Glücklich nur mit zwei Pässen: Regensburger freuen sich über Berliner Gesetzentwurf

Andreas Berger steht wie jeden Tag in seinem Geschäft für polnische Spezialitäten. Im „Lukullus“ bietet er Würste, mariniertes Fleisch, Maultaschen und Gemüse aus dem Nachbarland an. Das Geschäft in der Greflinger Straße ist eine Art internationaler Treffpunkt, denn dort holen sich nicht nur Polen und Deutsche ihre Lebensmittel, sondern auch viele andere Nationen.
Der 51-Jährige lebt seit mehr als drei Jahrzehnten in Regensburg. Er kam einst als Übersiedler, weil seine Urgroßeltern Deutsche waren. Andreas Berger erlangte sofort die deutsche Staatsbürgerschaft und durfte auch die polnische behalten.
Beim Großteil der Einbürgerungen ist das bisher nicht möglich gewesen. In der vorigen Woche hat das Berliner Kabinett nun einen Gesetzentwurf beschlossen, der vorsieht, Einbürgerungen zu vereinfachen, zu beschleunigen und die doppelte Staatsbürgerschaft zu erlauben. Ausländer können demnach bereits nach fünf Jahren – statt acht – den deutschen Pass beantragen. Wer sich besonders gut integriert hat, kann nach drei Jahren eingebürgert werden.
„Das kommt allen zugute“
Der Vorstoß soll Deutschland attraktiver für Fachkräfte machen. Zugleich sollen sie sich schneller hier zuhause zu fühlen.
Im Vorjahr sind in Regensburg 685 Ausländer aus 88 Herkunftsländern eingebürgert worden. Zahlenmäßig die stärksten Nationen waren Syrien, Rumänien, Kosovo und Polen. Andreas Berger sagt, viele seiner polnischen Freunde und Bekannten hätten sich einbürgern lassen. „Für die ältere Generation ist das ein Thema.“ Für Polen, die in den letzten zehn Jahren nach Regensburg gezogen sind, sei es hingegen nicht mehr wichtig. Seit 2004 gehört Polen der Europäischen Union an. EU-Einwohner können in jedes beliebige Mitgliedsland ziehen und dort arbeiten. Berger sagt, manche hätten verzichtet auf die Einbürgerung, weil sie die polnische Staatsbürgerschaft behalten wollten. Dass Eingebürgerte künftig beide Pässe führen dürfen, begrüßt der Geschäftsmann.
Matthias Kneip ist in Regensburg geboren und forscht am Deutschen Polen-Institut in Darmstadt. Er hält es für richtig, dass Menschen, die mindestens fünf Jahre bei uns leben und arbeiten, auch politisch ein Mitspracherecht bekommen – „und sich über den Pass als quasi auch dokumentierten Teil unserer Gesellschaft fühlen dürfen“. Der 54-Jährige ist überzeugt: „Vielen Polen und deren Familien, auch in Regensburg, wird diese Reform auch nach außen hin eine noch schnellere, stärkere und selbstbewusstere Integration bei uns ermöglichen, was letztendlich allen zu Gute kommt.“
Zu den größeren Einbürgerungsgruppen des vorigen Jahres zählen auch die Rumänen. Pfarrer Alexandru Campeanu von der Rumänisch-Orthodoxen Kirchengemeinde beobachtet, dass sich seine Gläubigen sehr über das Gesetzesvorhaben der Ampel freuen. „Die jungen Familien, die nach Regensburg gekommen sind, wollen noch europäischer werden durch dieses Verfahren.“ Künftig würden Antragstellern nicht mehr so viele Steine in den Weg gelegt. Die deutsche Staatsangehörigkeit schenke ihnen mehr Sicherheit und Wertschätzung auf dem Arbeitsmarkt. Viele hätten daheim ein Haus oder Grundstück in Aussicht. Dass sie auch den rumänischen Pass behalten dürften, erleichtere das Erben.
Mehrheit aus Europa
In Regensburg mit seinen fast 170 000 Einwohnern leben mehr als 34 000 Ausländer (Stand Ende 2022). Die Mehrheit, rund 22 000, kommt aus europäischen Ländern. Die fünf größten Gruppen sind Ukrainer (rund 3080), Rumänen (2560), Syrer (2450), Bulgaren (2240) und Türken (1460).
Maia Simmet, eine gebürtige Georgierin mit deutschem Pass, findet beim Gesetzentwurf die doppelte Staatsangehörigkeit großartig. Schließlich besäßen Eingebürgerte zwei Identitäten. Ihr selbst ist es äußerst schwergefallen, den Heimatpass abzugeben. „Ich bin nicht mehr Bürgerin des Landes. Es geht mehr um das Gefühl.“
Dass es eine Rolle spielt, ob sich Einbürgerungswillige engagieren und integriert haben, begrüßt die Berufsschullehrerin. „Es geht nicht darum, aus welchem Land jemand kommt, sondern wie er hier lebt.“

