Die Klappe wird 20: Erste Genossenschaftskneipe der Oberpfalz feiert Jubiläum

Von Andrea Deyerl · 29. März 2023 um 19:00

„Ich glaub, meine Mama hat’s dem Opa nie gesagt.“ Florian Jessenskys Großvater hat nicht wissen sollen, dass der damals 23-Jährige ein Urlaubssemester genommen hat, um sich in Regensburg eine eigene Kneipe anzuschaffen. Inzwischen sind 20 Jahre vergangen. Das Studium ist beendet, am Samstag steht die große Geburtstagsparty zum 20-jährigen Jubiläum an und aus der Klappe ist ein Laden geworden, der nie leer ist.

Zumindest nicht während der Öffnungszeiten – 364 Tage im Jahr von 16 bis 2 Uhr. Und selbst da kommt es vor, dass die Gäste der Klappe in Stadtamhof früher rein und später raus wollen. Es läuft gut in der Musikkneipe. Die Rechnerei, ob am Abend genügend Cordon Bleu paniert und ausreichend Helle über den Tresen geschoben wurden, um die Ausgaben decken, hat schon lange aufgehört. Aber das war nicht immer so. „Wir hatten natürlich einen Businessplan,“ sagt Karl Grabinger, damals wie heute zuständig für die Finanzen. Der war freilich auch durchdacht. Und trotzdem hatten er, Florian Jessensky und die anderen fünf, die 2003 die Genossenschaft gegründet haben, oft zu kämpfen.

Klappe Regensburg: 2013 stand’s Spitz auf Knopf

Nicht nur ums Geld. Vor zehn Jahren ging es sogar ums Überleben – obwohl sich die Kneipe da schon längst etabliert hatte. „Als es hieß, dass das Gebäude verkauft wird, stand’s Spitz auf Knopf“, erinnert sich Grabinger. Schließlich hatten die Genossen weder eine Ahnung davon, was dann mit ihrer Klappe passieren würde, noch Einfluss darauf. Und dann muss er lächeln, als er an die Hilfe denkt, die aus der Nachbarschaft kam. Keine 200 Meter entfernt hatte Willibald Koller, der damalige Spitalmeister und damit auch der Chef der Spitalbrauerei, sein Büro. Schon als die Brauerei Scherdel mit Sitz in Hof 2003 Insolvenz anmelden musste und die Klappe weder weiter beliefern noch Pächter bleiben konnte, sprang der Nachbar in beiden Funktionen ein. 2013 dann kaufte das Spital sogar die Räume.

Eine Entscheidung, die wohl heute genauso fallen würde, wenn man Wolfgang Lindner, den jetzigen Spitalmeister, reden hört. Cool, schnörkellos und direkt findet er die Klappe. „Da weiß ich einfach, was mich erwartet.“ Und wenn die Möglichkeit besteht, so einen besonderen Laden fast vor der Haustür der Brauerei zu übernehmen, um dort sein Bier zu präsentieren, „dann kauf’ ma den“. Ganz einfach.

Klappe: „Eine Kneipe für alle“

Zu diesem Besonderen, von dem Lindner spricht, zählt auch die Preisstruktur in der Klappe. Er selbst ist daran nicht ganz unbeteiligt. Die Klappe hat nämlich günstigere Konditionen als andere Spital-Gaststätten in Regensburg. „In der Klappe müssen die Gäste nicht überlegen, ob sie sich noch eine Halbe leisten können oder nicht. Es ist eine Kneipe für alle.“ Dazu trägt er gerne seinen Teil bei. Die Genossen wiederum schätzen die Zusammenarbeit mit der Brauerei so sehr, dass sie auch im Einfall, das Lokal, das sie seit 2021 in Schwabelweis betreiben, Spital servieren.

Zwar hat auch die Klappe die Preise im vergangenen Jahr angezogen. Und dennoch kriegt man für unter 15 Euro ein Schnitzel und ein Bier. Es kommen Currywurstfans, die Musikakademieleute von nebenan und die Kartenstammtische. Meistens sitzt einer vom Team mit am Tisch. Mal kürzer, mal länger. Viele der Gäste sind Freunde der Crew. Ein großer Vorteil der inzwischen 15-köpfigen Genossenschaft mit ihrem großen Umfeld. Man kennt sich, mag sich, fühlt sich wohl und willkommen.

Diese Kultur hat auch Dominik Fleischmann zur Truppe geholt. Einmal war er in der Klappe Schafkopfen mit einem der Keeper. Kurz darauf hatte er seine Anlernschicht hinterm Tresen, seit 2019 ist er einer der Genossen. „Als ich hier die Tür zum ersten Mal aufgemacht habe, war ich schon mittendrin“, sagt er. Dann muss er kurz zapfen helfen. Denn am Freitagabend ist die Klappe voll.

Schafkopf und Daheimsein

Gegenüber sitzt ein Mittfünfziger bei Bier Nummer zwei und Averna Nummer eins. Das 2000-Seiten Buch in seinen Händen liest er schon den ganzen Abend quer. Es ist ein Nachschlagewerk, das er von seiner Geschäftsreise an den Bodensee mitgebracht hat, wie Bedienung Lukas später erfahren wird. Natürlich hat er beim Servieren nachgefragt. Weil auch er sich für die Geschichten seiner Gäste interessiert. Außerdem findet er es „lässig, wenn einer einfach gemütlich hier ein Bier und einen Schnaps trinkt“. Vor allem einer, der auf den ersten Blick nicht hier rein passt. Und am Ende der Schicht hat doch wieder jeder seinen Platz in der Klappe gefunden. „Schön, dass du da warst“, sagt Lukas, als der Averna-Mann die Tür aufzieht und lächelt ein ehrliches Lächeln. Weil er es so meint. Alles wie immer.

Die Geschichte der Kneipen-Genossenschaft

Am 1. April 2003 haben damals sieben Genossen, teils Mitarbeiter, teils Stammgäste, die Klappe von Erik John, der aktuell das Hinterhaus gepachtet hat, übernommen. Ziel der Genossen war weniger der Profit, sondern mehr der Erhalt der Stammkneipe – auch ein Grund für die Rechtsform. Die Klappe nicht als Haupteinnahmequelle zu führen, ließ viele Beteiligte zu. Das wiederum hält für den einzelnen Arbeit und Risiko klein. Damals wie heute profitieren Genossen und Gäste von dieser sehr ungewöhnlichen Rechtsform. 2003 war die Klappe e. G. sogar die erste ihrer Art in der gesamten Oberpfalz. In Regensburg gibt es bis heute nur zwei Genossenschaftskneipen: Die Klappe und das Einfall.

Bis 2000 war Stadtamhof 13 auch die Anschrift der Stadtamhofer Lichtspiele, genannt „Stali“. An Stelle des Kinosaals entstanden ein Innenhof und die Adressen Stadtamhof 13a, b und c. Heute erinnert nur noch der Name „Klappe“ an das frühere Dasein als Kinokneipe. Die Räumlichkeiten im Erdgeschoss, die zur Klappe gehören, sind im Besitz des St. Katharinenspitals. Die Wohnungen in den Stockwerken darüber und im Innenhof sind in Privateigentum und vermietet.

In der Klappe in Stadtamhof 13 wird am Wochenende Jubiläum gefeiert.