Wie kommt der Strom auf den Osser? Günstige Versorgung für Berggaststätte vorgestellt

Das Blockheizkraftwerk (BHKW) im Osserschutzhaus ist 22 Jahre alt. Sollte es in naher Zeit „den Geist aufgeben“, müsste das Osserschutzhaus dicht machen. „Dann haben wir kein Wasser mehr oben, es läuft keine Ultrafiltrationsanlage und der Stützpunkt für Wanderer ist nicht mehr zu bewirtschaften“, wollte der Vorsitzende der Lamer Waldvereinssektion, Franz Reuel, kürzlich im Gasthof Kirchenwirt keineswegs schwarzmalen, sondern zum Vorausdenken animieren.
Der mit Gas betriebene Generator erbringt eine elektrische Leistung von maximal 15 Kilowatt (kW). Gewisse Teile des Blockheizkraftwerkes bedürfen einer ständigen Überholung. Vor vier Jahren musste die Sektion einen neuen Motor anschaffen. Das BHKW wurde 2002 in einer aufwendigen Aktion, die Adi Zelzer eingefädelt hatte, mit dem Hubschrauber eingeflogen. Die Stromversorgung haben die Verantwortlichen der Sektion Lam schon länger im Auge. 2017 ließen sie sich ein pauschales Kostenangebot erstellen. Damals lag die Kostenschätzung bei circa 377 000 Euro.
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2019 gab die Vorstandschaft ein Energiekonzept bei der Technikerschule in Waldmünchen in Auftrag. Die Bildungseinrichtung empfahl einen Austausch zugunsten eines Blockheizkraftwerkes „Dachs Pro 20 ST“ der Firma Senertec mit einer modulierbaren Generatorleistung von zehn bis 20 kW sowie eine Photovoltaikanlage, um die Gesamtbetriebszeit des BHKWs gering zu halten und eine maximale Gaseinsparung zu erwirtschaften. „Ein BHKW braucht alle 2000 bis 5000 Betriebsstunden einen kostenträchtigen Kundendienst“, informierte Franz Reuel.
Vorhaben ist gestorben
In der Folgezeit war ein zweiter Funkmast beim Kornschlag im Gespräch, der natürlich auch einen Stromanschluss gebraucht hätte. „Wir meinten, uns infolgedessen etwas zurücklehnen zu können“, blickte der Sektionschef zurück. Das Vorhaben ist gestorben, weil die Versorgung mit dem Mast in Lambach als ausreichend betrachtet wurde. Die Leitungen bergwärts hätten ungefähr eine Million Euro verschlungen.
Das Osserschutzhaus im Besitz des Lamer Waldvereins zehrt alle seine Einnahmen komplett auf. Es handelt sich um ein beliebtes touristisches Ausflugsziel mit Übernachtungsmöglichkeiten im Sommer.
Magdalena Dotzler stellte mit ihrem Kollegen Jürgen Schindlatz ein Konzept zur Stromgewinnung auf dem Osser vor. „Wir sind eine junge Bürgerenergiegenossenschaft, die sich im Februar vergangenen Jahres hier im Landkreis Cham gegründet hat“, so die stellvertretende Vorstandsvorsitzende. Man verfüge aktuell über 66 Mitglieder und wolle Photovoltaik (PV)-, Speicher- und Windkraftprojekte im Landkreis realisieren. Zum Beispiel setzte die Genossenschaft die 50 kW/PV-Anlage auf der Kläranlage in Grafenwiesen um.
„Matterhorn des Bayerwaldes“
Jürgen Schindlatz aus Kolmstein befasste sich im Anschluss mit dem Osserschutzhaus. Ihm liegt das „Matterhorn des Bayerwaldes“ nach eigenen Worten sehr am Herzen. Zunächst ermittelte er das Potenzial für die Erzeugung durch eine Photovoltaikanlage sowie die Abschätzung des Stromverbrauchs. Im Anschluss verglich er beide Komponenten miteinander und erstellte einen technischen und wirtschaftlichen Entwurf. „Es ist eine Herausforderung, eine Insellösung zu realisieren“, gab der Insider zu. In Summe ergaben sich 56 Stück Module mit circa 25 Kilowatt-Peak (kWp) Leistung. Pro Jahr seien damit 22 000 bis 23 000 Kilowattstunden zu erzielen. Bis dato werden 10 000 bis 15 000 Liter Flüssiggas verbraucht. Der Energiegehalt pro Liter Flüssiggas betrage 7,17 Kilowattstunden. Der elektrische Wirkungsgrad Gasmotor liege bei circa 30 Prozent und das Ergebnis daher zwischen 21 510 und 32 265 (Kilowattstunden) kWh. Der Mittelwert daraus errechnet sich mit 26 888 kWh. Diese Annahme bestätige der durchschnittliche Stromverbrauch in der Gastronomie mit 230 kWh/Jahr und Quadratmeter.
