Das Osserschutzhaus war der Waldvereins-Sektion Lam stets lieb und teuer

Die Geschichte des Osserschutzhauses ist auch eine Geschichte von beschwerlichen Bauvorhaben und Neuanfängen auf dem Lamer Hausberg. Die Hütte ist in Besitz der Waldvereins-Sektion Lam. Deren Vorsitzender Franz Reuel referierte über die Historie des Gebäudes, das sich über die Jahrzehnte gewaltig verändert hat.
1885 stand die erste „Bretterbude“ auf dem Lamer Hausberg, die vermutlich bis zu 30 Personen Unterschlupf gewährte. Die Hauptarbeit war damals das Anlegen der sogenannten Sektionswege. 1897 hat man beschlossen, die Hütte mit einer Bausumme von 1100 Mark zu vergrößern. Der Schankraum mit Nebenraum habe dem Wirt auch als Schlafstätte gedient. Der erste Pachtvertrag wurde 1898 mit Johann Dengscherz aus Hammern mit 100 Mark Pacht geschlossen.
Anscheinend waren die Wirte damals Eigenversorger und hatten ihren gesamten Viehbestand am Berg dabei, wie auf einem Foto zu sehen ist. Auf einer der ältesten Aufnahmen vom Osser seien sehr gut gekleidete Damen abgebildet. 1907 wurden Schlafräume angebaut, so dass regelmäßige Übernachtungen gewährleistet waren.
„Der Osser war immer ein Grenzberg, auf dem sich die Leute trafen und gerne auch musizierten“, so Reuel. Die Wanderer wurden immer mehr. 1910 ging die erste Telefonleitung auf den Osser. Auch Lambach hatte damals schon einen Telefonanschluss. 1910 gab es einen neuen Pächter und die Sektion erhöhte die Pacht auf 700 Mark.
Während des Ersten Weltkrieges ruhte die Vereinstätigkeit. Eine Einlage aus einem Reiseführer von 1912 pries an, dass es am Gipfel – der Schutzhütte – eine einfache Erfrischung gab.
1931 wurde angebaut
Ein gravierender Einschnitt war mit Sicherheit die Trennung der Sektionen Lam und Lohberg. Im Schreiben vom 7. Juni 1923 sei nachzulesen: Die neu gegründete Sektion Lohberg übernahm nunmehr die Instandhaltung und Markierung der Wege innerhalb der Pfarrei Lohberg und damit den Löwenanteil. Daher glaubten die Lohberger Führungskräfte, dass ihnen ein Anteil an den Einnahmen aus der Bewirtschaftung des Osserschutzhauses zustehe. Der damalige Lamer Vereinsvorsitzende Hermann Willmann stellte klar: Das Osserschutzhaus stehe auf seinem Grund, den er alleinig der Sektion Lam zur Verfügung stellte. „Somit waren alle Gebietsansprüche erledigt“, schilderte Franz Reuel.
1931 wurde erneut für Fremdenzimmer vergrößert und aufgestockt. Die Einweihung nahm Pfarrer Penzkofer 1932 vor. Während des Zweiten Weltkriegs ruhte die Gastronomie. Es wurde sogar das Mobilar zu Tal gebracht. Im Mai 1946 konnte der erste Pächter wieder hinaufziehen.
Gipfelkreuz war eine Rarität
Dr. Glasschröder aus Lam hatte in den Kriegszeiten die Vereinsführung übernommen. Eine Aufnahme zu Zeiten des Eisernen Vorhangs dokumentierte die neuen Verhältnisse. Ein Schnappschuss, den Konrad Huber organisiert habe, bildete seinen Vater Alois ab. „Das ist eine Rarität, weil das Gipfelkreuz noch mit Korpus zu sehen ist“, so Reuel.
Das Haus Willmann schenkte der Waldvereinssektion Lam 1962 das Ossergebiet mit 5000 Quadratmeter Grund. Seitdem heißt die Schutzhütte offiziell „Willmann-Haus“. Die Ware musste auf beschwerlichem Weg nach oben gebracht werden. In den 1950er Jahren tat dies der „Hoal Sepp“ mit zwei PS. Den Lift gab es noch nicht. Diesen baute erst Sigi Kaml.
Den Nachfolger-Lift initiierten Konrad Huber und Klaus Butz. „Das war ein Mammutprojekt, auch für die Waldvereinskasse“, erinnerte sich Franz Reuel. Die Firma Metallbau Liebl in Sommerau kam den Bauherrn sehr entgegen und gab ihre Einwilligung zur Ratenzahlung. Es entstand eine sehr stabile Ausführung.
