Anhaltender Solar-Boom: Regensburger Unternehmer widerspricht Branchenverband

Es klingt nach einer Menge Euphorie: Einen „anhaltenden Solarboom“ erwartet der Bundesverband Solarwirtschaft für 2024. Bereits im vergangenen Jahr seien in Deutschland mehr neue Solaranlagen installiert worden als jemals zuvor, freuten sich die Interessenvertreter Anfang Januar in einer Pressemitteilung. Und auch heuer erwartet der Verband erfolgreiche Geschäfte. Peter Knuth, Chef der Regensburger Solaranlagen-Installationskette Enerix, ist allerdings eher skeptisch.
Natürlich habe sich der Verband „nichts aus den Fingern gesogen“, sagt Knuth im Gespräch mit der Mediengruppe Bayern. 2023 wurde ihm zufolge in Deutschland fast doppelt so viel Solarleistung installiert wie im Vorjahr. Auch bei Enerix habe man deutlich mehr Anlagen montiert als noch 2022, sagt der Geschäftsführer des Franchisesystems. Perfekte Voraussetzungen also, um die Erfolgswelle auch 2024 weiterzureiten?
Enerix-Chef Peter Knuth: „Angst ist der beste Treiber“
Knuth ist anderer Meinung. Denn ein Großteil der im vergangenen Jahr installierten Solaranlagen wurde bereits 2022 in Auftrag gegeben. Damals stieg die Nachfrage wegen den gestiegenen Stromkosten infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine. Die Sorge vor dem Blackout ging um. „Und Angst ist der beste Treiber“, sagt der Enerix-Chef.
Lieferprobleme gepaart mit der großen Nachfrage hatten allerdings zur Folge, dass Kunden lange auf ihre Anlagen warten mussten – „teilweise bis zu 12 Monate“, erklärt Jürgen Berg, Leiter des Enerix-Standorts Regensburg. Das hatte die Folge, dass zahlreiche Solarmodule erst im vergangenen Jahr installiert werden konnten. Das habe zu den guten Zahlen geführt, sagt Peter Knuth.
Google-Suchen zeigen Nachfrage nach Solaranlagen
Im Laufe von 2023 ist die Nachfrage bei Enerix dann zurückgegangen – aber nicht nur bei dem Regensburger Unternehmen, sondern insgesamt. Erkennbar wird das Knuth zufolge an den Google-Suchen. Und tatsächlich: Im März 2022 – wenige Tage nach dem russischen Überfall auf die Ukraine − suchten die Deutschen doppelt so oft nach dem Stichwort „Solaranlage“ als zum gleichen Zeitpunkt ein Jahr später.
Aktuell gebe es „keinen Impuls“ für Hausbesitzer, sich für den Kauf von Solarmodulen zu entscheiden, sagt Knuth. Deswegen sieht er die Prognose des Bundesverbands Solarwirtschaft zu optimistisch: „Die sollten sich vielleicht mal eine neue Glaskugel zulegen.“
Wird das von der Politik ausgegebene Ausbauziel erreicht?
Knuth glaubt nicht, an das von der Politik ausgegebene Ausbauziel von 13 Gigawatt. „Das werden wir dieses Jahr nicht erreichen“, ist sich der Enerix-Chef sicher – zum Vergleich: Im vergangenen Rekord-Jahr wurden laut Bundesnetzagentur 14 Gigawatt Solarleistung zugebaut. Für 2024 ist Knuth aber pessimistisch: „Wir werden wieder unter die Zehn-Gigawatt-Marke zurückfallen.“
Muss man sich also insgesamt Sorgen um die Solar-Branche hierzulande machen? Die deutschen Hersteller würden auch heuer weiter an Bedeutung verlieren, ist Knuth überzeugt. Hintergrund ist, dass der hiesige Markt im vergangenen Jahr von chinesischen Solarmodulen, Stromspeichern und Co. überschwemmt wurde, weil deren Hersteller in Europa das große Geschäft witterten. Solarfirmen hierzulande hatten zu kämpfen.
Enerix-Chef und Branchenverband für Resilienz-Bonus
Um gegenzusteuern schlägt Knuth einen sogenannten Resilienz-Bonus für Firmen, die ihre Solarprodukte auch weiterhin in Deutschland produzieren, vor. Das forderte diese Woche auch der Bundesverband Solarwirtschaft. „Andernfalls ist der Zug für eine erfolgreiche Wiederansiedlung der Solarindustrie in Deutschland endgültig abgefahren“, sagte Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig vor dem Hintergrund, dass der Schweizer Solarhersteller Meyer Burger am Mittwoch davor gewarnt hatte, sein Werk im sächsischen Freiberg (Lkr. Mittelsachsen) schließen zu müssen.
Würde man die Energiewende nur mit Nicht-EU-Produkten umsetzen, käme man „von einer Abhängigkeit in die nächste“, sagt Knuth. Damit es nicht soweit kommt, wäre ihm zufolge auch denkbar, dass der Strom aus Anlagen aus deutscher oder europäischer Produktion bei Einspeisung ins Netz besser bezahlt wird. Außerdem brauche es wieder günstige Solarkredite, so Knuth.