Regensburger Kaufleute entsetzt über Demos: „Kunden glauben, sie sind im Polizeistaat“

An Demos scheiden sich die Geister: Manche Geschäftsleute klagen über Aufmärsche im Weihnachtsgeschäft. Der Vorsitzende des Vereins Altstadtkaufleute macht der Stadtspitze schwere Vorwürfe. Und Andreas Nuslan von Hut König am Dom sagt, das, was er an den Adventswochenenden erlebt hat, habe ihm Angst gemacht.
Man merkt Armin Gebhard an, wie angefasst er ist. „Ich kenne niemanden in meinem Bekanntenkreis, der in den letzten zehn Jahren bei so einer Demo mitgelaufen wäre.“ Gebhard spricht für sich als Einzelhändler mit zwei Geschäften in der Altstadt, aber auch als Sprecher des Vereins der Altstadtkaufleute. Dieser hatte versucht, eine Demonstration der Letzten Generation am ersten Adventswochenende gerichtlich zu unterbinden – doch er war gescheitert.
„Unser Mittelstand ist doch unser Rückgrat“, findet Gebhard. „Es muss doch Ziel unserer Gesellschaft sein, den zu stützen.“ Der Unternehmer verweist darauf, dass immer mehr auch traditionelle Unternehmen schließen. „Die Wirtschaft geht den Bach runter, auch die Autobauer und Unternehmen wie Infineon stellen Leute aus – ich frage mich, wer für die Richter und die Politiker am Ende eigentlich die Gehälter und die Pensionen zahlen soll.“ Viele der Demonstranten seien sich auch nicht bewusst, dass wir nun mal in der Marktwirtschaft leben. „Unsere Gesellschaft wird finanziert von denen, die wirtschaften – und hier wird die Wirtschaft mit Füßen getreten.“ Auch für die Demonstranten hat Gebhard wenig übrig: „Egal ob Letzte Generation, Friday for Future oder Omas for Future – das scheinen alles Leute zu sein, die ihr Geld von den Eltern oder aus den Sozialkassen bekommen.“
Für ihn und seine Einzelhändler-Kollegen vom Verein der Altstadtkaufleute hätte die Stadtspitze ein Zeichen setzen müssen. „Das ging doch in der Corona-Pandemie auch, da hat man Abstandsgebote durchgesetzt.“ Gebhard appelliert beispielsweise dafür, Demonstrationen auf das Areal der Parkplätze am Jahnstadion zu verlagern. „Wenn da kein Fußball gespielt wird, dann ist doch da trefflich Platz.“
„Die drehen einfach um“
Ja, es gebe auch Händler, die sich nicht über Umsatzeinbußen beklagen würden. „Die haben dann wahrscheinlich ein Sortiment im niedrigeren Preissektor.“ Die Kunden, die bei Gebhard Kleidung und Trachten kaufen würden, die „stehen dann vielleicht schon im Stau an der Galgenbergbrücke und sagen einander: Spatz, da fahren wir lieber weiter nach Salzburg oder so“. Für ihn, aber auch für viele Geschäftspartner seien die Demonstrationen am Wochenende eine Katastrophe.
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Andreas Nuslan von Hut König am Dom sieht es genauso wie Gebhard: „Wir hatten am Samstag Familien mit Kindern im Geschäft, als draußen gefühlt eine Hundertschaft Polizisten aufgefahren ist und Zäune errichtet hat.“ Die Kinder hätten Angst bekommen. So schildert Nuslan auch, was ihm die amerikanischen Touristen widerspiegeln. „Diese Leute wollen sich beschaulich im weihnachtlichen Regensburg umschauen, geraten in einen solchen Auflauf und glauben, sie sind in einem Polizeistaat gelandet.“ Nuslan sagt, nicht nur die Demonstrationen würden zu einem großen Polizeiaufgebot führen. „Parallel sind doch ohnehin schon dauernd Polizisten unterwegs, weil sie die Bürger vor Messerstechern schützen sollen.“
Auch der Hutmacher weiß, dass das Demonstrationsrecht ein sehr hohes Gut ist in unserer Demokratie. „Aber wir saßen mit den Verantwortlichen am Tisch, da haben Kaufleute geschildert, dass es in anderen Städten ganz anders läuft.“ In Nürnberg etwa, da würden die Stadtoberen Demonstrationen nicht im Zentrum, sondern eher an der Peripherie genehmigen. „Dann muss halt eben mal jemand den Mut haben, das auch so zu machen.“
„Wir zahlen die Deko!“
Für ihn seien die beiden vergangenen Samstage erschreckend gewesen. „Eigentlich ist das doch eine Zeit der Besinnlichkeit“, sagt der Unternehmer. „Was ich da am Samstag mitten im Advent erlebt habe, das hat mir Angst gemacht.“ Nuslan sagt auch, dass es ihm und seinen Kollegen wirklich um Regensburg gehe.
„Wir zahlen die Weihnachtsdekoration selbst, wir kümmern und bemühen uns darum, dass die Gäste gerne nach Regensburg kommen – aber langsam fällt mir dazu nichts mehr ein“, so Nuslan – fast – resigniert.
Gebhard bringt auch noch ins Spiel, dass man mit den Demos beispielsweise für mehr Klimaschutz wie am ersten Adventssamstag genau die falschen treffen würde. Nicht nur, dass Busse ausfielen. „Wir in der Altstadt stehen doch für Nachhaltigkeit und für Wege, die man mit dem Fahrrad erreichen kann.“ Er könne nicht verstehen, wie man hier ohne Rücksicht Schaden anrichten kann, schließt Gebhard.