Kein griechischer Wein mehr in Stadtamhof: Wirtsfamilie sauer über Schließung

Die Brauerei Bischofshof hat den Pachtvertrag der Wirtsfamilie Koulouris nicht verlängert. Damit schließt das Restaurant Perivoli . Die Familie ist entsetzt: „Wir sind jetzt arbeitslos.“
Das Lokal-Karussell in Stadtamhof dreht sich unvermindert weiter. Jetzt hat es die Wirtsfamilie Koulouris getroffen, die viele Regensburger wegen ihrer griechischen Spezialitäten und vor allem ihrer Gastlichkeit schätzen. Doch am 31. Dezember ist der letzte Tag im Restaurant Perivoli – die Brauerei hat den Pachtvertrag nicht verlängert. Bei der Brauerei gibt man sich gelassen, ein Sprecher erläutert die Sache, als habe es kein Problem mit den Wirten gegeben. Spiriton Koulouris erzählt das im Gespräch mit der MZ etwas anders: „Wir sind ab 1. Januar arbeitslos“, so der Gastronom. „Wir fühlen uns über den Tisch gezogen.“
Thomas Neiswirth ist Sprecher der Brauerei. Er erläutert die Causa so: „Das Lokal darf aus baurechtlichen Gründen nur bis 31. Dezember 2023 als Gastronomie betrieben werden. Dies ist allen Beteiligten bekannt.“ Gemeinsam mit Familie Koulouris sei die Brauerei bereits seit längerer Zeit „auf der Suche nach einem neuen, passenden Gastronomieobjekt für das beliebte griechische Restaurant Perivoli“, teilte Neiswirth mit.
„Zu kurze Kündigungsfrist“
Spiriton Koulouris schildert das anders: „Wir sind sehr unglücklich über die Lage.“ Die ganze Familie arbeite im Perivoli mit. „Wir wussten schon, dass saniert werden muss, deshalb hat man uns den Pachtvertrag immer wieder nur um ein Jahr verlängert.“ Doch dass die Kündigungsklausel so kurz sei, das haben die Wirtsleute übersehen. „Wir dürfen das Restaurant ab 31. Dezember nicht mehr betreten“, sagt Koulouris. Die Wohnung im Gebäude dürfe man aber weiterhin nutzen.
Angeboten habe die Brauerei lediglich ein Objekt in Pentling. „Das muss aber auch saniert werden“, sagt der Gastronom. Seit 2006 sei man nun in Stadtamhof, nachdem man aus der Wörthstraße umgezogen sei. „Uns kennt man dort, wir haben viele Stammkunden.“ Dass im Colosseum gegenüber nach dem Weggang des Asiaten Flächen frei sind, nützt der Familie nichts. „Da gibt es Probleme mit dem Dunstabzug, die Mieter würden sich durch die Küche gestört fühlen.“ Mit der Verpachtung des Brandlbräus und des Fischerhauses gebe es zudem zwei griechische Restaurants, da sei man zu spät dran gewesen. „Gegen die Kirche und gegen die Brauerei haben wir als kleine Wirte doch überhaupt keine Chance“, meint Koulouris.
Sogar im Kim Linh habe er angerufen, um dort zu fragen, ob man das Restaurant übernehmen könne. „Die Wirtin sagte mir aber, dass bereits ein Nachpächter gefunden ist.“ Wie kürzlich berichtet, wird das Kim Linh ebenfalls Ende des Jahres schließen – dort handelt es sich aber um persönliche Gründe der Gastronomen. Dem Vernehmen nach soll wieder ein Asiate folgen. Derzeit wird in der Branche immer wieder über die Brauerei und die Veräußerung von Immobilien spekuliert. Auch das Haus mit der Adresse Stadtamhof 24, in dem früher das Schildbräu seinen Sitz hatte und heute das griechische Restaurant Perivoli untergebracht ist, könnte veräußert worden sein, mutmaßt man. Das dementiert Brauereisprecher Neiswirth aber umgehend. Weder sei diese Immobilie veräußert. „Die Brauerei Bischofshof hat auch keine Immobilien in letzter Zeit verkauft“, so Neiswirth weiter.
Die Gerüchte kommen davon, dass die wirtschaftliche Situation in der Branche einerseits angespannter ist. Andererseits musste der Regensburger Bischof während der Corona-Pandemie stützen. Einzige Kommanditistin der Brauerei ist die Knabenseminarstiftung. Diese erhöhte während der Pandemie die liquiden Mittel, „um zu gewährleisten, dass die Brauerei Bischofshof auch in Zukunft ihren Beitrag zum Stiftungszweck der Knabenseminarstiftung leisten kann und die Mittelzuflüsse aus dem Brauereibetrieb langfristig erhalten bleiben“, hieß es damals von Seiten des Bistums. Und weiter: „Darüber hinaus wird dadurch ein wichtiger Arbeitgeber und gesellschaftspolitischer Akteur in der Region Regensburg erhalten.“
Dennoch gab es in den letzten Monaten in der Branche immer wieder Verkaufsgerüchte. Auch das dementiert man von Seiten des Bistums allerdings vehement: „Gegen jedwede Spekulation steht der Bischofshof nicht zum Verkauf, dies ist auch nicht geplant“, teilte der Sprecher des Bischofs, Stefan Groß, auf Anfrage schon Ende Oktober mit.
Lage hat sich stabilisiert
Dem Vernehmen nach hat sich die Lage in der Brauerei auch stabilisiert. Genauere Auskunft möchte man aber nicht geben: „Über die wirtschaftliche Situation der Brauerei Bischofshof können wir Ihnen im laufenden Geschäftsjahr und in der Mitte des Weihnachtsgeschäftes keine Auskunft geben“, teilte Neiswirth dazu mit. Man habe sich entschieden, auf „Wasserstandsmeldungen“ zu verzichten. „Wir können Ihnen mitteilen, dass unser Geschäftsjahr bisher planmäßig positiv verläuft.“ Bischofshof ist mit dem Gründungsjahr 1649 eine altehrwürdige Regensburger Brauerei. Mit Weltenburger, das zu Bischofshof gehört, betreibt man zudem die älteste Klosterbrauerei der Welt.