Bayernwerk mit Wachstumsoffensive: Milliarden-Investition in Netzinfrastruktur

Das Bayernwerk startet eine großangelegte Wachstumsoffensive. Das kündigte der Regensburger Netzbetreiber am Dienstag bei seiner Jahrespressekonferenz an. Bis 2026 wolle man einen Milliardenbetrag in das bayerische Energienetz stecken, sagte Vorstandsvorsitzender Egon Leo Westphal. Kräftig gewachsen ist deshalb auch die Mitarbeiterzahl bei der Eon-Tochter.
Konkret geht es um 5,1 Milliarden Euro, die das Bayernwerk in die Netzinfrastruktur investieren will. Der bisherige Ausbau reiche schließlich bei weitem nicht aus, um die Energiewende zu stemmen, betonte Westphal. „Wir müssen beschleunigen.“ Dazu hatte der Vorstandsvorsitzende bei der Pressekonferenz in der Bayernwerk-Zentrale im Regensburger Westen auch konkrete Zahlen im Gepäck: In den nächsten vier Jahren will das Unternehmen im Freistaat zusätzliche 540 Kilometer Hochspannungs- und etwas mehr als 10000 Kilometer Mittelspannungsleitung installieren. Für die Verteilung des Stroms kommen dazu 173 neue Umspannwerke und 8500 sogenannte digitale Ortsnetzstationen.
Bayernwerk-Chef Westphal: „Neues Energiesystem“ sichtbar
Dabei handelt es sich Westphal zufolge erst um den Anfang. Auch in Zukunft wolle man der dynamischen Entwicklung Rechnung tragen. Schließlich sei die Energiewende nicht konstant sondern eher wellenartig, sagte der Bayernwerk-Chef mit Verweis beispielsweise auf den ersten Solar-Boom im Jahr 2012. Damals habe man nur mit Mühe den Ansturm an Photovoltaik-Anmeldungen bewältigen können. Auch der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine sei ein einschneidendes Ereignis gewesen. In der Folge wurden die Ausbauziele für das Energiesystem auf ein „neues Niveau gehoben, die Maßstäbe über Nacht dramatisch verändert“, sagte Westphal. Seit 2022 erlebe man unter anderem deshalb einen zweiten Photovoltaik-Boom, der prägend für die „neuen Realitäten“ sei. Hier werde das „neue Energiesystem“ sichtbar. „Es führt kein Weg zurück, wir sind in einer neuen Welt“, so der Vorstandsvorsitzende.
Westphal verwies hierzu auf Zahlen aus dem vergangenen Jahr. Demnach hat das Bayernwerk 2023 87000 Photovoltaik-Anlagen mit einer Lesung von über 2200 Megawatt neu ans Netz angeschlossen – mehr als jemals zuvor. Bald erreiche man die Marke von 500000 Anlagen, sagte Westphal. Er sprach von „Meilensteinen, die vor kurzem noch als undenkbar galten“. Und auch das laufende Jahr stehe „im Zeichen der Energiezukunft“: Erstmals wird das Bayernwerk mehr Energie aus den Netzen exportieren als importieren – dank Photovoltaik. Das Unternehmen werde so zu einem „wetterabhängigen Großkraftwerk“, freute sich der Vorstandschef.
Netzausgaben sollen 2026 über zwei Milliarden Euro liegen
Dass so etwas nur mit entsprechenden Investitionen in die Netzinfrastruktur möglich ist, machten die Verantwortlichen in Regensburg deutlich. 2023 habe das entsprechende Budget erstmals die Milliardengrenze überschritten, sagte Finanzvorständin Daniela Groher. 2024 erhöhe sich diese Summe auf über 1,3 Milliarden Euro, 2025 auf mehr als 1,7 Milliarden Euro. „2026 werden unsere Netzausgaben mehr als zwei Milliarden Euro betragen“, so Groher. Damit einher soll beim Bayernwerk auch eine gesteigerte Effizienz gehen. Das Ziel sei, nicht nur mehr sondern auch schneller zu bauen, hieß es bei der Pressekonferenz. Auch wolle man „weg von der Werkstattfertigung, hin zur Massenfertigung“. Die verschiedenen Arten von Strommasttypen sollen beispielsweise verringert werden, Umspannwerke gibt es künftig nur noch in drei einheitlichen Größen: S, M und L.
Stellt sich nur noch die Frage: Woher die vielen Fachkräfte nehmen, die für die Wachstumsoffensive des Bayernwerks notwendig sind? Tatsächlich hat der Netzbetreiber hier schon in den vergangenen Monaten vorgesorgt. Hatte das Unternehmen Ende 2022 noch 3000 Mitarbeitende, sind es heute über 4200. Das liege einerseits an gesteigerten Recruiting-Maßnahmen, erklärte Personal- und Vertriebsvorstand Albert Zettl. Gleichzeitig bilde man auch mehr aus: Zettl zufolge hatte das Bayernwerk in den letzten Jahren meist etwa 70 Auszubildende, nun sei die Zahl doppelt so hoch. Dennoch sei der Fachkräftemangel auch bei dem Regensburger Unternehmen ein Riesen-Thema: Mit der neuen Bayernwerk-Akademie habe man hier eine „eigene Nachwuchs- und Fachkräfteschmiede ins Leben gerufen“, so Zettl. Die Einrichtung verstehe sich aber auch als „Fachkräftemotor für die gesamte Energiebranche“ − sprich: Auch Externe können viele Angebote nutzen.
Bayernwerk-Netzausbau soll auch Versorgungslücke verhindern
Auch in Zukunft soll so die Mitarbeiterzahl beim Bayernwerk weiter steigen. Denn die Herausforderungen der Energiewende, das wurde bei der Pressekonferenz deutlich, werden nicht kleiner. So hat das Bayernwerk bei der Pressekonferenz eine Studie vorgestellt, derzufolge Bayern 2030 eine Lücke von 6,9 Gigawatt an gesicherter Leistung haben wird. Denn die Erzeugung aus zentralen Großkraftwerken in Bayern geht zurück, der Verbrauch steigt. Hier müsse mit dezentralen Lösungen – beispielsweise der Einbindung von Speichern in Haushalt und Gewerbe – gegengesteuert werden, sagte Vorstandsvorsitzender Westphal. Dafür allerdings unerlässlich: ein gut ausgebautes Netz. „Wer die Energiewende entfesseln will, muss die Netze entfesseln“, sagte Westphal.