Freie Fahrt für Obdachlose: Jetzt kommen Gratis-Tickets für Regensburger Busse

Von Jonas Raab · 14. November 2024 um 17:00

Seine Hartnäckigkeit hat sich ausgezahlt. Seit Monaten kämpft Ben Peter; er will Busfahren für Obdachlose kostenlos machen. Nun „erweitert“ die Caritas ihr Angebot – und gibt in Regensburger künftig kostenlose Bustickets an Betroffene aus. „Ein guter erster Schritt“, sagt Peter. Doch im Hintergrund arbeitet er weiter an der großen Lösung.

Ben Peter, Streetworker und Begründer des Netzwerkes „Kostenloser ÖPNV“, ist überzeugt davon: „Viele Obdachlose landen ohne kriminelle Absicht im Gefängnis.“ Auch Christian Hierold, Caritas-Fachreferent für besondere Lebenslagen, sagt: „Obdachlose fallen durchs Raster“ – ob sie Sozialleistungen beziehen oder nicht. „Jene ohne Leistungen fahren häufig oder immer schwarz und riskieren so ein Bußgeld und im Wiederholungsfall sogar eine Haftstrafe.“ Auch die, die Unterstützung bekommen, seien häufig nicht in der Lage, Geld für den ÖPNV zurückzulegen und stünden daher vor demselben Problem.

Wer beim Schwarzfahren erwischt wird, muss 60 Euro zahlen. Wer die Strafe nicht begleichen kann, muss irgendwann eine Ersatzfreiheitsstrafe antreten. Peters Argument: Dürften Obdachlose kostenlos Bus fahren, entlaste das nicht nur Menschen, die ohnehin am Rand der Gesellschaft stünden, sondern auch Gefängnisse und die Staatskasse.

„Jeder, der mit dem Bus fahren will, braucht ein gültiges Ticket“

Im Februar wurde Peter mit seinem Anliegen erstmals bei Sozialbürgermeisterin Astrid Freudenstein (CSU) vorstellig. Damals wie heute ist sie der Auffassung: „Jeder, der mit dem Bus fahren will, braucht ein gültiges Ticket.“ Von dieser Pflicht könne die Verwaltung nicht einfach eine bestimmte Gruppe ausnehmen – schon aus rechtlichen Gründen.

Im März nahm sich die Brücke-Fraktion Peters Anliegen an und stellte im Stadtrat einen Antrag, wonach der RVV darauf verzichten soll, Strafanzeigen wegen Fahrens ohne Ticket zu stellen. Die Mehrheit des Verwaltungsausschusses war dagegen.

Die Stadt wollte daraufhin nach einer anderen Lösungen für das Problem suchen – und fand sie nach einem runden Tisch, zu dem alle Beteiligten zusammengekommen waren. Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) beauftragte Freudenstein, Gelder zu akquirieren. Die wiederum bat die Caritas, sich um Mittel der Stiftung Obdachlosenhilfe Bayern zu bewerben. Dort sitzt sie im Kuratorium. Der Antrag des Wohlfahrtsverbands hatte Erfolg. Knapp 15.000 Euro für Bustickets sollen nach Regensburg gehen, stellte Freudenstein in Aussicht.

Kostenlose Bustickets für Regensburger Obdachlose: Ein Stück Selbstständigkeit

8000 Euro sind mittlerweile bei der Caritas angekommen, wie Pressesprecher Harry Landauer berichtet. „Damit können wir gut starten.“ Betroffene sollen ab Dezember Streifentickets ausgehändigt bekommen. Anlaufstellen sind das Caritas-Büro in der Obermünsterstraße und das NOAH-Mobil, das an Brennpunkten in der Stadt unterwegs ist. „Der Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln ist für wohnungs- und obdachlose Menschen oft entscheidend, um Arzttermine wahrnehmen zu können, soziale Einrichtungen zu erreichen oder einfach nur ein Stück Mobilität und Selbständigkeit zurückzugewinnen“, sagt Landauer zur Notwendigkeit des Projekts.

„Ich freue mich, dass die Caritas jetzt loslegen kann“, sagt Freudenstein. Da sei das Thema richtig aufgehoben. Der Verband wisse am besten, wer ein kostenloses Ticket brauche.

Streetworker Peter will trotz des Erfolges am Ball bleiben. „Ich arbeite an einer weiteren Lösung.“ Er sei nach wie vor mit der Oberbürgermeisterin und dem Regensburger Verkehrsverbund (RVV) in Gesprächen, sagt er. Worum es konkret geht, will er noch nicht verraten.

RVV-Chef Kai Müller-Eberstein sagte bereits im Sommer, dass man am runden Tisch eine engere Zusammenarbeit mit Streetworkern vereinbart habe, um bei auffälligen Obdachlosen individuelle Lösungen zu finden. Dass die Caritas personengebundene Gratistickets ausgeben will, befürwortete Müller-Eberstein. Damit sei beiden Seiten geholfen.