Unternehmen aus Weiding ist in der digitalen Zukunft angekommen

Von Alexander Frimberger · 28. Oktober 2024 um 11:00

Seit vielen Jahren steht die Firma Rollladen Braun GmbH für Innovation und Nachhaltigkeit. Vielfach preisgekrönt war das Familienunternehmen auch in diesem Jahr nominiert, und zwar für den Nachhaltigkeitspreis des Landkreises Cham für die Digitalisierung.

Wenn man die rund 2000 Quadratmeter große Showhalle betritt, die es laut Geschäftsführer Georg Braun so weit und breit kein zweites Mal gibt, fällt eines sofort auf: Auf einer Säule im Eingangsbereich steht, prominent platziert, eine Figur, die dem Oscar ähnelt.

Ganz verkehrt liegt man mit der Vermutung nicht, auch wenn es sich dabei nicht um die begehrte Auszeichnung für die weltweite Filmbranche, sondern um den „Großen Preis des Mittelstandes“ handelt, wie Wolfgang Braun erklärt.

Preise über Preise

Er ist, ebenso wie sein Bruder Georg und weitere Familienmitglieder, Geschäftsführer im Unternehmen, das sich seit 1962 unter anderem der Fertigung von Fenstern, Rollläden und Haustüren widmet. „Für den Preis kann man sich nicht bewerben, man muss vorgeschlagen werden“, sagt Wolfgang Braun über die wichtigste Wirtschaftsauszeichnung , die man im Jahr 2013 erhalten hat.

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An einer Wand im Eingangsbereich hängt das Porträt des Gründers, Georg Braun senior Er hat in Chammünster mit einer kleinen Bauschreinerei den Grundstein für das erfolgreiche Familienunternehmen gesetzt. Inzwischen sind schon zwei seiner Enkel, also die dritte Generation, ins Geschäft eingestiegen.

Innovation und Nachhaltigkeit gehört dabei zur DNA des Unternehmens. Das beweist ein Blick in die Vitrine, in der alle Urkunden und Pokale ausgestellt sind: Ausbildungspreis, Handwerkerpreis, Best Business Award und viele weitere Auszeichnungen hat man gesammelt. Da kann man natürlich verschmerzen, dass es heuer bei der Nominierung geblieben ist. Noch beeindruckender ist allerdings ein geführter Rundgang durchs Unternehmen.

Eine digitale Tafel zeigt an, wie viel Strom die gigantische, auf den Dächern des Unternehmens installierte PV-Anlage produziert. Georg Braun führt in einen Aufenthaltsraum, in dem unter anderem ein Billard-Tisch und gemütliche Sitzmöglichkeiten stehen. Die Abteilung, die hier früher untergebracht war, konnte, ebenso, wie die für die EDV, aufgelöst werden.

Das ist der durchdachten Digitalisierung zu verdanken, für die Braun eben jetzt nominiert wurde. „Wir brauchen weniger Papier, weniger Platz, damit auch weniger Strom und haben einen geringeren Heizbedarf“, so Georg Braun junior.

Untergebracht ist das Team jetzt in einem Großraumbüro. Wo früher Aktenschränke die Wände zugestellt haben, steht jetzt eine Pflanze, oder es hängt ein Kreuz an der Wand, denn: Kundenaufträge werden ab dem ersten Kontakt am Computer erfasst und landen nicht in Papierform in einem Aktenordner. Das hat neben dem Spar- und Umwelt- noch einen weiteren Effekt. „Bei Nachfragen findet man den betreffenden Kunden mit einem einfachen Mausklick“, so Braun. Früher habe das schon einmal bis zu einer halben Stunde dauern können, bis der betreffende Auftrag gefunden wurde. Das stresst den Kunden, aber auch den Mitarbeiter.

In der Begründung für die Nominierung 2024 heißt es wörtlich: „Die Firma Braun ist ein Vorzeigeunternehmen in Sachen Digitalisierung und kann inzwischen nahezu papierlos beinahe alle Abläufe gestalten.“ Das spart Ressourcen, verbessert die CO2-Bilanz ganz erheblich und trägt so zu klimafreundlichem Verhalten bei. „Inzwischen können wir 98 Prozent unserer Abläufe Digital abbilden“, bekräftigt Georg Braun. Die Buchhaltung, so kündigt es der Unternehmer an, wird Ende des Jahres digitalisiert. Ausgedruckt und verschickt werden übrigens fast nur noch Rechnungen. „Wir würden die natürlich lieber nur per E-Mail verschicken, aber einige Kunden möchten auf die Papierform nicht verzichten.“

Ein Spaziergang war die Umstellung allerdings nicht. Es genügt nicht, ein paar Computer anzuschaffen und loszulegen. Rund zwei Jahre hat man sich immer wieder in Arbeitsgruppen zusammengesetzt, Schulungen durchgeführt, Hausaufgaben gemacht und Abläufe optimiert. Die anfängliche Angst der Mitarbeiter ist der Begeisterung gewichen.

Wichtig war den Geschäftsführern dabei von Anfang an, alle mit ins Boot zu holen. Neben der Leitung saßen auch Mitarbeiter der EDV am Tisch, und es wurden aus den betroffenen Abteilungen immer weitere Kollegen dazugeholt. Gekostet hat die Umstellung in Bezug auf Software und Personaleinsatz fast 250 000 Euro. „Wenn ich bedenke, wie deutlich schneller und effektiver wir sind, haben sich die Kosten in rund drei Jahren amortisiert“, so Georg Braun. 80 Mitarbeiter stehen bei Braun in Lohn und Brot. „Entlassen wurde im Zuge der Digitalisierung niemand“, verrät Braun, während er die Produktionshallen zeigt. Auch dort stehen natürlich Computer. „So können wir in sekundenschnelle nachprüfen, wo sich ein Kundenauftrag befindet.“

Kürzere Wege, mehr Service

Ablauf- und Kostenoptimierung, Umweltschutz, rohstoffschonendes Arbeiten, diese Themen beschäftigen die Unternehmerfamilie ständig. Die Ölheizung wurde entsorgt, jetzt wird unter anderem mit Hackschnitzel geheizt. Gleichzeitig wurde überlegt, wo wie viel geheizt werden muss. Im Hof steht eine Recyclingstraße, in der Rohstoffe penibel getrennt werden. Das geht bis hin zur Restmülltonne in der Halle. „Wir haben mehr Container als so mancher Bauhof.“

Dann zeigt Georg Braun noch die Landkarte auf der der Wirkungsbereich des Familienbetriebs eingezeichnet ist. „Wir haben uns bewusst dafür entschieden, nur regional also im Umkreis von rund 60 Kilometern aktiv zu sein.“ Das garantiert einen perfekten Service, und natürlich bedeuten kurze Wege auch geringeren Energieeinsatz. Folgerichtig gedacht für ein Unternehmen, das seit 2010 Mitglied im Umweltpakt Bayern ist. Für Georg Braun, seine geschäftsführenden Brüder, die Nichte und den Neffen ist es neben dem Klima- und Umweltgedanken auch eine ganz pragmatische Überlegung: „Alles, was wir tun, bringt natürlich eine erhebliche Kostenersparnis.“

Letzte Frage: Für welchen Preis werden Sie im kommenden Jahr nominiert? Georg Braun lacht: „Im Moment fällt mir gerade nichts ein, was es da geben würde.“ Aber bei dem rührigen Unternehmertum sollte sich da in den kommenden Jahren schon wieder etwas ergeben.

Im Büro gibt es statt vieler Aktenschränke jetzt mehr Computerbildschirme. Fotos: Frimberger