Betonwerk Feiner in Furth im Wald hat hochmoderne digitale Drucktechnik entwickelt

Im Landkreis Cham ist ist höchst lebendiges Unternehmertum daheim. Viele Ideen und Innovation werden hier geboren. Ein Beispiel dafür ist das Betonwerk Feiner mit Sitz in Furth im Wald, das Betonplatten mit modernster Digitaltechnik bedruckt.
Das von Firmenchefin Martina Fischer-Feiner mit Partner selbst entwickelte Verfahren hat das Interesse der Öffentlichkeit geweckt und wurde für den Innovationspreis des Landkreises Cham nominiert.
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Den hat man zwar knapp verpasst, aber die Unternehmerin ist nicht traurig: „Der Preis ist ganz hervorragend geeignet, zu zeigen, welches Erfinderpotenzial und welche Innovationskraft im Landkreis stecken.“ Besonders gefallen hat ihr, dass Kinder ihre Ideen vorgestellt haben, „das hat mich beeindruckt“.
Firmengründung 1953
Doch bevor die 54-Jährige von ihrer Innovation spricht, zunächst einmal die Chauvifrage: Schon ungewöhnlich, sich als Frau in einem derart von Männern dominierten Arbeitsfeld zu bewegen, oder?
Martina Fischer-Feiner lächelt: „Sicher haben in der Branche auf den ersten Blick die Männer das Sagen, aber ich habe Zement im Blut.“ 1953 hat der Großvater im Ortsteil Degelberg das Unternehmen mit einer Sandgrube angefangen und dann ein Baugeschäft gegründet. Selbst hergestellte Bimssteine und schließlich Waschbeton waren die weiteren Entwicklungsstufen des jungen Unternehmens.
Fischer-Feiner: „Mein Vater war immer sehr innovativ“
Später hat der Vater übernommen und die Fertigung von Waschbetonplatten reformiert, indem er unter anderem farbige Körnungen hinzugefügt hat. „Mein Vater war immer sehr innovativ, hat stets nach neuen Ideen und Varianten gesucht.“
Das Virus Beton hat dann schließlich auch die Tochter infiziert. Schon während ihres Studiums der Betriebswirtschaftslehre in Regensburg hat sie im Unternehmen vor allem im Vertrieb mitgearbeitet. „Mir war immer bewusst, dass ich ins Unternehmen gehen will.“
Zunächst aber folgte eine Zeit in Ingolstadt zusammen mit ihrem Mann Hans-Peter Fischer. Den Ingenieur für Fahrzeugtechnik bezeichnet sie sowohl unternehmerisch als auch privat als perfekten Partner an ihrer Seite. „Wir ergänzen uns und wir harmonieren einmalig.“ Beide wollten raus aus Ingolstadt, „ich bin kein Stadtmensch, ich brauche die Natur, das draußen sein.“
Erster Durchbruch vor fünf Jahren
Seit 1997 ist die Mutter von zwei Kindern Vollzeit im Unternehmen, hat es 2007 als alleinige Gesellschafterin übernommen. Auch ihr liegt das Tüfteln im Blut. „Ich hab immer versucht, neue Produkte zu entwickeln.“ Vor fünf Jahren dann ein erster Durchbruch. Keramikplatten konnten zwar schon länger auf Beton geklebt werden, „aber wir haben ein Verfahren entwickelt, die Keramik mit dem frischen Beton fest zu verbinden.“ Das Reizvolle an der Keramik ist, dass die Oberflächen so variabel gestaltet werden können.
Das war dem Unternehmerehepaar schon länger klar, endgültig klick gemacht hat es dann auf der Cersaie im italienischen Bologna, der größten Keramikfliesenmesse der Welt. Der gedankliche Arbeitsauftrag war: Wie kann man Farben und Muster direkt und haltbar auf den Beton bringen? Was dann im Jahr 2022 folgte, klingt abenteuerlich. „Das war es auch“, bestätigt Fischer-Feiner.
Ganze Halle war voll mit Betonplatten
In nur einem halben Jahr war die Idee ausgereift. „Wir haben uns mit unseren Farbenlieferanten und anderen zusammengetan.“ Ingenieur Fischer hat die notwendigen Maschinen entwickelt. Die Fertigungshalle wurde komplett leer geräumt und mit den neuen Maschinen bestückt. Dann habe man einfach begonnen und ausprobiert, zu drucken. Die ganze Halle war voll mit Betonplatten und den mehr oder weniger guten Versuchen. „Nicht nur in dieser Phase, sondern immer, wenn kreative Prozesse laufen, gibt es Höhen und Tiefen“, so Fischer-Feiner. Sie bestätigt, dass man natürlich immer wieder mal an einen Punkt komme, an dem man aufgeben möchte. In solchen Momenten kann man sich dann wieder auf den Partner verlassen, der antreibt und anspornt. Die perfekte Harmonie eben. Manchmal braucht man aber auch eine Pause, um den Kopf frei zu bekommen. „Wir haben alles liegen und stehen lassen, die Halle abgesperrt und sind in Weihnachtsurlaub gefahren.“
Danach ging es frisch ans Werk. Acht Produkte sollten es ursprünglich werden, mit 24 ist man im Jahr 2023 letztlich an den Start gegangen: klassische Betonplatten mit natürlich anmutenden Holzdekoren und täuschend echt erscheinenden Natursteinoptiken. Das Geheimnis ist die hochmoderne digitale Drucktechnik. „Sie können sich das ungefähr wie einen Tintenstrahldrucker vorstellen, nur viel größer.“ Die Farben werden auf den noch frischen Beton aufgebracht und verschmelzen mit ihm im Trocknungsprozess. Anschließend wird die Fläche noch mit einem Lack versiegelt und ist so dauerhaft für den Außeneinsatz geeignet. „Den Beton mit der Farbe und der Beschichtung abzustimmen, das ist die Kunst.“ Jetzt konnten also Kunden die Terrassen mit den verschieden gemusterten Platten bestücken. Inzwischen ist man am Oberen Degelberg 6 schon wieder einen Schritt weiter und in der Lage, individuelle Motive wie Fotos oder Firmenlogos auf dem Beton zu verewigen. „Wir haben jetzt die Technik und überlegen ständig, wie wir sie noch nutzen können.“
Menschlichkeit ist das Gebot
Eines ist der Unternehmerin noch wichtig, zu sagen: Man ist Unternehmerin, weil man etwas unternimmt, das sei aber nur möglich, weil Feiner ein hervorragendes Team mit tollen Mitarbeitern hat. „Ich möchte Geschäftsbeziehungen als echter Partner und Mensch führen. Das zeichnet mich vielleicht als Frau aus.“ So fühlt sie sich in der Männerwelt super und anerkannt. „Das schmeichelt schon.“
Aber Martina Fischer-Feiner sagt auch, dass man als Frau immer noch ein bisschen mehr geben muss als die Männer. Mit Blick auf das, was sie in den letzten Jahrzehnten geschaffen hat, scheint ihr das offensichtlich mit Bravour gelungen zu sein.