FW-Direktkandidat Fabian Schmid im MZ-Wintergespräch: Es muss mehr Netto vom Brutto bleiben

Von Mittelbayerische Zeitung · 17. Dezember 2024 um 19:00

Als Direktkandidat für die Freien Wähler geht Fabian Schmid ins Rennen. Vor gut drei Jahren trat der junge Bodenwöhrer der Partei bei. Seither geht es für den ambitionierten Nachwuchspolitiker auf der Karriereleiter stetig nach oben. Im MZ-Wintergespräch erklärte er, welche Ziele er hat und was ihm wichtig ist.

Herr Schmid, für unser Gespräch haben Sie das Ufer des Hammersees in Bodenwöhr gewählt. Was verbinden Sie mit diesem Ort?

Fabian Schmid: In der nahe gelegenen Weihersiedlung aufgewachsen, bin ich seit meiner Kindheit mit diesem Ort verbunden. Hier bin ich vielseitig engagiert – in der Kirche, in Vereinen und bei der Feuerwehr. Am See verbringe ich gerne Zeit, lasse die Hektik des Alltags hinter mir. Die Natur hier erdet mich.

Wie sind Sie zur Politik gekommen und warum engagieren Sie sich für die Freien Wähler?

Fabian Schmid: Politisch interessiert bin ich schon seit meiner Kindheit. Schon immer habe ich das Ortsgeschehen verfolgt – dieses Interesse hat sich in den Jahren weiterentwickelt. Nicht nur reden, sondern handeln – das ist meine Devise. Ich hatte oft den Eindruck, dass die Alt-Parteien eine starre Linie fahren, es wird immer in die gleiche Richtung gearbeitet. Bei den Freien Wählern habe ich erfahren, dass unterschiedliche Meinungen respektiert und diskutiert werden. Das Interesse der Allgemeinheit steht im Vordergrund, dabei geht man auch mit pragmatischen Lösungsansätzen heran.

Ihr Parteichef Hubert Aiwanger will den Sprung in den Bundestag schaffen, indem er drei Direktmandate holt. Wie bewerten Sie die Chancen?

Schmid: Auf jeden Fall als gut – ich denke auch, dass es nicht bei drei Direktmandaten bleiben wird. Die derzeitigen Umfragewerte sind eine Momentaufnahme. Die überregionalen Medien konzentrieren sich bei der Berichterstattung sehr auf die Alt-Parteien, kleine Parteien werden vernachlässigt. Daher ist unser Ziel, präsenter zu werden, Aufmerksamkeit zu erreichen und sachlich zu überzeugen. Wir wollen zeigen, wofür die Freien Wähler stehen.

Auf welche Inhalte konzentriert sich Ihre Partei dabei besonders?

Schmid: Zunächst muss wieder mehr Netto vom Brutto bleiben. Sämtliche Kosten steigen, am Schluss bleibt dann nicht mehr viel übrig. Löhne unter 2000 Euro müssen steuerfrei bleiben, wie Hubert Aiwanger oft erklärt hat. Dringend notwendig ist auch, den Bürokratieabbau tatsächlich durchzusetzen. Ich bin selbst in einer Behörde tätig und erlebe täglich, welcher bürokratische Aufwand betrieben werden muss, bis Sozialleistungen bewilligt oder Genehmigungen erteilt werden können. Wir müssen außerdem an der inneren Sicherheit arbeiten. Dringend muss der Wirtschaftsstandort Deutschland weiter gestärkt werden.

Gerade die wirtschaftliche Entwicklung bereitet vielen Menschen Sorgen. Welche Lösungen schlägt Ihre Partei vor?

Schmid: Wir müssen die Abwanderung der Unternehmen in Billiglohnländer aufhalten. Naturschutz ist wichtig. Wenn aber die Auflagen zu hoch sind und zu viele Vorschriften berücksichtigt werden müssen, dann ist das kontraproduktiv. Der Anreiz, ins Ausland zu gehen, ist hoch. Wir brauchen bessere Rahmenbedingungen, zum Beispiel an die Wirtschaft angepasste Strompreise.

Wie ist die Position Ihrer Partei in Bezug auf die Asyl- und Migrationspolitik?

