FDP-Direktkandidatin Ileana Pößl im MZ-Wintergespräch: „Eine starke Wirtschaft ist die Basis“

Von Vanessa Ebert · 19. Dezember 2024 um 19:00

Für die FDP geht Ileana Pößl aus Nabburg ins Rennen. Vor rund zwei Jahren hat sich die vierfache Mutter der Partei angeschlossen, zuvor war sie mehr als 20 Jahre Mitglied der SPD. Für die Politik engagiert hat sich Pößl bereits in ihrer Jugend in Rumänien. Im MZ-Wintergespräch erklärte sie, wo sie künftig ihre Schwerpunkte setzen möchte und welche Ziele aus ihrer Sicht vorrangig sind.

Frau Pößl, für unser Gespräch haben Sie den Oberen Markt mit der Pfarrkirche in Nabburg gewählt. Warum ist dieser Ort für Sie ein besonderer?

Ileana Pößl: Wenn ich auf der Autobahn Richtung Nabburg unterwegs bin und die Silhouette der Altstadt vor mir auftaucht, dann empfinde ich ein tiefes Heimatgefühl. Der Anblick des beleuchteten Kirchturms bedeutet für mich „heimkommen“. Vielleicht hält das so mancher für paradox, da ich in Rumänien geboren und aufgewachsen bin. Und ja, ich liebe das Land, aber Deutschland ist meine Heimat, ich lebe inzwischen seit 30 Jahren hier – länger als ich in Rumänien verbracht habe.

Sie waren lange Jahre Mitglied der SPD. Warum haben Sie die Partei gewechselt?

Pößl: Ein starkes soziales System kann in einem Land nur erhalten werden, wenn auch eine ebenso starke Wirtschaftskraft dahinter steht. Die FDP ist am besten in der Lage, diese Herausforderung zu lösen. Daher habe ich die Ampelregierung zunächst auch sehr begrüßt. Die sozialen sowie ökologischen Zukunftsvisionen von der SPD und den Grünen in Verbindung mit der Wirtschaftspolitik der FDP – das hätte grundsätzlich eine gewinnbringende Kombination geben können.

Nun kam es anders. Hat Finanzminister Christian Lindner aus Ihrer Sicht richtig gehandelt, als er die Ampel -Koalition verlassen hat?

Pößl: Er hatte keine andere Wahl. Eine echte Wirtschaftswende war in der Ampel nicht durchsetzbar. Für mich stellt sich auch die übergeordnete Frage nach dem Schutz der Demokratie. Wenn Menschen ihre Jobs verlieren, Angst um die Zukunft haben, dann ist es vorbei mit der Toleranz und der Offenheit dieser Gesellschaft.

In aktuellen Umfragen kommt die FDP nach dem Bruch in der Regierung nicht gut weg. Mit welcher Stimmung gehen Sie in den Wahlkampf?

Pößl: Natürlich freue ich mich, wenn die FDP nach der Wahl an der Regierung beteiligt ist. Ich bin mir aber sicher, dass wir auch eine sehr starke Opposition bilden können. Liberalität ist mehr als Politik, das ist vielmehr eine Grundeinstellung. Dafür werden wir auch weiter kämpfen. Daher bin ich zuversichtlich und optimistisch.

Auf welche Kernthemen konzentriert sich die FDP im Wahlkampf?

Pößl: Grundsätzlich müssen wir Realpolitik machen – eine zukunftsgerichtete Politik, mit der sowohl wir als auch unsere Kinder wieder gut leben können. Wichtig sind besonders die Themen Migration, die Stärkung der Wirtschaft, Bürokratieabbau sowie auch die Unterstützung der Ukraine.

Wie beurteilen Sie die bisherige Rolle Deutschlands im Angriffskrieg gegen die Ukraine?

Pößl: Es ist Fakt, dass wir Europäer zu spät und zu zögerlich Waffen an die Ukraine geliefert haben. Ich habe in meiner Jugend in Rumänien Diktatur und Autokratie am eigenen Leib erlebt. Für mich ist klar, dass wir zur Ukraine stehen und die Demokratie mit allen Kräften schützen müssen.

Wo sehen Sie die größten Probleme im Hinblick auf die Wirtschaftslage?