Die Bergwachthütte war zunächst eine Zollhütte. 1996 hat sie die Bergwacht renoviert und vor ein paar Jahren noch einmal komplett erneuert. Sigi Kaml war seiner Zeit voraus und ziemlich innovationsfreudig: Er hat in seiner Zeit als Pächter schon ein Windrad zur Stromgewinnung auf dem Dach installiert. Das Problem sei die fehlende Stromversorgung. Wie aus alten Zeitungsartikeln ersichtlich war, reichten die Gelder nie aus. 1977 habe man wieder 36 000 Mark für das Osserschutzhaus aufgewendet. Dass der Instandhaltungsprozess überhaupt realisiert werden konnte, war letztlich einer großzügigen Förderung durch überörtliche Stellen zu verdanken. Die Renovierungsarbeiten konnte man nie bei gutem Wetter durchziehen, weil im Sommer das Geschäft blühte.
2001 musste der Waldverein trotz einer 50-prozentigen Förderung massiv auf größere Investitionen und Umbaumaßnahmen drauf zahlen. Einen großen Anteil verschlang der Pflanzenklärteich. Sektionsvorsitzender Norbert Lemberger fuhr oft wegen Zuschüssen nach Regensburg. 2001 schaffte der Verein das Blockheizkraftwerk zur Energiegewinnung an. Der Motor wird mit Gas angetrieben, die Energie dann in Batterien gespeichert. Der Bundesgrenzschutz flog das schwere Teil kostenlos auf den Berg.
Die Osserkapelle wurde 1986 errichtet, weil auch Arber und Rachel eine Kapelle hatten. Norbert Lemberger nahm den Bau in Angriff. Dafür gab es aus dem EON-Umweltpreis 10 000 Euro, die zur Darlehenstilgung verwendet wurden.
Weil die Wasserversorgung nicht mehr ausreichte, kümmerten sich Klaus Butz und Konrad Huber um eine Tiefenbohrung. 2018/19 erstellte die Technikerschule in Waldmünchen ein Energieversorgungskonzept, das allerdings bis dato nicht zu verwirklichen war. Ein gravierender Einschnitt war der Sturm Kyrill, der am 18. Januar 2007 über die Berge fegte. Er hatte wahre Schneisen geschlagen. „Wir hatten immensen Schaden, vor allem an der Wasserleitung“, so Franz Reuel in seinem Vortrag. Winteraufnahmen zeigten Schneehöhen bis knapp unters Dach.
Eine Hütte lebt immer von den Pächtern, die sie betreiben. Franz und Betty Kaml waren über 20 Jahre auf dem Osser. Sie war als Schutzhausmutter weit über die Grenzen des Bayerwaldes hinaus bekannt. Sebastian „Wast“ Augustin blieb 19 Jahren auf dem Hausberg. 2019 folgten Georg und Claudia Hatzinger.
Heuer sei geplant, am Blockheizkraftwerk die Schläuche und auch die elektrischen Leitungen zu erneuern. Die Gemeinde Lam arbeite daran, dass das Schutzhaus eine Stromversorgung erhalte. Für den Aufzug brauche man eine weitere Verankerung.
Hütten am Zwercheck und Arber
1883 habe man am Zwercheck erstmals einen Aussichtsturm und 1922 eine Blockhütte gebaut. Nach zehn Jahren sei diese abgebrannt. 1932 wurde ein Nachfolge-Bau mit Zentralheizung und Übernachtungsmöglichkeit für 50 Touristen geschaffen, der ganzjährig bewirtschaftet wurde. Zum Ende des Krieges sprengte man den Bau. 1945 begann ein erneuter Aufbau, der nie ganz vollendet wurde, weil die Hütte ab 1948 im tschechischen Sperrgebiet lag, verwaiste und verfiel.
Am Arber wurde etwa zur gleichen Zeit wie am Osser eine Schutzhütte vom Eisensteiner Waldverein mit Unterkünften für 28 Touristen gebaut. Am Standort der alten Chamer Hütte seien alle Überbleibsel verschwunden. Dort herrschte reges Leben. Auf der Solhäng wurde Ski gefahren.
„Die Berghütte ist eine kleine soziale Lebenswelt“, drückte es Pater Augustinus, ein Osserfan durch und durch, aus. Für die Zukunft sei es unheimlich wichtig, dass dieses Schutzhaus weiter besteht
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