Sechs Monate viel Verbrauch
Der Hauptverbrauch ergebe sich zwischen Mai und Oktober. Circa 85 Prozent könne die PV erzeugen. Das Blockheizkraftwerk und die PV passen gut zusammen. Die Unterdeckung gleiche weiterhin der Gasmotor bei Nutzung der Abwärme aus. „Wir haben eine technische Lösung, die man sozusagen von der Stange kaufen kann“, so Jürgen Schindlatz. Ein chinesischer Hersteller biete eine Möglichkeit, an einen Generator anzuschließen und verfüge über einen Batteriespeicher mit einer Lebenszeit von über 20 Jahren. Die Batterie sei für eine Speicherkapazität von 22 Kilowattstunden nutzbar.
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Schindlatz informierte ebenso über technische Herausforderungen. So sei eine Fernwartung und Überwachung über LTE-Antenne beabsichtigt. Für Batterie (Größe eines Kühlschranks) und Wechselrichter brauche man einen Raum mit mindestens vier Quadratmetern. Die Batterie temperiert sich durch ein eigenes Heizelement von selbst. „Der Generator muss jedoch selbständig starten können“, betonte Schindlatz. Der Raum sei zu isolieren und brauche eine Raumtemperatur von größer-gleich null Grad Celsius. Dazu brachte Hüttenwart Martin Dietl den Einwand, dass im Winter auch mit Minusgraden über mehrere Tage zu rechnen sei. Die Bedenken konnte Schindlatz dadurch zerstreuen, dass der Generator Wärme erzeuge. Die Platten können mit 30 bis 150 Zentimeter Schnee bedeckt sein. Der Vorstandsvorsitzende Georg Birner dazu: „Der Wechselrichter kommuniziert mit dem BHKW, dass er ab einer gewissen Temperatur startet.“ Keine einfache Sache sei ebenso der Transport und die Montage der Module. Beides könne nur durch die Unterstützung der Mitglieder des Waldvereins gelingen.
Etwas genauer gecheckt werden müsse, ob die neueste PV-Technik mit dem vorhandenen BHKW kompatibel sei. „Fakt ist, dass die PV-Anlage das BHKW im Winter entlasten soll“, so der Sektionschef.
Über das finale Konstrukt wolle Franz Reuel in einer Versammlung abstimmen lassen. „Das Ganze geschieht ohne Kapitaleinsatz“, machte Reuel bewusst. Das Blockheizkraftwerk ist die Lebensader auf dem Osser. „Wenn es kaputt ist, brauchen wir eine Rücklage“, unterstrich der Redner. Pro KW müsse man mit 2000 Euro kalkulieren. Hochgerechnet und mitsamt Montage beziffere sich eine solche Investition auf 50 000 Euro. Deshalb brauche der Waldverein ein Polster.
Anteile erwerben und Mitglied werden
Finanzierung: „Mitglied wird, wer der Genossenschaft beitritt und Anteile erwirbt“, informierte Magdalena Dotzler. Ein Anteil kostet 1000 Euro. „Durch dieses Geld finanzieren wir die Projekte. Wir nehmen weiterhin Interessierte auf und freuen uns über jeden Beitritt“, so Dotzler.
Ausschüttung: Die Mitglieder erhalten jedes Jahr bei der Jahresversammlung eine Ausschüttung. Die Bürgerenergie Bayerwald vermietet die Anlage für 20 Jahre an den Waldverein, der dann Betreiber ist. Die Anlagenmiete holt er durch das Einsparen des Gases heraus. Laut dem bisherigen Erfahrungswert beträgt das Potenzial 5000 Euro pro Jahr. Nach 20 Jahren geht die Anlage an den Waldverein über. Es entstehen keine Mehrkosten. Vorteile dieser Insellösung sind, dass der Waldverein kein Kapital in die Hand zu nehmen braucht und eine stabile Stromversorgung erhält. „Diese saubere Energie spart CO2 ein und ist eine zukunftsfähige Lösung“, so Magdalena Dotzler.
Bei der Infoveranstaltung sollte das Konzept und die Idee vorgestellt werden. Die Miete soll günstiger als die Einsparung durch das Gas sein. Sie wird den Anlegern wieder zurückgegeben. „Jeder hat seinen Erfolg“, schilderte Dotzler die Win-Win-Situation. Georg Birner: „Wir sind ehrenamtlich tätig und machen dies, weil wir überzeugt sind von der Aufgabe.“ Die Bürgerenergie Bayerwald werde als Genossenschaft ein finales Angebot unterbreiten.

