Busfahren wird für Obdachlose kostenlos: Woher das Geld für ihre Tickets kommen soll

Von Jonas Raab · 26. Juni 2024 um 10:00

Obdachlose dürfen bald kostenlos Busfahren. Das verspricht Sozialbürgermeisterin Astrid Freudenstein (CSU). Ein Jahr lang wird die Caritas Gratistickets an bedürftige Regensburger ausgeben. Das Projekt soll wissenschaftlich begleitet werden. „Das ist der richtige Weg“, ist sich Freudenstein sicher.

Das Geld für die Tickets, gut 15.000 Euro, stammt aus einem Topf der Stiftung Obdachlosenhilfe Bayern. „Die Fahrscheine werden bezahlt. Und die Kosten werden auch nicht auf alle anderen umgelegt“, stellt Freudenstein klar. Damit spielt sie auf die Vorgeschichte des Projekts an: Dass sich die Stadtspitze überhaupt mit dem Thema beschäftigt, liegt maßgeblich am Engagement von Caritas-Streetworker Ben Peter. Seit Monaten setzt er sich dafür ein, Busfahren für Obdachlose kostenlos zu machen.

Peters Argument: Das entlaste nicht nur die Menschen, die ohnehin am Rand der Gesellschaft stehen, sondern auch Gefängnisse und die Staatskasse. „Fast alle Obdachlosen fahren notgedrungen schwarz“, ist sich Peter sicher. Was folgt, ist ein Teufelskreis: Wer erwischt wird, muss dem Regensburger Verkehrsverbund (RVV) 60 Euro zahlen. Wer nicht bezahlen kann, muss irgendwann eine Ersatzfreiheitsstrafe antreten. Denn: Der RVV behält sich vor, bei Wiederholungstätern Strafanträge zu stellen.

Obdachlose Schwarzfahrer: Ringen um die richtige Lösung in Regensburg

Im Februar wurde Peter mit seinem Anliegen bei Freudenstein vorstellig. Die zeigte Verständnis, sah aber rechtliche Bedenken. Man könne nicht einfach entscheiden, dass bestimmte Personen keinen Fahrschein brauchen. Freie Träger hätten es im Umgang mit Geldern leichter als eine Stadtverwaltung, sagte sie. „Es kann nicht sein, dass die einen ein Ticket brauchen und die anderen nicht. Deswegen mussten wir dafür sorgen, dass alle eins bekommen“, erklärt Freudenstein nun.

Im März nahm sich die Brücke-Fraktion des Themas an und stellte im Stadtrat einen Antrag, wonach der RVV darauf verzichten soll, Strafanzeigen wegen Fahrens ohne Ticket zu stellen. In anderen Städten wurden ähnliche Anträge positiv beschieden.

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Im Regensburger Stadtrat fand der Vorstoß Mitte April keine Mehrheit. Das Rathausbündnis vertrat die Auffassung, für das Problem müsse man eine andere Lösung finden. Noch in der selben Woche holte Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) alle Beteiligten zu einem runden Tisch zusammen. „Uns ging es primär um die Frage, wie wir es schaffen, dass das Problem des Schwarzfahrens erst gar nicht entsteht“, sagte die OB nach dem Treffen. RVV-Geschäftsführer Kai Müller-Eberstein berichtete damals von einem „äußerst konstruktiven Gespräch“. Wie Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra erklärt, habe es bei dem Treffen insbesondere an der Finanzierung des Vorhabens gehakt. Die Aufgabe, Gelder zu akquirieren, habe die Oberbürgermeistern Freudenstein übertragen. Die hatte Erfolg: „Ich habe die Caritas gebeten, sich um Mittel der Stiftung zu bewerben“, sagt die Sozialbürgermeisterin. „Das Kuratorium hat positiv votiert.“ Freudenstein ist selbst Mitglied in dem Gremium.

Kostenlose Bustickets für Obdachlose in Regensburg: RVV froh über die Lösung

Wann das Projekt startet, kann Freudenstein nicht genau sagen. Die Caritas müsse vorher die Formalia erledigen. Auch die wissenschaftliche Begleitung müsse sichergestellt sein. Freudenstein tippt, dass der Start tief in der zweiten Jahreshälfte liegt.

RVV-Chef Müller-Eberstein zeigt sich erfreut über die Lösung. Beim Vorstoß, Schwarzfahren zu entkriminalisieren, sah das noch anders aus. Nun lobt er den präventiven Charakter von personengebundenen Gratistickets. Für Obdachlose reduziere sich das Risiko, schwarz zu fahren; der RVV könne darauf verzichten, erhöhte Beförderungsentgelte auszustellen. „Somit ist beiden Seiten geholfen.“ Darüber hinaus habe man eine engere Zusammenarbeit mit den Streetworkern vereinbart, um bei auffälligen Obdachlosen individuelle Lösungen zu finden. Ben Peter erfuhr aus den Sozialen Medien von den Gratistickets. Den aktuellen Stand des Projekts kennt er nicht.