Gastronomiebetriebe, Genussführer, Gerüchte: Regensburgs Stadtamhof im Umbruch

Von Heike Haala · 16. Februar 2024 um 19:00

Wer wagt wo einen Neustart? Diese Frage treibt gerade viele Menschen in Stadtamhof in Regensburg um. Denn mehrere Geschäftstreibende machen sich daran, einen Betrieb zu eröffnen. Und so liefert jede Regung in einem der Leerstände Anlass für einen hochinteressanten Ratsch.

Immerhin ist die Ladenzeile am Fuße der Steinernen ein Ort, an dem die Regensburger ihre Freizeit gern verbringen. Durch die über 40 Ladengeschäfte in den Erdgeschoßflächen auf einer Strecke von 250 Metern grenzt hier zudem eine Schaufensterscheibe an die nächste, wodurch die knapp zehn Leerstände auffallen.

Seppy‘s Kaffee-Bar in Stadtamhof: Cocktails statt Asiafood

Am 1. April soll zum Beispiel ein neues Lokal in das Erdgeschoß des ehemaligen Colosseums einziehen, wo es zuletzt asiatisches Essen gab. Hier wollen Martha Michal und Alfred Reitenspies Seppy‘s Kaffee-Bar eröffnen. Seppy ist der Dackel, der Michal am Freitagmorgen in die Geschäftsräume begleitet. Während Reitenspies die Gäste mit Sternecocktails und Eigenkreationen verwöhnen soll, plant Michal, sich um den Service kümmern. Die Getränke werden in dem Betrieb, der auch über einen Freisitz verfügen soll, im Vordergrund stehen, kündigt Michal an. Sie plane aber per Aufsteller ein oder zwei wechselnde Gerichte am Tag anzubieten und auch Kuchen. „Ich bin gelernte Restaurantkauffrau und habe bereits ein Spital-Wirthaus geleitet“, sagt sie. Reitenspies sei als Bar-Chef tätig gewesen. Schon als Michal im März vor einem Jahr an dem leer stehenden Lokal vorbeigegangen ist, habe sie die Flächen als perfekt empfunden. Umso mehr freut es sie, sich nun tatsächlich in diesen Räumen verwirklichen zu können. Bis zur Eröffnung werde sie streichen, einen neuen Tresen einbauen und sich um die Genehmigungen kümmern müssen. Zudem schmiede sie Pläne für eine Kooperation mit der Stadtmaus.

Optiker in Stadtamhof wird Verlag

Auch in dem Ladengeschäft mit der Adresse Stadtamhof 4 soll es bald weiter gehen. Einige Zeit hatte Martin Kandlbinder einen Zettel in der Schaufensterscheibe kleben, mit dem er eine Nachfolge für das Optikergeschäft gesucht hat, das bis vor kurzem hier untergebracht war. Jetzt sagt er, dass zum 1. April ein Verlag einziehen soll, der Genussführer erstellt.

La Strada in Stadtamhof geschlossen — Cafébar wird Nachfolger

Zudem war in dieser Woche bekannt geworden, dass inzwischen auch Sascha Almahmoud mit seinem neuen Gastronomiebetrieb durchstarten will. Anfang März plant er, eine Cafébar in den Räumen eröffnen, in denen bis Ende Dezember das La Strada seinen Sitz hatte. Den Namen werde er noch bekannt geben. Jetzt sei erst einmal Streichen angesagt.

Ehemaliges Café Coming Home in Stadtamhof soll Gedenkstätte werden

Länger als bis zum Frühjahr könnte sich der Leerstand hinziehen, in dem einmal das Café Coming Home untergebracht war. Die Stadt mietete die Flächen Ende 2020 an, um dort eine Mittagsbetreuung für die Gerhardinger Grundschule einzurichten – passiert ist das aber nie. Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt, gibt die Auskunft, dass die Stadt die Räume weiterhin mieten und einer öffentlichen Nutzung zuführen wird. Aktuell prüfe die Stabsstelle laut der Pressesprecherin die Voraussetzungen für die Umsetzung eines Orts für Gedenk- und Erinnerungskultur. „Im Laufe des Jahres sollen dazu weitere Entscheidungen getroffen werden“, kündigt von Roenne-Styra an. Weiterhin keine Lösung zeichnet sich laut Hauseigentümer für das leerstehende Geschäft im Erdgeschoß mit der Adresse Stadtamhof 18 ab.

Stadtamhofer Kiosk bleibt, wo er ist

Wenn Veränderungen anstehen, schießen leicht auch Gerüchte ins Kraut. Das hat Renate Kraus zu spüren bekommen, die den Kiosk am Brückenfuß betreibt, in dem alles beim Alten bleibt, wie sie betont. Trotzdem sah sie sich mit Nachfragen konfrontiert, ob sie mit ihrem Geschäft umzieht, was sie aber dementiert. „Das stimmt nicht“, sagt Kraus. Sie werde mit ihrem Geschäft genau dort bleiben, wo es auch jetzt zu finden ist.

Lokal Perivoli in Stadtamhof wird versteigert

Viel Aufmerksamkeit gab es Ende des vergangenen Jahres auch für die Nachricht vom Aus für das griechische Lokal Perivoli in Stadtamhof. Jetzt wird das Ensemble, in dem es einmal untergebracht war, online gegen Höchstgebot zum Verkauf angeboten. Jakob Schötz, stellvertretender Pressesprecher des Bistums, bestätigt, dass dieses Verkaufsangebot aktuell ist. Der Gebäudekomplex in Stadtamhof ist seiner Auskunft zufolge Eigentum der Bischöflichen Knabenseminarstiftung der Diözese Regensburg. Der Grund für den Verkauf ist laut Schötz: „Der Eigentümer möchte nicht mehr in die Immobilie investieren.“

Über die Steinerne nach Stadtamhof: Diesen Abstecher machen viele Menschen gern.
In den Räumen des ehemaligen La Strada soll im März eine Cafébar eröffnen.