Nach Übernahme: Neuer Name für die Regensburger Firma Ostwind

Von Lorenz Nix · 10. November 2023 um 05:00

Der Regensburger Windkraft-Projektierer Ostwind hat einen wahren Integrationsmarathon hinter sich. Vor etwa einem Jahr hat das dänische Energieunternehmen Ørsted die Oberpfälzer Firma übernommen.

In der Folge wurde der Mittelständler Stück für Stück in den großen Konzern eingegliedert – mit dem Höhepunkt erst vor etwas mehr als einem Monat: Seit Ende September ist der Name Ostwind Geschichte. Das Unternehmen heißt nun Orsted Onshore Deutschland GmbH. Was hat sich für das Regensburger Unternehmen dadurch geändert?

Ørsted ist der weltweit größte Betreiber von Offshore-Windparks, also im Meer errichteten Anlagen. Allerdings ist das Unternehmen in einigen Ländern auch im Onshore-Bereich aktiv, mit der Ostwind-Übernahme nun auch in Deutschland. Geschäftsführer der neuen Ørsted-Tochter ist der bisherige Ostwind-Chef Stefan Bachmaier. Er sieht die Übernahme als „Win-Win-Win-Situation“. Ihm zufolge profitieren davon sowohl Ørsted als auch die Regensburger Firma sowie deren Partner.

Keine Änderung für Partner des Regensburger Windkraft-Unternehmens

Für letztere habe sich schließlich nichts geändert, ergänzt der Sprecher des Oberpfälzer Unternehmens, Christoph Markl-Meider. Es seien auch ein Jahr nach dem Kauf die „gleichen Leute mit der gleichen Erfahrung“, die in den Büros in der ehemaligen Schnupftabakfabrik in der Gesandtenstraße im Weltkulturerbe sitzen würden – nur an der Tür stehe eben seit Kurzem Ørsted statt Ostwind.

Die Vorteile für den dänischen Energie-Riesen liegen Markl-Meider zufolge auf der Hand. Um in Deutschland im Onshore-Geschäft Fuß zu fassen, habe der Konzern eine Firma mit entsprechender Expertise sowie Verbindungen gesucht – und mit Ostwind gefunden. Entsprechend wird Jörg Kubitza, Country Manager und Geschäftsführer von Ørsted in Deutschland, in einer Pressemitteilung zur Ostwind-Namensänderung zitiert: „Ørsted ist jetzt auch in Deutschland onshore.“ Mit der Erweiterung des Portfolios – das Regensburger Unternehmen ist neben der Windkraft auch im Bereich der Solarenergie aktiv – decke man nun alle zentralen Elemente für die Energiewende in Deutschland voll ab. „Damit kommen wir unserem Ziel, weltweit einer der führenden Produzenten für grünen Strom zu werden, in einem der wichtigsten Märkte Europas, ein großes Stück näher.“

Dänischer Konzern Ørsted punktet mit Technologieerfahrenheit

Auch in Regensburg profitiert man von der Übernahme – und das laut Markl-Meider nicht nur finanziell. Die Technologieerfahrenheit des skandinavischen Konzerns komme den Regensburgern zugute. „Da haben wir jetzt mehr Möglichkeiten, beispielsweise bei den Themen Speicher und Wasserstoff.“ Bachmaier ergänzt einen weiteren Aspekt: Bislang sei man nur Projektierer gewesen. Weil Ørsted aber auch Energieanbieter ist, könne man nun ganzheitlichere Lösungen bieten.

Die sind dem Geschäftsführer zufolge auch bitter notwendig. Sollte der Windkraftausbau in Bayern weiterhin nur langsam vorangehen, sieht er vor allem eine Gefahr für die Industrie. Unternehmen bräuchten bezahlbare und CO2-freie Energie, ergänzt Markl-Meider. Das sei mit Windkraft grundsätzlich möglich, scheitere aber im Moment beispielsweise noch an zu hohen Pachtkosten für entsprechende Flächen.

Lob gibt es von den Regensburger Windkraft-Experten hingegen für die Bundesregierung. Obwohl es leider so wirke, als würden die Politiker in Berlin nur streiten, kritisiert Bachmaier. Ein Widerspruch zu dem, was sie im Bereich der Erneuerbaren Energien geleistet hätten: „Es wurden wichtige Gesetze veranlasst.“ Bachmaier nennt als Beispiel das sogenannte Wind-an-Land-Gesetz, das den Bundesländern verpflichtende Flächenziele für die Windkraft vorgibt. „Die Rahmenbedingungen sind gesetzt“, ist der Geschäftsführer überzeugt.

Unternehmenssprecher: Bundesländer sind jetzt am Zug

Die Bundesländer müssten nun ihre Bereitschaft signalisieren, daran mitwirken zu wollen, sagt Markl-Meider. Im Freistaat hake es hier noch. „Die Tore sind vonseiten der Bundesregierung weit geöffnet, aber in Bayern wird alles noch mal hinterfragt“, so der Unternehmenssprecher. Dabei ist die Windkraft ihm zufolge „eine Riesen-Chance“ für das Flächenland. Es gebe in Bayern genügend Flächen, um den Freistaat „gut mit Windstrom versorgen“ zu können.

Unter anderem wegen diesem Potenzial wird im Unternehmen auch nach der Ørsted-Übernahme am Standort Regensburg nicht gerüttelt: Trotz Engagements in anderen Bundesländern habe man Bayern nie aus dem Fokus gelassen, sagt Bachmaier. „Wir haben immer daran geglaubt, da geht was.“ Ein Wegzug aus Regensburg wäre ihm zufolge alles andere als zielführend: „Ørsted hat uns auch deswegen erworben, weil wir unsere Arbeit in Deutschland hier von Regensburg aus gut machen.“ Weitere Niederlassungen in anderen Städten könne er sich aber gut vorstellen. „Dafür müssen aber erst weitere Projekte auf den Tisch.“