turm fast fertigzustellen. Bald kann er der Öffentlichkeit wieder zur Verfügung gestellt werden.

Und wie finden Sie das Ergebnis, nachdem der Turm nun steht?

Ebeling: Er ist sensationell gut geworden. Der Turm ist ein paar Meter höher als sein Vorgänger, sodass man über Jahre die gute Aussicht genießen kann. Man kann gut über die Bäume blicken. Und auch optisch ist der neue Turm ein absolutes Highlight.

Sie sprechen den Tourismus an. Wie hat sich dieser in der Zeit nach der Corona-Pandemie entwickelt?

Ebeling: Bei der Betrachtung der Zahlen wird immer das Jahr 2019 herangezogen. Es war das letzte Jahr ohne coronabedingte Eintrübungen. Diese Zahlen haben wir im Landkreis Schwandorf inzwischen übertroffen. Wir haben uns hervorragend entwickelt. Die Entwicklung ist dabei in Bayern übrigens sehr unterschiedlich. Die großen Gewinner nach Corona sind die Städte. Im ländlichen Raum ist das nicht ganz so der Fall. Aber wir im Landkreis Schwandorf haben es geschafft, uns gegen diesen Trend zu stemmen.

Wo sehen Sie in der Region noch Entwicklungsmöglichkeiten, um beim Tourismus weiterzukommen?

Ebeling: Wir sollten nicht in einen Wettbewerb mit den Städten treten. Aber ich sehe, dass wir im Landkreis Schwandorf noch Potenzial haben. Dafür bräuchte es vor allem zusätzliche Übernachtungsmöglichkeiten.

Damit müssten Sie doch auch ein Befürworter des geplanten Hotelprojekts am Klausensee bei Schwandorf sein.

Ebeling: Ich bin grundsätzlich ein Befürworter von allen Projekten, die bei uns zusätzliche Übernachtungsmöglichkeiten schaffen. Das, was ich vom Hotelprojekt am Klausensee bislang gelesen habe, ist absolut positiv.

Wenn wir schon bei positiven Nachrichten sind: Was waren im ablaufenden Jahr die größten Erfolge für den Landkreis Schwandorf?

Ebeling: Bei der derzeit angespannten Haushaltssituation aller öffentlichen Haushalte freute es mich ganz besonders, dass wir im Landkreis Schwandorf bislang ohne Neuverschuldung ausgekommen sind. Wir können alle geplanten Investitionen umsetzen, ohne dabei ganz große Einsparmaßnahmen in Betracht zu ziehen. Wir haben noch Luft, um handlungsfähig zu sein.

Gibt es Erfolge, die auch für den Bürger direkt sichtbar wurden?

Ebeling: Der Hirschberg-Aussichtsturm ist auf jeden Fall ein solcher Erfolg. Ferner sieht man an unseren Schulbaumaßnahmen, dass der Landkreis einen großen Wert auf Bildung legt. Das ist für mich schon ein großer Erfolg, dass wir es schaffen, unsere Bildungseinrichtungen auf dem aktuellen Stand zu halten.

Ein Bild, das Ihnen in Erinnerung bleiben dürfte, war das EM-Orakel Fiona im Wildpark Höllohe. Sie waren ja auch bei einer Partie der Pate.

Ebeling: Das werde ich nie vergessen. Das war eine tolle Aktion der Mittelbayerischen Zeitung. Ich habe Fiona danach nochmals besucht. Dabei habe ich vom Personal gehört, dass noch immer Besucher kommen, um das tierische Orakel auch mal live zu sehen.

Die gestiegene Bezirksumlage führt zu einer höheren Kreisumlage. Das belastet die Kommunen. In Neunburg hat das zum Beispiel zur Folge, dass das Festspiel eine Saison pausieren muss. Es geht ans Eingemachte.

Ebeling: Was in Neunburg mit dem Festspiel passiert, will ich nicht bewerten. Jede Stadt muss für sich beurteilen, welche Maßnahmen erforderlich sind, um die Haushaltssituation zu bewerkstelligen.

Was werden die größten Aufgaben für den Landkreis Schwandorf im Jahr 2025 sein?

Ebeling: Wir müssen schauen, dass wir trotz schwächer werdender Finanzen unsere Baustellen abwickeln können. Da geht es um das Berufliche Schulzentrum, um die Realschule Burglengenfeld oder den Neubau des Sonderpädagogischen Förderzentrums in Nabburg. Das sind alles große Investitionen.

2025 wird auch das Jahr der Nominierungen für die Kommunalwahl 2026. Dann wird auch ein neuer Landrat gewählt. Stehen Sie für eine weitere Amtszeit zur Verfügung?

Ebeling: Der Fokus aller politischen Mandatsträger liegt zunächst auf der Bundestagswahl am 23. Februar. Danach werden alle weiteren Gespräche geführt werden.

Sie halten sich also alle Optionen offen. Genauso ist in der Großen Kreisstadt unklar, ob die CSU Andreas Feller erneut zum OB-Kandidaten kürt. Er steht ja nach den Vorgängen in Irlaching Siedlung ziemlich in der Kritik, auch parteiintern. Wie bewerten Sie die Genehmigungspraxis Ihres Parteifreunds?

Ebeling: Es steht mir nicht zu, Vorgänge in der Großen Kreisstadt zu beurteilen. Ganz allgemein kann ich aber sagen, dass sich die Menschen Mandatsträger wünschen, die schnell und unbürokratisch Entscheidungen treffen. Wenn das aber jemand macht, wird er sehr schnell an den Pranger gestellt.

Immer mehr Menschen sorgen sich um ihren Wohlstand. Der hängt von einer zunehmend kriselnden Wirtschaft ab. Was hören Sie derzeit von den Firmen in der Region?

Ebeling: Die wirtschaftliche Eintrübung macht auch vor dem Landkreis Schwandorf nicht Halt. Wir können aber feststellen, dass im Landkreis die Situation etwas besser als andernorts ist. Wir bleiben noch von der Insolvenzwelle verschont. Viele Unternehmer berichten mir zwar von einer Eintrübung, die aber nicht existenzgefährdend ist.

Wer war Ihr Mensch des Jahres 2024?

Ebeling: Das ist eine sehr schwere Frage. Im Landkreis gibt es viele Menschen, die zum Erfolg der ganzen Region beitragen. Daher möchte ich keinen herausheben. Ich möchte all denjenigen danken, die sich dafür einsetzen, dass der Landkreis Schwandorf eine lebenswerte Region ist.

Welche Schlagzeile wollen Sie im Jahr 2025 unbedingt in der MZ lesen?

Ebeling: Ich hätte immer noch den Wunsch, dass einmal darüber berichten werden kann, dass alle kriegerischen Auseinandersetzungen in der Welt beendet sind.

Nun steht Silvester vor der Tür. Wie feiern Sie den Jahreswechsel?

Ebeling: Als Hundebesitzer feiere ich Silvester grundsätzlich ohne eigenes Feuerwerk. Ich werde mit meiner Frau und den Hunden zuhause sein. Wir sind sehr gemütlich unterwegs, ohne große Party.