Günstige Preise, schnelle Lieferzeiten: Gelegenheit für Photovoltaik-Anlage ist günstig

Von Bernhard Fleischmann · 13. November 2023 um 13:15

Vor einem Jahr mussten Kunden um eine PV betteln. Heute flutet China Europa mit billigen Solarmodulen, die Nachfrage hat nachgelassen. Darum sollte man jetzt handeln, raten Regensburger Experten.

Licht und Schatten wechseln sich in der Solarbranche sehr schnell und gründlich ab. Im vergangenen Jahr haben die Verbraucher die Anbieter wegen der hochgeschnellten Strompreise in ihrer Panik geradezu überrannt. Die Lieferfristen wuchsen nahezu endlos, die Preise kletterten schier uferlos. Und jetzt? Hat sich die Situation beruhigt. Die Installateure bauen die Photovoltaik binnen überschaubarer Fristen aufs Dach. Billiger ist der Strom vom Dach auch geworden – deutlich. Das liegt an mehreren Effekten. Einer davon hat seinen Ursprung in Fernost.

China flutet momentan Europa mit Solarmodulen. So sieht es jedenfalls das Branchenanalysehaus Rystad Energy. Nach dessen Rechnung muten die Dimensionen unfassbar an: Rystad geht davon aus, dass in diesem Jahr in Europa 58 Gigawatt PV neu gebaut werden. Gleichzeitig lagerten im Hafen Rotterdam chinesische Solarpaneele mit mehr als 100 Gigawatt Leistung. Deutlich mehr als der gesamte Jahresbedarf Europas ist demnach schon da. Detlef Neuhaus, Chef des Dresdner Unternehmens Solarwatt, hat gegenüber dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) gesagt, Europa werde seit einem halben Jahr überschwemmt mit Solarmodulen aus Asien. Die Module würden deshalb zum Teil um bis zu 50 Prozent unter Herstellungskosten verkauft.

„Module jeden Tag billiger“

Nach Angaben des Energieexperten Andreas Fischer vom Institut der deutschen Wirtschaft sind die Großhandelspreise für Solarmodule seit Ende 2022 um bis zu 40 Prozent gesunken. Wichtige Ursachen dafür sieht er im Ausbau der Produktionskapazitäten in China in den vergangenen Jahren sowie im technischen Fortschritt, der eine effektivere Produktion ermögliche.

„Günstiger als eine Tischplatte bei Ikea“

Das kann Peter Knuth bestätigen. Er ist Co-Geschäftsführer der Regensburger Enerix, ein Franchise-Unternehmen für Solaranlagen und sagt: „Die Module werden jeden Tag billiger.“ Da drängten sich kuriose Vergleiche auf: Ein übliches Modul mit 1,7 Quadratmetern sei schon mal unter 200 Euro, im Internet sogar für annähernd 100 Euro, zu haben – „günstiger als eine Tischplatte bei Ikea“.

„Die Module sind so billig wie noch nie“, sagt auch Stefan Dobler (Geschäftsführer von Dosol und Iliotec, beide Regensburg). Inzwischen koste die Dachkonstruktion mehr als die Module.

20 Prozent billiger

Enerix führt zwar keine chinesischen, sondern deutsche Hersteller. Endkunden, die auf ihr Häuschen PV-Anlagen pflanzen lassen, legten häufig Wert auf heimische Produkte. Aber auch diese Anbieter müssten mit ihren Preisen nachgeben. Das wirkt sich merklich auf den Endkundenpreis für die Anlage aus. Knuth nennt ein konkretes Beispiel. Eine Anlage mit sieben KW, wie sie für ein Haus üblich sei, sei momentan für etwas über 11.000 Euro zu haben, inclusive Module, Wechselrichter, Gerüst und Montage. Ein Speicher ist dabei nicht enthalten. Wer ein Jahr früher, inmitten des Booms, gekauft hat, zahlte nach den Worten des Branchenexperten etwa 14.000 Euro. Das macht einen Unterschied in Höhe von rund 20 Prozent. Der Preisverfall bei den Modulen ist viel höher – die anderen Faktoren, darunter die Lohnkosten, sind indes eher gestiegen.

