Ein Biss(ch)en Balkan in Regensburg: Zwei neue internationale Läden eröffnen

1000 Kilometer ist der Balkan von Regensburg entfernt. Aber hier scheint er zum Greifen nah: Zahlreiche südosteuropäische Märkte mit gibt es in Osten der Stadt, in Vierteln mit vielen Einwanderern. Jetzt kommen zwei neue Geschäfte dazu – beide inspiriert vom Design deutscher Supermärkte, wie die Inhaber erzählen.
Mit strahlenden Augen hält Lavinius Balint die golden glänzende Süßigkeit „Bomboane de pom“ in der Hand. So weit seine alte Heimat Rumänien weg ist, so nah ist in dem Moment die Erinnerung an die Weihnachtszeit im Ost-Balkan. „Wir hatten ja nicht viel“, erzählt der 37-Jährige. Statt teurer Glaskugeln hing er damals die glänzenden, mit Engeln bedruckten Verpackungen der Schoko-überzogenen Bomboane an den Christbaum.
Coca Cola aus Rumänien schmeckt anders
„Bomboane de pom“ ist eine von vielen rumänischen Spezialitäten, die es in deutschen Läden nicht gibt und die der gelernte Metzgermeister Lavinius Balint daher nun in Regensburg verkaufen will. Darunter sind auch Cevapcici oder rumänische Coca Cola, die, so Balint, „ganz anders“ schmecke als deutsche Cola: viel zitroniger. „Ich schmecke den Unterschied, meine Landsleute auch“, sagt er. Heute eröffnet er mit seiner Frau Andrea den Supermarkt Balint in der Schwabenstraße 6 im Kasernenviertel.
Damit wird vor allem der Osten Regensburgs wieder einmal vielfältiger. Laut dem Integrationsbericht der Stadt Regensburg aus dem Jahr 2019 liegt der Ausländeranteil im Kasernenviertel, dem Ostenviertel und Reinhausen von allen Vierteln am höchsten. Im Kasernenviertel hat jeder Zweite einen Migrationshintergrund. Die größte Bevölkerungsgruppe ausländischer Regensburger waren laut Bericht 2019 Rumänen, gefolgt von Bulgaren, Türken und Kosovaren – also Menschen aus vier Staaten, die alle zumindest teilweise auf der Balkanhalbinsel liegen.
Kunden gibt es also genug, bestätigt auch Genka Stefanova. Sie betreibt seit sieben Jahren einen Laden für bulgarische Lebensmittel in der Landshuter Straße. „Es gibt sehr viele bulgarische Kunden in Regensburg“, sagt sie. Diese würden es schätzen, in der neuen Heimat auch Ljutenica, Sujuk, bulgarischen Käse oder Köfte kaufen zu können. Ähnlich ist es bei der „Balkan Bäckerei“ im Gewerbepark, die unter anderem die in Albanien beliebten Teiggerichte Trilece oder Börek in den modernen Verkaufsräumen anbietet. Generell ist das Stereotyp des engen, konvoluten osteuropäischen Ladens oft überholt. So orientierte sich auch Lavinius Balint, der selbst lange bei einem Edeka arbeitete, beim Design bewusst an deutschen Supermärkten.
„Miteinander verbindet Deutsche und Ausländer“
Ähnlich ist es bei Yavuz Cekic. Der Sohn türkischer Einwanderer eröffnet Mitte Dezember den 1200 Quadratmeter großen „Inter-Markt“ in der Alfons-Auer-Straße 14 im Kasernenviertel. Dort gibt es neben türkischen Lebensmitteln und einer heißen Mittagstheke unter anderem auch Regale mit bosnischen und albanischen Waren.
„Die Nachfrage wird immer größer“, sagt Cekic, „weil wir in Deutschland einen immer höheren Ausländeranteil haben, aber sich auch Deutsche für diese Produkte interessieren.“ Das bekomme er aus seinem eigenen bunt gemischten Freundeskreis mit. Besonders beim Essen könne man zueinander finden. „Dieses Miteinander seit so vielen Jahren verbindet Deutsche mit den Ausländern“, sagt Yavuz Cekic.
Für ihn sei der Laden daher auch ein persönlicher Traum. „Mein Vater ist 1969 nach Deutschland gekommen“, erzählt er – habe das Land lieben gelernt und sei hier geblieben bis er im November verstarb. „Er hat sich immer gewünscht, dass wir sowas machen“, erzählt Cekic. Nun werde er diesen Traum umsetzen.