Schmid: Grundsätzlich müssen wir Menschen, die Schutz suchen, in unserem Land immer Möglichkeiten der Sicherheit geben. Wenn keine Chance auf Aufenthaltsrecht besteht, ist aber bereits eine Zurückweisung an der Grenze sinnvoll. Menschen, die zu uns kommen, müssen bestmöglich integriert werden und schnell den Weg ins Arbeitsleben finden. Hier sind derzeit die Hürden zu hoch. Wir müssen beispielsweise infrage stellen, ob die geforderten Sprachkenntnisse im jeweiligen speziellen Fachgebiet auch tatsächlich notwendig sind.

In der Region Schwandorf sind viele Menschen täglich auf der Autobahn unterwegs. Wie stehen Sie zum Tempolimit?

Schmid: Ein generelles Tempolimit erachte ich nicht als zielführend. Wenn jeder Verkehrsteilnehmer im Straßenverkehr Rücksicht auf den anderen nimmt, eine angemessene Geschwindigkeit fährt und Abstand hält, dann funktioniert es auch. Eine gesetzliche Regelung würde einen erhöhten Verwaltungsaufwand bedeuten, was dem Bürokratieabbau zuwiderläuft.

Wie stehen Sie zur Legalisierung von Cannabis?

Schmid: Ich denke, dass die Droge nicht zu Unrecht lange Zeit illegal gewesen ist. Meiner Meinung nach ist die Wirkung auf die Konsumenten noch zu wenig erforscht. Das macht es auch schwierig, Grenzwerte für die Teilnahme am Straßenverkehr festzulegen. Ein Problem ist auch, dass der Missbrauch dieser Droge gerade bei Jugendlichen schwere Folgen haben kann. Wie das Ganze kontrolliert werden soll, ist fraglich. Auch hier verweise ich wieder auf Bürokratie und Verwaltungsaufwand. Geschieht der Konsum aus medizinischen Gründen, halte ich das für vertretbar.

Was möchten Sie für die Region Schwandorf erreichen?

Schmid: Es wird immer davon gesprochen, mehr Verkehr von den Straßen auf den öffentlichen Personennahverkehr zu verlegen. In unserer ländlichen Region muss dennoch die Infrastruktur für den Straßenverkehr weiter vorangebracht werden. Unsere Bundesstraßen sind die Hauptverkehrsadern der Region – hier bestehet noch Verbesserungsbedarf. Zeitgleich gilt es natürlich, den Personennahverkehr auszubauen. Die Elektrifizierung der Strecke von Hof nach Regensburg muss dringend vorangebracht werden. Schließlich ist eine gute Infrastruktur die Voraussetzung, um Arbeitsplätze zu sichern und auch um Fachkräfte in der Region zu halten.

Mit 22 Jahren sind Sie einer der jüngsten Direktkandidaten bundesweit. Welche Rolle spielt das in Ihrem politischen Alltag?

Schmid: Im Laufe von so mancher Diskussion kam mein Alter schon mal auf den Tisch, das ist richtig. Doch jeder hat seine Erfahrungen gesammelt. Am besten, man fängt früh damit an. Im Vereinsleben und in der Kirche übernehme ich schon seit langem Verantwortung. Mit Politik habe ich mich früh intensiv beschäftigt. Ich will Vermittler zwischen der jungen und älteren Generation sein und die jungen Leute wieder für die Politik begeistern.

Sie haben kürzlich in einem Interview mit unserem Haus erklärt, dass Sie sich auch das Amt des Bürgermeisters in Ihrem Heimatort vorstellen können. Welches Ziel ist derzeit das wichtigste?

Schmid: Mein Augenmerk liegt sicherlich auf der Bundestagswahl. Ich will mich mit ganzer Kraft auf den Wahlkampf konzentrieren und in den nächsten Wochen das bestmögliche Ergebnis herausholen. Alles Weitere wird man sehen.

Zur Person:

Werdegang: Fabian Schmid schloss sich im August 2021 den Freien Wählern an. Seit Herbst 2023 ist er FW-Ortsvorsitzender in Bodenwöhr. Im Oktober 2024 wurde er stellvertretender Landesvorsitzender der Jungen Freien Wähler Bayern.

Kandidatur: Im November nominierte die Partei den Verwaltungsfachangestellten zum Direktkandidaten. In seiner Heimat ist er in verschiedenen Vereinen und in der Kirche aktiv. Schmid, 22 Jahre alt, ist einer der bundesweit jüngsten Kandidaten.