Google Street View ermöglicht im Kreis Cham Blicke auf Grundstücke – Eingriff in die Privatsphäre?

Von David Salimi · 28. Oktober 2024 um 14:59

Seit dem Start von Google Street View im Jahr 2007 ist es möglich, Orte weltweit vom heimischen Computer, Smartphone oder Tablet aus zu erkunden. Auch in Deutschland bietet der Internetriese den Dienst seit 2010 an. Nun hat Google einen umfangreichen Datensatz mit Straßenansichten im Landkreis Cham freigeschaltet, der teils auch Einblicke auf private Grundstücke erlaubt.

Grundlage für die 3D-Aufnahmen sind hochauflösende Bilder, die Google von spezialisierten Fotografen bezieht. Dafür fahren speziell ausgestattete Fahrzeuge des Konzerns durch die Straßen – auch im Landkreis Cham, vor allem in den Gemeinden des Altlandkreises Kötzting, wie ein Blick auf Google Maps zeigt. Zu sehen sind Bilder von der Pfingstrittstadt, angrenzenden Orten wie Miltach und Blaibach bis hin in den Lamer Winkel. Auf den Dächern der Street View-Autos befindet sich ein Kamerasystem, mit dem Google nach eigenen Angaben bereits über zehn Millionen Meilen weltweit dokumentiert hat.

Grillfeiern und Rasenmähen: Einblick in private Gärten

In den Gemeinden rund um Bad Kötzting beschränkt sich die Verfügbarkeit der Aufnahmen aktuell noch auf die Hauptverkehrsstraßen. Bisher wurden vor allem die Bundes- und Staatsstraßen erfasst, während Wohngebiete in Bad Kötzting, Blaibach und Miltach weitgehend ausgespart blieben. Detaillierter wurden dagegen der Lamer Marktplatz und angrenzende Wohngebiete kartiert, ebenso wie Arrach und Lohberg. Hier gewähren die Aufnahmen Einblicke hinter Zäune und auf private Einfahrten. Ebenfalls bereits kartiert wurden Straßenzüge in der Gemeinde Wald im westlichen Landkreis Cham. Erkennbar ist von den teils abgebildeten Straßenpassanten jedoch niemand. Sämtliche Gesichter und Autokennzeichen werden verpixelt. Darauf weist Google auch in seinen Datenschutzrichtlinien hin.

Während es in anderen Regionen Deutschlands aufgrund solcher Aufnahmen zu zahlreichen Klagen kam, blieb die Situation im Landkreis Cham bislang ruhig. „Das ist das erste Mal, dass ich davon höre“, sagt Lams Bürgermeister Paul Rossberger auf Nachfrage. Dass das Street View-Fahrzeug auch in Lamer Wohngebieten unterwegs war und spielende Kinder oder Gärtner bei der Arbeit erfasst wurden, habe ihn überrascht. Ähnlich überrascht zeigt sich Lohbergs Bürgermeister Franz Müller. Die Aufnahmen, die bis in die Wohnsiedlungen unterhalb der Staatsstraße reichen, seien ihm neu. Auch hier können Nutzer im Netz Anwohner beim Grillen oder sonntäglichen Autowaschen beobachten. Beschwerden habe er aber bislang nicht erhalten, ebenso wenig wie Arrachs Bürgermeister Gerhard Mühlbauer.

Proteste oder Klagen aus den Gemeinden im Lamer Winkel?

Obwohl die neuen Aufnahmen einige Einwohner überraschen mögen, blieben Proteste gegen Google Street View in den genannten Gemeinden bislang aus. Datenschutzbeauftragte weisen jedoch darauf hin, dass nur wenige Bürger von ihrem Recht Gebrauch machen, die Veröffentlichung ihrer Grundstücke zu untersagen. Dabei war der Widerstand zu Beginn des Projekts deutschlandweit groß: Vor rund 14 Jahren legten Hausbesitzer bundesweit Einspruch gegen die Darstellung ihrer Fassaden oder Gärten ein.

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Gleichermaßen weist Fabian Koller, Pressesprecher des Landratsamtes Cham, darauf hin, dass es sich dabei grundsätzlich um eine Dienstleistung eines privaten Unternehmens gegenüber dem Bürger handelt. Sollte sich ein Bürger in seinem Recht auf Datenschutz verletzt sehen, stehe ihm der Weg der Beschwerde bei der zuständigen Aufsichtsbehörde, dem Bayerischen Landesamt für Datenschutzaufsicht, offen. „Für die Liegenschaften des Landkreises gibt es jedoch keinen Grund, einer Aufnahme zu widersprechen“, so Koller.

Weitere Aufnahmen für den Landkreis Cham geplant

Wer bereits Widerspruch gegen die Veröffentlichung eingelegt hat, sollte allerdings aufpassen: Mit den neuen Aufnahmen bereits vor längerer Zeit kartierter Gebiete müssen übrigens auch alte Einwände erneuert werden, um zu verhindern, dass die Grundstücke erneut veröffentlicht werden. Die aktuellen Bilder ersetzen die von 2008 bis 2010 aufgenommenen Aufnahmen.

Laut Google soll bis Ende November 2024 eine Vielzahl weiterer bayerischer Regionen kartiert werden, darunter auch weitere Teile des Landkreises Cham.

Wie kann ich mein Haus unkenntlich machen lassen?

Datenschutz: Wer sein eigenes Haus oder auch das davor geparkte Fahrzeug auf den neuen Fotos nicht sehen will, muss das als Mieter oder Eigentümer eigens beantragen, etwa an streetview_deutschland@google.com oder per Online-Formular (externer Link). Dazu gibt es auch eine ausführliche Anleitung der Verbraucherzentrale. Kennzeichen und Gesichter werden vom Anbieter hingegen automatisch zensiert. Bereits bei der Veröffentlichung der ersten Aufnahmen 2010 meldeten Hausbesitzer in ganz Deutschland Einspruch an und ließen ihre Fassaden unkenntlich machen.

Mit einer auf dem Dach installierten Kamera ziehen die Google-Autos bei ihren Streifzügen unweigerlich sämtliche Blicke auf sich. Foto: Marcus Brandt/dpa
Blick in die Schatzbergstraße in Harrling (Gemeinde Zandt) Foto: Screenshot/Salimi
Blick über die Neurandsberger Straße nach Altrandsberg (Gemeinde Miltach) Foto: Screenshot/Salimi
Blick in die Eschlsaigner Straße in Arrach Foto: Screenshot/Salimi
Blick in die Rosengasse in Lam Foto: Screenshot/Salimi
Blick in den Gartenweg in Lam Foto: Screenshot/Salimi
Blick in die Wutzldorfer Straße in Wald Foto: Screenshot/Salimi