Nach dem Festzelt geht die Party in der Altstadt weiter – Nicht jeden freut das Trachtenvolk

Das gehört zur Dult wie Hendl, Maß und Riesenrad: Gehen in den Festzelten die Lichter an, zieht das Trachtenvolk lautstark weiter in die Regensburger Altstadt. Die Clubbetreiber freut’s, manch ein Kneipenwirt blickt mit gemischten Gefühlen auf das Wochenende.
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„Wir sind gewappnet für den Ansturm“, sagt Sascha Al Mahmoud. Der umtriebige Gastronom betreibt am Brückenbasar in Stadtamhof das Café Spital und das Spritz, in der Glockengasse die Astra Kiezbar und im St.-Peters-Weg den Club Velvet Room. „Liegt alles auf dem Dult-Weg“, freut sich Al Mahmoud. „In den Läden in Stadtamhof holen sich die Leute vor der Dult ein To-Go-Bier und kommen nach dem Festzelt oft zurück.“ Auch die Astra Bar habe sich zu einem Dult-Treffpunkt etabliert. „Sehr schön und sehr friedlich“, befindet der Gastronom, schiebt aber hinterher: „Wir haben jetzt an den Wochenenden Türsteher vor der Bar.“ Wer zu betrunken ist, wird „aussortiert“.
Dult in Regensburg – „Seppl-Alarm“ in der Kneipe
So handhabt es auch Tom Bockes, Wirt der Kult-Kneipe Banane am Römling. „Ein Türsteher macht zu Dult-Zeiten Sinn. Die Leute haben ordentlich getankt. Da muss man aufpassen, dass sie nicht über die Stränge schlagen“, sagt er. Bockes, so hört man es im Gespräch heraus, scheint nicht der allergrößte Fan des Volksfestes zu sein. Für die Banane seien Lederhosn und Dirndl eigentlich eher untypisch. „Früher nannten wir das Seppl-Alarm. Da haben wir noch geschaut, die Bude lederhosenfrei zu halten. Aber die Zeiten haben sich geändert.“ Natürlich sei er froh, „wenn sich was rührt, wenn die Leute kommen“ – schließlich merke er zu Dult-Zeiten im „Allgemeingeschäft“, dass Besucher fehlen. „Dann bin ich teilweise froh, wenn ich welche von der Dult drin hab’.“
Auch Sascha Al Mahmoud bemerkt, dass zu gewissen Zeiten – wenn in den Festzelten Hochbetrieb herrscht – die Besucher fehlen. Andererseits: „Während der Dult ist mehr Publikum in der Stadt.“ Laut Bockes ist es eine „Lagegeschichte“. Vor allem die Betriebe außerhalb der Altstadt würden unter der Dult leiden. „Zum Glück“, meint der Wirt, der neben der Banane auch das Tarantino’s betreibt, habe seine Bar in der Ostengasse gerade Betriebsurlaub.
Regensburger Herbstdult sorgt für Andrang in den Clubs
Größer als in den Kneipen ist an Dult-Wochenenden der Andrang in den Clubs. Heart-Betriebsleiter Sebastian Mühlbauer stellt sich auf einen „großen Besucherstrom“ ein. „Wir haben unser Wochenende ganz auf die Dult-Aftershow ausgelegt“, sagt er. Soll heißen: Freitag Ballermann-Hits, am Samstag 2000er-Musik, jeweils als „Dult-Special“ beworben. Dass nach dem Festzelt weiterhin Bedarf an Partymusik herrscht, stellt auch Al Mahmoud im Velvet Room fest. Vor allem der hintere Bereich des Clubs, in dem Musik aus den 1990er-, 2000er- und 2010er-Jahren gespielt wird, laufe an Dult-Wochenenden „sehr gut“.
Schlechte Erfahrungen mit dem Dult-Publikum haben weder Al Mahmoud noch Mühlbauer gemacht. „Es kann natürlich vorkommen, dass zu sehr alkoholisierten Gästen an der Tür der Heimweg vorgeschlagen wird“, sagt der Heart-Betriebsleiter. Auch Al Mahmoud verweist auf sein „starkes Türsteher-Team“.
„Fallen bei uns ein“: Klappe schließt während der Regensburger Dult früher
Einer, dem die Dult gar nicht schmeckt, ist Karl Grabinger von der Klappe in Stadtamhof. Während des Volksfestes sperrt er die Kneipe um 23 Uhr zu, zwei Stunden früher als üblich. „Die, die auf der Dult nicht mehr willkommen sind, fallen bei uns ein. Das ist nicht unser gewünschtes Publikum.“ Ihm sei bewusst, dass durch die angepassten Öffnungszeiten Umsatz auf der Strecke bleibe, aber als vor drei Jahren ein Mitarbeiter von einem Gast erheblich verletzt worden sei, habe er die Reißleine gezogen.
Die Polizei ist an Dult-Abenden, insbesondere an den Wochenenden, im Dauereinsatz – auch abseits des Festgeländes. „Zumeist sind es körperliche Auseinandersetzungen, bei denen die Polizei gerufen wird“, sagt Thomas Hasler von der Polizeiinspektion Nord. Nach dem Ende eines Dult-Tages sorgen die Beamten für einen „geordneten und sicheren“ Abstrom der Festzeltbesucher. Laut Kerstin Stolze von der Polizeiinspektion Süd waren während der vergangenen Herbstdult Ruhestörung und Streitigkeiten in der Altstadt und rund um das Diskothekenviertel die häufigsten Gründe für Einsätze. Einen signifikanten Anstieg der Einsatzzahlen während des Volksfestes habe es jedoch nicht gegeben.
Ob die Party nach dem Festzelt weitergeht, bleibt jedem selbst überlassen; in welchem Zustand, ebenfalls. „Ob die Leute von der Dult kommen oder nicht, ist mir egal, wenn sie sich ordentlich benehmen“, sagt Al Mahmoud.
Die wichtigsten Infos zur Regensburger Herbstdult auf einen Blick
• Der Auftakt: Die Regensburger Herbstdult findet 2024 von 23. August bis 8. September statt. Am Freitag um 18 Uhr wird Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer im Glöcklzelt das erste Fass Festbier anstechen.
• Das Bier: Im Hahnzelt wird Kneitinger-Festbier und im Glöcklzelt Festbier der Brauerei Bischofshof ausgeschenkt. Der Preis für die Maß liegt wie bei der Regensburger Maidult 2024 bei 12,80 bis 12,85 Euro. Das Hendl kostet zwischen 12,90 und 13,10 Euro.
• Das Feuerwerk: Die Stadt Regensburg hat 2024 zwei Feuerwerke zur Dult geplant: Am 23. August und am 6. September jeweils um 22 Uhr. 750 Großfeuerwerkskörper und Kleinkaliber sollen laut Stadt in die Luft gehen – inklusive eines „gewaltigen Finales“.
• Der Dultbus: Auch 2024 fahren zur Regensburger Dult wieder kostenlose Dultbusse im Zwölf-Minuten-Takt auf der Strecke vom Hauptbahnhof Süd über den Unteren Wöhrd bis zum Dultplatz und zurück. An Feiertagen verkehren die Busse im 7,5-Minuten-Takt.
