Grünen-Direktkandidatin Tina Winklmann im MZ-Wintergespräch: „In diesen Zeiten ist Zusammenhalt wichtig“

Im September 2021 zog Tina Winklmann (Grüne) erstmals in den Bundestag ein. Auch in der kommenden Legislaturperiode will die Abgeordnete die Region in Berlin vertreten. Im MZ-Wintergespräch verriet die Politikerin, welche Schwerpunkte sie künftig setzten will.
Frau Abgeordnete, für unser Gespräch haben Sie den Nikolausmarkt in Nabburg gewählt. Warum ist dieser Ort für Sie ein besonderer?
Tina Winklmann: Es gibt viele wunderschöne Orte in unserem Landkreis. Dieser Markt ist – direkt an der Naab gelegen und noch dazu vor der schönen Kulisse Nabburgs – ein ganz besonderer. Mich beeindruckt auch, wie die Vereine hier ihren Zusammenhalt demonstrieren. In diesen Zeiten ist das besonders wichtig.
Die Grünen liegen in aktuellen Umfragen bei etwa 13 Prozent, das liegt leicht unter dem Resultat von 2021. Sind Sie damit zufrieden oder haben Sie höhere Ziele?
Winklmann: Für uns ist klar: Da geht noch Einiges. Mit Robert Habeck als Kanzlerkandidaten und Annalena Baerbock im Team haben wir hochmotivierte Menschen, die Politik leben. Ich bin optimistisch.
Aktuellen Umfragen zufolge kommt Robert Habeck bei den Wählern aber nicht durchweg gut an.
Winklmann: Die Werte gehen aktuell wieder nach oben. Robert Habeck, den ich in den vergangenen drei Jahren als Wirtschaftsminister und Vizekanzler gut kennenlernen durfte, ist ein Sympathieträger. Er ist ein Mann, der anpackt. Ich stehe voll und ganz hinter ihm.
Im Moment wird bereits viel über mögliche Konstellationen spekuliert? Können Sie sich Schwarz-Grün vorstellen?
Winklmann: Die Wähler und Wählerinnen entscheiden, das ist ganz ganz klar. Ich persönlich kann mir Schwarz-Grün natürlich vorstellen. Es geht darum, dass wir eine starke, konstante Regierung bilden. Die demokratischen Parteien werden sich zusammensetzen und das beste für dieses Land erreichen, da bin ich mir sicher.
Sie sind im Jahr 2021 ins Parlament eingezogen. In diesem Jahr haben Sie, so sagten Sie selbst, Silberhochzeit mit den Grünen gefeiert. Wie hat sich die Partei im Laufe der Zeit verändert?
Winklmann: Wir haben uns aus den verschiedensten Strömungen gefunden und so entwickeln wir uns und wachsen weiter. Es ist wichtig, dass sich eine Partei auch wirklich an der Realität orientiert und das macht grüne Politik. Wir nehmen Aufgaben an und wachsen dadurch. Wer stehen bleibt, der fällt zurück in die Vergangenheit. Wir blicken nach vorne und nehmen Herausforderungen an wie keine zweite Partei.
Auf welche Kernthemen konzentrieren sich die Grünen im Wahlkampf?
Winklmann: Soziale Gerechtigkeit, Umwelt- und Naturschutz sowie die wirtschaftliche Lage sind wichtige Themen.
Viele Wähler sorgen sich aufgrund der derzeit schlechten Wirtschaftslage. Wie wollen die Grünen gegensteuern?
Winklmann: Die wirtschaftliche Lage Deutschlands hängt auch von der Welt- und Europapolitik ab. Gemeinsam haben wir bereits wirkungsvolle Programme auf dem Weg gebracht. Wichtig ist generell die Energieunabhängigkeit. Wir brauchen günstige Energie – der Schlüssel liegt hier bei den Regenerativen. Wir müssen außerdem steuerliche Entlastungen schaffen, gerade für die mittelständischen Betriebe. Das gilt besonders für die Handwerksbetriebe, die in unserer Region stark vertreten sind. Wir brauchen außerdem mehr Fach- und Arbeitskräfte. Um hier die Voraussetzungen für Arbeitnehmer aus anderen Ländern zu verbessern, haben wir schon viel getan, zum Beispiel durch das Fachkräfte-Einwanderungsgesetz.
