Blick hinter Enerix Regensburg: Die Zwei von der Sonnentankstelle
Die Regensburger Enerix ist die größte Fachbetriebskette für Photovoltaik – und auch anderweitig besonders.
Die Sonne scheint nicht nur, sie strahlt geradezu für die Solarbranche. Die endlich ernsthaft angepackte Energiewende, der Klimaschutz, der Mangel an Strom und vor allem an Gas, die durch den Krieg in der Ukraine sich vervielfachenden Preise für fossile Energieträger – das alles treibt die Nachfrage bei Anbietern von Solar- und Photovoltaikanlagen in nie gesehene Höhen. Mittendrin in diesem Boom befindet sich die Regensburger Firma Enerix. „Die Nachfrage übersteigt unsere Kapazitäten bei Weitem“, sagt Peter Knuth. Er ist gemeinsam mit Stefan Jakob Geschäftsführer des Unternehmens, seit Anbeginn, seit nunmehr 20 Jahren.
Eigenheimbesitzer fragten heute fünf Mal mehr PV-Anlagen nach als im Vorjahr, sagt Knuth und fügt hinzu. „Sie wollen so schnell wie möglich 100 Prozent erneuerbare Energien haben, den hohen Energiepreisen aus dem Weg gehen, unabhängig von Energieversorgern und -importen werden und das Klima schützen.“ So eilig wie derzeit die Bundesregierung haben es also auch die Verbraucher; zumindest jene, die ihre Energieversorgung selbst in die Hand nehmen können, weil sie ein Haus besitzen.
Enerix ist eine besonderes Unternehmen, allein schon wegen seiner Aufstellung: Es war bis vor kurzem, so erklärt Jakob, das erste und einzige Franchise-System in der erneuerbaren Energienbranche in Deutschland. Erst jetzt sei ein neuer Anbieter in Berlin mit einem ähnlichen System gestartet.
Dabei sorgt sich die Regensburger Franchisezentrale, also Enerix, um Einkauf, Organisation, Marketing und vieles mehr. Die Installation und der Verkauf vor Ort ist Sache des Franchisenehmers. Das sind selbstständige Unternehmer, die unter dem Label von Enerix auftreten und aus Regensburg intensiv betreut werden. Das bekannteste Franchise-Beispiel, auch wenn es mit dieser Branche nichts zu tun hat, ist McDonalds.
Mehr als 100 Partner
Enerix konzentriert sich bei der Kundschaft auf Eigenheimbesitzer und kleineres Gewerbe. Sie erhalten Photovoltaikanlagen, Speicherlösungen und Ladestationen für das E-Auto für eine komplette Lösung.
Im vergangenen Jahr hat die Zahl der Franchise-Nehmer die Schwelle von 100 überschritten, heuer dürften es am Ende 130 sein, schätzen Knuth und Jakob. Bereits seit 2013 sind auch Partner aus Österreich an Bord, mittlerweile an sieben Standorten. Alle zusammen dürften 2022 etwa 10.000 Anlagen bauen. Wären Handwerker und Material besser verfügbar, könnten es mehr sein, meinen Jakob und Knuth.
Alles sieht nach einem anhaltenden gewaltigen Wachstum aus. Beide Enerix-Chefs sind Mitte 50 oder ein bisschen darüber, die Solarkonjunktur sollte dafür reichen, dass „wir unser Arbeitsleben auf hohem Niveau zu Ende führen können“. Hohes Niveau bedeutet viel – willkommene – Arbeit. Und doch bleiben die beiden vorsichtig. Denn sie haben gemeinsam einst einen heftigen geschäftlichen Absturz erlebt. Eigentlich sogar zwei.
Jakob und Knuth lernten sich als Mitarbeiter einer Firma kennen, die Mobilfunkmasten installierte. Das Geschäft brach kurz nach der Jahrtausendwende ein, und die beiden Techniker wechselten 2002 in die Photovoltaikbranche. 2006 beschlossen sie, sich mit Enerix gemeinsam zu machen.
Viel einschneidender war die zweite harte Landung: Enerix war gerade proper am Wachsen, zählte bereits 15 Franchisebetriebe und mehr als 50 Mitarbeiter im Regensburger Musterbetrieb und in der Franchisezentrale. Doch dann wurde der Solarboom 2011/2012 zu teuer. Überschießende Renditen dämmte die damalige Bundesregierung mit der Brechstange ein. Die Folge: Reihenweise Pleiten, bei Solarinstallateure ging genauso das Licht aus wie bei den Herstellern von Paneelen. Auch Enerix traf der Wandel mit voller Wucht. Knuth und Jakob mussten sämtliche Mitarbeiter kündigen. Schrecklich sei das gewesen, erzählen sie. Teilweise waren die Chefs mit den Angestellten befreundet, hatten gemeinsame Feste mit deren Familien gefeiert.
Von Enerix blieben nur noch Jakob und Knuth sowie ihre mitarbeitenden Ehefrauen übrig. Es gab kaum Einkünfte. Immerhin konnten sie die Insolvenz vermeiden.
Die Firma machte ihre bisherigen Standorte dicht, zog als erster Mieter in die Regensburger TechBase ein und hielt sich auf kleiner Flamme über Wasser. Erst 2016 stellte man wieder zwei Mitarbeiter ein. Mittlerweile ist Enerix an den Europakanal umgezogen und auf 20 eigene Mitarbeiter angewachsen. Knuth und Jakob bleiben aber vorsichtig, was Wachstum und Einstellungen betrifft. Die Erfahrung mit der Fast-Pleite lässt sie nicht mehr los, auch wenn die Aussichten gegenwärtig besonders rosig erscheinen. Doch sie werden kommen, die „Trittbrettfahrer“, die mit wenig Wissen, dafür umso mehr Gier in dieses Geschäft vorstoßen. Wettbewerb ist normal und gut, sagen die Enerix-Chefs. Dumm nur, dass in solchen Wellen auch Anbieter auftreten dürften, welche die Kunden schlecht beraten (können).
Person geht vor Qualifikation
Hinzu kommt: Enerix hat das Bundesgebiet mittlerweile relativ gut abgedeckt. Partner sind stark im Westen und Süden vertreten. Lücken gibt es nur noch in Teilen der östlichen Bundesländer und in Hessen. Das Potenzial für eine räumliche Ausdehnung ist also zumindest im Inland überschaubarer geworden.
Trotz aller Vorsicht: Den Spaß am Job und der Branche haben Knuth und Jakob nicht verloren beziehungsweise zumindest wiedergewonnen. Da ist die Überzeugung, mit Photovoltaik im Privatbereich das Richtige zu tun. Flächenanlagen, die große Bodenbereiche abdecken, sehen sie eher skeptisch: „Strom sollte nach Möglichkeit dort produziert werden, wo er gebraucht wird.“
Und da ist auch, so sehen sie sich selbst, die Lust auf Teamarbeit, auf Zusammenarbeit auf Augenhöhe. „Wir sehen uns als Teil der Gruppe. Es sollen sich hier alle wohlfühlen.“ Wenn sie jemanden für Enerix einstellen, dann sei für sie der menschliche Aspekt das Entscheidende. Der müsse stimmen. Qualifikation sei auch gut, aber die könne man notfalls aufbessern; Charakter und Wesen dagegen kaum.