Solarpaket: Fehlender Resilienzbonus sorgt für Enttäuschung

Das Solarpaket 1 soll am Freitag im Bundestag verabschiedet werden, Der Leiter des Regensburger Standortes der in der Stadt ansässigen Photovoltaik-Installationskette Enerix kritisiert das Maßnahmenbündel.
Am Freitag, ab neun Uhr, ist es soweit: Der Bundestag will das Solarpaket 1 beschließen – mehr als sechs Monate nachdem dort das erste Mal über den Entwurf debattiert wurde. Damit endet ein zähes Ringen der Ampel-Parteien. So mancher Vertreter der Photovoltaikbranche hatte nicht mehr damit gerechnet, dass sich die Koalitionäre auf das Maßnahmenbündel einigen können. Für die monatelange Verzögerung sorgte unter anderem der Streit um einen sogenannten Resilienzbonus – der nun keinen Eingang in das Solarpaket gefunden hat.
Solar-Bundesverband: „Letzte Chance“ verspielt
So habe man „vielleicht die letzte Chance für eine Renaissance der Solarindustrie in Deutschland“ verspielt, zeigte sich Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft, bei einer Anhörung des Ausschusses für Klimaschutz und Energie im Bundestag Anfang der Woche enttäuscht. Mit einem Resilienzbonus ist eine höhere Einspeisevergütung für Photovoltaikanlagen gemeint, in denen deutsche Module verbaut sind. So sollte deren Nachfrage gesteigert und den heimischen Firmen im Wettbewerb mit Fernost etwas unter die Arme gegriffen werden. Dass diese Maßnahme nun keinen Eingang in das Solarpaket gefunden hat – die FDP stemmte sich mit aller Kraft dagegen − sorgt bei so manchem in der Branche für Unverständnis.
So auch bei Jürgen Berg. Dass der Resilienzbonus fehlt, sei „sehr enttäuschend“, sagt der Solarexperte, der den Regensburger Standort der in der Stadt ansässigen und bundesweit tätigen Photovoltaik-Installationskette Enerix leitet. Berg verweist auf das Nachbarland Österreich sowie Italien. Beide Staaten planen beziehungsweise haben bereits Resilienzboni. Ihm fehle das Verständnis, warum das dort funktioniert, in Deutschland aber nicht. Der Solarexperte befürchtet allerdings, dass die Entscheidung der Ampel-Koalition inun endgültig ist. „Die Hoffnung stirbt aber ja bekanntlich zuletzt.“
Mieterstrom als positiver Punkt im Solarpaket 1
Auch sonst ist Berg nicht gerade zufrieden mit dem Solarpaket. Das 1,5-Grad-Ziel rette man so jedenfalls nicht, ist er überzeugt. Einen Punkt hebt er im Gespräch allerdings immer wieder positiv hervor: die geplanten Erleichterungen beim Mieterstrom. Die Weitergabe von Solarstrom innerhalb eines Gebäudes an mehrere private oder gewerbliche Verbraucher dürfte attraktiver werden, glaubt auch der Bundesverband Solarwirtschaft. Von dem heißt es in einer Mitteilung: „Im Rahmen einer ,Gemeinschaftliche Gebäudeversorgung‘ werden Photovoltaikanlagenbetreiber nicht mehr zum Energieversorger, sondern können den Solarstrom künftig barrierearm an Mieter und Mitbewohner veräußern, soweit er gerade verfügbar ist.“ Das sei wahrscheinlich das sinnvollste, was im Solarpaket 1 enthalten ist, sagt Jürgen Berg.
Er glaubt, dass sich trotz der Einigung auf dem Markt allerdings nur wenig ändern wird – dazu fehlen „große, bahnbrechende Veränderungen“. Aktuell habe die Nachfrage im Vergleich zum vergangenen Jahr – trotz historisch niedriger Preise aufgrund der chinesischen Module – nachgelassen. Daran werde auch das Solarpaket nichts ändern, ist Berg überzeugt. Optimistischer äußerst sich Verbandschef Körnig: „Das Solarpaket enthält viel Licht, leider aber auch Schatten.“ Allerdings sei man zuversichtlich, „dass das Gesetz als Energiewende-Beschleuniger wirken wird und auf Dächern und Freiflächen in den nächsten Jahren noch mehr Solarmodule installiert werden können“.