Was hat die Ampelregierung in diesem Zusammenhang bereits auf den Weg gebracht?
Winklmann: Etwa die Berufsanerkennung. Dieses Thema lag in Deutschland lange brach. Wenn jemand jahrelang in einem anderen Land Bus gefahren ist, dann kann er das auch hier. Das muss anerkannt werden. Natürlich ist es eventuell noch nötig, einen Schein zu machen. Generell aber muss die Ausbildung anerkannt werden. Unser duales Ausbildungssystem ist für mich eines der besten der Welt. Es gibt jedoch nur wenige Länder, die vergleichbare Konzepte haben. Daher müssen wir flexibler sein. Was wäre zum Beispiel die Gastronomie ohne Menschen aus anderen Ländern, die uns helfen und anpacken?
Welchen Weg gehen die Grünen bei der Asyl- und Migrationspolitik?
Winklmann: Menschen fliehen vor Krieg, vor dem Klimawandel oder weil die Existenzgrundlage fehlt – hier müssen wir helfen. Natürlich brauchen wir Ordnung im Einwanderungssystem. Ohne Integration geht's einfach nicht. Damit die Gesellschaft mitwächst und die Menschen gut integriert werden können, ist das bis zu einem gewissen Maß möglich. Wir möchten niemanden überfordern – die Kommunen müssen die Herausforderungen stemmen können. Und auch Schulen und Bildungseinrichtungen müssen ihre Aufgaben noch lösen können. Daher braucht es ein geordnetes System.
In Regensburg stellen die Grünen ihr Büro für den Umtausch der Bezahlkarte zur Verfügung. Ist das auch in Schwandorf ein Thema?
Winklmann: In Schwandorf gibt es hier keine Initiative des Kreisverbands. Was das Engagement unserer Regensburger Grünen betrifft: Ich finde es gut, dass diese hier praxisorientiert helfen.
Die Cannabis-Legalisierung wird viel diskutiert. Welche Position haben Sie hier?
Winklmann: Ich sehe Schwierigkeiten, wenn ein Bundesland hier Sonderwege anstrebt und nochmals Einschränkungen macht. Das ist alles andere als zielführend. Die Legalisierung von Cannabis ist uns ganz klar ein Anliegen. Wir werden weiterhin daran arbeiten, dass die Menschen frei leben und ebenso frei entscheiden können. Es bleibt schließlich auch jedem selbst überlassen, ob er eine oder fünf Maß Bier trinkt.
Sie sind sportpolitische Sprecherin im Bundestag. Welche Rolle spielt der Sport für Sie?
Winklmann: Der Sport ist für mich seit meiner Kindheit eine unfassbare Leidenschaft, hier wird Demokratie gelebt. Nichts ist so inklusiv wie der Sport. In diesem Umfeld lernt man die Sprache am besten und knüpft Kontakte. Daher haben wir auch für rund 438 Millionen Euro Einrichtungen saniert und Programme gefördert.
Was sind Ihre Ziele für die Region Schwandorf?
Winklmann: Wenn es um die Infrastruktur geht, muss der öffentliche Personennachverkehr deutlich gestärkt werden. Nicht nur in Städten, sondern auch hier im ländlichen Gebiet fahren die Menschen mit Bus und Bahn. Außerdem müssen wir den Tourismus sowie den Mittelstand stärken. Es gibt viele Aufgaben – und ich möchte gerne dazu beitragen, das Leben in unserer Region noch besser zu machen.
Zur Person
Werdegang: Tina Winklmann gründete bereits mit elf Jahren eine Umweltgruppe im Landkreis Schwandorf. Im Alter von 16 Jahren trat sie den Grünen bei. Die Verfahrensmechanikerin vertritt die Region seit 2021 als Bundestagsabgeordnete.
Ämter: Winklmann ist sportpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion und ordentliches Mitglied im Ausschuss für Sportpolitik. Im Ausschuss für Arbeit und Soziales ist sie außerdem für die Aus- und Weiterbildung zuständig.