Pößl: Unsere Wirtschaft kränkelt. Dafür gibt es verschiedene Einflussfaktoren. Eine Rolle spielt sicherlich auch Russlands Krieg. In dieser schwierigen Situation gilt es, Gesundheits- und soziale Systeme aufrecht zu erhalten. Das kann jedoch nicht mit Schulden finanziert werden. Mit einem Blick auf Frankreich lässt sich sagen, dass eine hohe Verschuldung vielfältige Problem aufwirft. Deutschland muss außerdem grundsätzlich gründerfreundlicher werden. Jahrelange Genehmigungsverfahren sind nicht zielführend. Durch hohe bürokratische Hürden verlieren wir den Anschluss im internationalen Vergleich.

Der Bürokratieabbau ist demnach ein Ziel, das vorrangig behandelt werden muss?

Pößl: Definitiv. Das betrifft im Übrigen unterschiedliche Bereiche – so auch Energie und Umwelt. Statt in Innovation und Transformation investieren wir unsere Mittel in die Verwaltung. Das kann schlichtweg nicht sein.

Welchen Kurs verfolgt die FDP in der Migrationspolitik?

Pößl: Wer nach Deutschland kommt, möchte sich hier auch etwas aufbauen. Davon sollten wir grundsätzlich ausgehen. Diese Leute müssen schneller den Weg in die Arbeit finden, das ist ein wichtiges Ziel. Ich bin ein lebendiges Beispiel dafür, dass sich die schwierige deutsche Sprache am besten lernt, wenn sie auch im Alltag gesprochen wird. Wenn dagegen 100 junge Männer in Gemeinschaftsunterkünften zusammengepfercht leben müssen, dann wächst das Konfliktpotenzial zwangsläufig von Tag zu Tag.

In der Region Schwandorf sind täglich viele Menschen auf den Autobahnen unterwegs. Wie stehen Sie zu einem Tempolimit?

Pößl: Für viele Menschen gehört das Pendlen zum Alltag. Ich denke, hier sollte man aber an die Vernunft des Einzelnen appellieren, anstatt übergeordnete Regeln durchzusetzen. Gerade bei Nachtfahrten wäre das Tempolimit zudem mit Monotonie verbunden, das ist auch nicht gerade für die Verkehrssicherheit förderlich.

Wie stehen Sie zur Cannabis-Legalisierung?

Pößl: Ich bin zwiegespalten. Zweifelsohne müssen verschiedene Aspekte einbezogen werden. Als Pflegekraft weiß ich, dass die Droge gerade für Jugendliche gefährlich sein kann. Darauf weisen auch Neurologen hin. Allerdings wird unsere Nation nicht darüber stolpern, ob wir nun Cannabis rauchen dürfen oder nicht.

Was möchten Sie im Hinblick auf die Infrastruktur im Landkreis Schwandorf erreichen?

Pößl: Wir brauchen so schnell wie möglich die Elektrifizierung der Bahnstrecke Hof-Regensburg. Zudem muss die Verkehrsführung an neuralgischen Orten dringend neu gedacht und verbessert werden. Die Städte und Gemeinde müssen anschlussfähig bleiben. Hier sind schnelle Lösungen notwendig, denn wir haben bereits viel Zeit verloren.

Was könnte in der Region außerdem verbessert werden?

Pößl: Wir müssen die regionale Wirtschaft stärken. Dies geschieht durch Entbürokratisierung, Digitalisierung und den Ausbau der Infrastruktur. Mir liegt außerdem die Jugend am Herzen. Natürlich sind Sportvereine oder Feuerwehren wertvoll, doch nicht jeder ist hier aktiv. Wir brauchen dringend mehr Angebote. Kostenlose Jugendzentren mit einem kulturellen und musischen Angebot würden wertvolle Möglichkeiten des Austausches schaffen.

Zur Person

Politscher Werdegang: Ileana Pößl wurde in Rumänien geboren und hat sich dort bereits als Jugendliche für Freiheit und Demokratie eingesetzt. In Deutschland trat sie zunächst der SPD bei. Im Jahr 2022 wechselte sie zur FDP.

Ämter: Pößl ist stellvertretende Vorsitzende des FDP-Kreisverbands Schwandorf. Im November wurde die Altenpflegerin, die in zwei Krankenhäusern arbeitet, von ihrer Partei mehrheitlich als Direktkandidatin für den Wahlkreis nominiert.