Solarenergie bringt die Stromnetze ans Limit: Langes Warten auf den PV-Anschluss

Von Lorenz Nix · 22. August 2024 um 05:00

Immer häufiger können neue Photovoltaik-Anlagen laut der Regensburger Solar-Installationsfirma Enerix nicht ans Netz angeschlossen werden. Das Bayernwerk und die Regensburg Netz GmbH äußern sich.

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Haushalte werden wohl künftig mehr Strom brauchen. Davon geht unter anderem das Umweltbundesamt aus. Kein Wunder, schließlich sind im „Smart Home“ sämtliche Geräte miteinander vernetzt und teilweise automatisiert. Außerdem nimmt die Bedeutung der E-Mobilität zu und das Heizen soll verstärkt elektrisch erfolgen – Stichwort Wärmepumpe. Immer mehr Menschen setzen deshalb auf selbst erzeugten Sonnenstrom. Oft produziert die eigene Photovoltaik-Anlage aber mehr Energie, als im Haus benötigt wird. Überschüssiger Strom soll deshalb ins Netz eingespeist werden. Doch das sorgt immer öfter für Probleme.

Der Grund ist ein einfacher: „Das Netz ist noch nicht so weit“, sagt Jürgen Berg im Gespräch mit der Mediengruppe Bayern. Er ist Leiter des Regensburger Standorts der deutschlandweit tätigen Solar-Installationskette Enerix. Der Netzausbau habe mit der Geschwindigkeit des Ausbaus der erneuerbaren Energien nicht Schritt halten können.

Kunden von Enerix reagieren meist verständnisvoll

Berg zufolge kommt es immer häufiger vor, dass Kunden lange darauf warten müssen, dass ihre neue PV-Anlage ans Netz gehen kann. Bei manchen Straßenzügen komme die Kapazität offenbar an ihre Grenzen, sagt der Solarexperte. Wenn dann dort eine neue Anlage Strom einspeisen soll, muss das Netz erst entsprechend angepasst werden. Das könne mitunter Monate dauern, erklärt Berg.

Bei den Kunden sorge das teilweise für Ärger, den Berg ein Stück weit nachvollziehen kann. Man sei natürlich „nicht glücklich, wenn man sich eine kostenintensive Anlage aufs Hausdach holt und dann sind die Kabel zu dünn oder der Trafo zu klein“, sagt der Enerix-Geschäftsleiter. Die allermeisten Kunden wüssten aber Bescheid und reagierten verständnisvoll.

Bayernwerk: „Wir tun unser Möglichstes“

Zuständig für den dann notwendigen Ausbau sind die Netzbetreiber. In Regensburg ist das zum Beispiel die Regensburg Netz GmbH des Energieversorgers Rewag. Dessen Pressesprecher Nikolaus Sackersdorff sagt, die Reaktionen der PV-Besitzer „fallen ganz unterschiedlich aus“. „Die meisten Anlagenbetreiber zeigen allerdings Verständnis für die notwendigen Maßnahmen und die dadurch bedingten Verzögerungen.“ Ähnlich äußert man sich auch beim Bayernwerk. Die Eon-Tochter mit Sitz in Regensburg ist der größte regionale Netzbetreiber im Freistaat. „Wenn wir die Chance haben, den Blick auf die Herausforderungen der Energiewende zu lenken und die Zusammenhänge zu erklären, finden wir viel Verständnis“, teilt Pressesprecher Maximilian Zängl auf Anfrage mit. Ebenso habe man aber Verständnis für Anlagenbetreiber, die ihr Projekt im Blick haben und schnellstmöglich ans Netz wollen. „Wir tun unser Möglichstes“, sagt Zängl.

Ihm zufolge hat das Bayernwerk aktuell eine halbe Million PV-Anlagen am Netz. Im letzten Jahr seien 88.000 Anlagen angeschlossen worden, heuer bislang 45.000. Der enorme Zubau sei eine „gigantische Herausforderung“, sagt Zängl. Wie genau bei der Inbetriebnahme neuer Solaranlagen vorgegangen wird, ist behördlich geregelt. „Jedes Anlagenvorhaben wird geprüft und berechnet“, erklärt der Bayernwerk-Sprecher. Keines werde abgelehnt. „Zunehmend ist aufgrund des enormen PV-Booms jedoch vor dem Anschluss der Anlagen gegebenenfalls ein lokaler Netzausbau erforderlich“, sagt Zängl. Er betont allerdings auch: „Keine Anlage, die den gesetzlichen Planungsprozess durchlaufen hat, steht auf Dauer ohne Anschluss da.“

Das deckt sich mit den Erfahrungen der Installationskette Enerix. Die Netzbetreiber würden immer versuchen, zeitnah Abhilfe zu schaffen und das Netz auszubauen, sagt Jürgen Berg. Wie lange das dann aber konkret dauert, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Pauschal lasse sich das nicht sagen, erklärt Rewag-Sprecher Sackersdorff. Ähnlich äußert sich auch das Bayernwerk: Viele verschiedene Faktoren spielten hier eine Rolle.

Verzögerungen beim Anschluss bei der Rewag noch die Ausnahme

Manchmal ist auch gar nicht der Netzausbau das Mittel der Wahl. Man suche immer die „technisch wie wirtschaftlich sinnvollste Lösung“, sagt Sackersdorff. „Unter anderem kommen auch immer mehr regelbare Ortsnetztransformatoren zum Einsatz.“ Die könnten teilweise eine sinnvolle Alternative zum Netzausbau darstellen, erklärt der Rewag-Sprecher.

Im Bereich des Regensburger Unternehmens ist es Sackersdorff zufolge ohnehin noch die Ausnahme, dass PV-Besitzer lange darauf warten müssen, ihren Strom ins Netz einspeisen zu können. Aktuell würden sich Kunden auch noch nicht von den mitunter drohenden Verzögerungen abschrecken lassen, sagt Enerix-Geschäftsleiter Berg. Generell gebe es keinen besseren Zeitpunkt als jetzt, um sich eine Solaranlage anzuschaffen: „So günstig war’s noch nie.“