Laut Statistischem Bundesamt stammten im vergangenen Jahr 89 Prozent der nach Deutschland exportierten PV-Module aus China. Die wenigen anderen Prozent verteilen sich auf Niederlande, Taiwan, Malaysia und Vietnam.

Der Unterschied zwischen chinesischen und deutschen Modulen bei einer 7-KW-Anlage beläuft sich laut Enerix auf rund 1400 Euro. Die Qualität der Fernost-Exemplare sei durchaus auch gut.

Wenige Wochen Lieferzeit

Der große Preisunterschied zum vergangenen Jahr ergebe sich auch deshalb, weil im Boom viele Firmen einfach ihre Gewinnspannen erhöht hätten, sagen Branchenkenner. Das dreht sich gegenwärtig. Manche Installateure suchten bereits händeringend nach Aufträgen. Viele haben noch ein gutes Auftragspolster. Es kommen aber kaum neue Orders herein. Wartezeiten von acht Monaten ab Bestellung wie im vergangenen Jahr gehörten definitiv der Vergangenheit an. Zwischen zwei und acht Wochen sollten Kunden jetzt einkalkulieren, sagen Knuth und Dobler.

Die Nachfrage seit heute ungefähr so groß wie 2021, erklärt Knuth. Zuletzt sei sie eingebrochen. Ein Grund dafür hört in der Branche auf den Namen KfW 442. Gemeint ist damit das Förderprogramm der Kreditanstalt für Wiederaufbau, dessen erste Tranche im Volumen von 300 Millionen Euro Ende September vergeben wurde. Gefördert wurden damit Hauseigentümer, die PV, Wallbox fürs E-Auto und Speicher in Kombination anschafften. Es gab rund 10.000 Euro Zuschuss, gut ein Drittel der gesamten Kosten.

Probleme mit Förderung

Das Programm war so verlockend, dass Kunden mit der Bestellung erst mal warteten. Viele gingen aber leer aus, denn nach wenigen Stunden waren die Zuschüsse vergeben. Jetzt warteten diejenigen, die nicht zum Zug gekommen sind, auf die nächste Tranche der Förderung in Höhe von 200 Millionen Euro, die im kommenden Jahr vergeben werden soll. Dazwischen entstehe eine Flaute. Die im Hause von Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) konzipierte KfW-Förderung wird deshalb in der Solarbranche kritisch gesehen. Die Gelder sorgten für eine Unwucht bei den Bestellungen – unnötigerweise, weil sich die Anlagen auch ohne Subvention für den Kunden lohnten. Kunden, die in aller Regel nicht gerade als bedürftig gelten sollten – Hausbesitz, Elektroauto...

Branche lehnt Strafzölle ab

Wegen der Schwemme von chinesischen Modulen werden in der EU Strafzölle diskutiert. Doch die Solarbranche bremst. Denn man will ja die Energiewende schaffen und viele PV-Anlagen zubauen. Die europäischen Hersteller könnten die benötigten Mengen bei weitem nicht liefern. Obendrein entlasten die unter schwerem Dumping-Verdacht stehenden Modulpreise den Umbau der Energieversorgung. Erst müsse eine leistungsfähige europäische Solarherstellung aufgebaut werden, ehe man über Strafzölle diskutieren könne, sagt denn auch Knuth.

Was bedeutet all das für die Kunden? Die Regensburger Solaranbieter raten dazu, jetzt zu ordern. Billiger dürfte es kaum noch werden, meinen sie. Knuth ist sich sicher: „Im nächsten Jahr steigen die Preise wieder.“ Solarexperte Tim Rosengart, Geschäftsführer des Vergleichsportals für Solaranlagen Selfmade Energy, sieht es genauso: „Für viele Hausbesitzer dürfte jetzt der optimale Zeitpunkt zur Anschaffung einer günstigen PV-Anlage gekommen sein.”

Peter Knuth ist Geschäftsführer der Regensburger Enerix. Fotos: Beate Knuth