Neue Szene-Kneipe für Regensburg: Ein Stück Sankt Pauli in der Glockengasse
Die Kneipen-Szene soll bald um eine Perle reicher werden. Wo einst das legendäre Jeans seine Pforten vorwiegend für schwule Männer öffnete, soll eine neue Szene-Kneipe entstehen.
Hinter der Astra-Bar stehen zwei Regensburger Gastronomen. Den einen kennt man: Sascha Almahmoud. Derzeit betreibt Almahmoud das Cafe Spital in Stadtamhof, steigt aber, wie die MZ berichtete, demnächst auch in der ehemaligen Suite 15 am Petersweg wieder in die Nachtclub-Szene ein. Der andere heißt Duc Huynh und ist der Bruder vom Il-Baretto-Wirt Phuc Huynh, der sein Lokal vis-à-vis des Dörnbergs betreibt. Gemeinsam haben sie einen Coup gelandet: Sie haben vier Monate lang mit der Astra-Brauerei verhandelt, die sich als Sponsor des Hamburger Fußballclubs St. Pauli Legenden-Status erworben hat.
1647 braute ein Niederländer etwas, das er „Bavarian Bier“ nannte – und das nach Angaben der Brauerei „mit Bayern so viel zu tun hat wie der Kiez mit der Kirche. Aber so hat man damals untergäriges oder auch Pilsener Bier genannt.“ 1909 wird die 1897 gegründete Bavaria-Brauerei AG in Astra umbenannt. Und jetzt also Hamburger Astra-Bier, das einmal Bavarian Bier hieß, im Herzen Regensburgs – wie kommt es?
Kiez-Bar wie auf Reeperbahn
„Das wird eine Kiez-Bar im Reeperbahn-Style“, sagt Phuc Huynh, der das Projekt begleitet. „Wir fanden es alle schade, dass es kein Jeans mehr gab und wollten einen würdigen Nachfolger.“ Huynh spricht damit die Bar mit Kult-Charakter an, die schon in den 90er Jahren für die Schwulen-Szene neben dem Allegro und das Sudhaus ein Treffpunkt war. Später wurde das Jeans zur Eule, zuletzt distanzierte sich der Betreiber eher von der Szene. In Zeitendes Internets haben es solche Bars ohnehin schwer.
Für Huynh ist klar, dass die Bar „für Gays und Heteros gleichermaßen“ als Anlaufpunkt dienen soll. Die Bar soll offiziell in Süddeutschland die Biermarke Astra repräsentieren. Betrieb soll von Donnerstag bis Samstag sein. Die Bar soll ab 20 Personen auch kostenlos gemietet werden können. Derzeit finden in der Glockengasse noch Sanierungsarbeiten statt. Das ist auch bitter nötig, denn der Charme des Jeans und zuletzt der Eule war eine etwas ranzige Einrichtung, die eine Atmosphäre wie eine in die Jahre gekommene Skihütte ausstrahlte. Doch ebenso legendär war auch die nur eingeschränkt nutzbare sanitäre Anlage des Lokals.
Klar ist aber auch: „Astra will den Laden so haben, wie er ist“, sagt Phuc Huynh. „Kein Schickimicki und ein Laden, der gelebt hat.“ Das kann man vom früheren Jeans und der Eule auch wirklich behaupten. Die derzeit dort vorgenommenen Umbau-Maßnahmen beschränken sich also darauf, die vorhandene Bar wieder in Schuss zu bringen.
„Kein Schickimicki“
„Der Vermieter hatte mehrere Bewerber, die den Laden entkernen und was Schickes machen wollten“, so Huynh. „Er fand aber unser Konzept besser und wird auch unser Stammgast.“ Und Sascha Almahmoud sagt: „Wir freuen uns, dass wir mit unserer neuen Astra Bar, die Stadt Regensburg wieder ein Stück bunter und weltoffener machen können.“ Gerade die Vielfalt und Toleranz zeichne Regensburg aus „und wir möchten einen kleinen Beitrag dazu leisten.“ Sein neuer Kompagnon Duc Huynh sagt: „In jeder Stadt gibt es in jedem Stadtteil eine kleine Kneipe für Jedermann und jeden Geldbeutel. Und diese Kneipe möchten wir in Regensburg für die Anwohner sein."
Die Glockengasse war eine Zeit lang eine echte kleine Gastro-Gasse geworden, nicht immer zur Freude der Anwohner. Doch dann schloss 2017 bereits das Lokal DNA, dann brannte es auch noch in dem Gebäude. Seit dem Brand von 2019, der nichts mit der Schließung der Bar zu tun hatte, stehen die Räumlichkeiten leer. Dort sah man in den vergangenen Monaten immer wieder Handwerker, die an der Einrichtung arbeiteten. Doch seit her sind die Fenster so blickdicht verhängt, dass man nicht mehr erahnen kann, ob auch hier – wie wenige Meter weiter – ein Neustart ansteht.