Bezahl-Wirrwarr an E-Ladesäulen endet – Rewag sieht Chance

Von Lorenz Nix · 3. Mai 2024 um 05:00

Ladekarte, Handy-App, Webseite: Wer sein E-Auto an einer öffentlichen Stromtankstelle aufladen will, hat in der Regel verschiedenste Bezahlmöglichkeiten. Da verwundert es, dass Debit- und Kreditkarten ohne den Umweg über eine Homepage nur selten akzeptiert werden. Das soll sich ändern.

Die wenigsten Ladesäulen verfügen über entsprechende Lesegeräte. Eine kürzlich in Kraft getretene EU-Verordnung soll das ändern. Die stellt die Betreiber der Ladepunkte aber auch vor Herausforderungen.

Die sogenannte „Alternative Fuels Infrastructure Regulation“, kurz AFIR, oder auf Deutsch „Verordnung über den Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe“ gilt seit 13. April. Sie hat das Ziel, den Bezahlvorgang an Ladesäulen für Elektroautos europaweit zu vereinheitlichen. Besonders im Fokus stehen Anlagen mit einer Ladeleistung ab 50 Kilowatt. Werden solche neu errichtet, muss ab sofort ein Kartenterminal integriert sein. Spätestens bis Ende 2026 müssen bestehende Stationen entsprechend nachgerüstet werden.

Rewag: Keine Kartenzahlung

Bei neu installierten Säulen unter einer Ladeleistung von 50 Kilowatt muss seit Mitte April ebenfalls Kartenzahlung möglich sein. Allerdings reicht hier ein QR-Code, über den man auf eine Webseite gelangt, wo die Bezahldaten eingegeben werden müssen – das funktioniert bereits jetzt bei sehr vielen Stationen.

Bei den Ladesäulen des Regensburger Energieversorgers Rewag kann auf diese Weise allerdings nur mit Paypal bezahlt werden. Aktuell betreibt das Unternehmen in der Region etwa 350 öffentliche Ladestationen. Dabei handelt es sich fast ausnahmslos um Ladepunkte mit einer Leistung unter 50 Kilowatt. Schnellladestationen mit einer Leistung zwischen 60 und 150 Kilowatt betreibe man aktuell zehn Stück, teilt Rewag-Pressesprecher Martin Gottschalk auf Anfrage der Mediengruppe Bayern mit.

Ganz anders sieht das beim Münchner Unternehmen Mer Germany aus: Insgesamt betreibe man in Deutschland 695 Ladesäulen, sagt eine Sprecherin. Knapp die Hälfte davon seien Schnellladesäulen – in Bayern etwa 120 Stück. An vielen könne man bereits mit Debit- oder Kreditkarte zahlen, sagt die Sprecherin. Das Angebot werde gut angenommen.

Rewag denkt über Lösung nach

An den Rewag-Stationen kann hingegen noch nicht mit Debit- oder Kreditkarte gezahlt werden. Hierzu sei ein spezielles Bezahlkartenterminal notwendig und die Anbindung von Zahlungsdienstleistern, sagt Gottschalk. Bislang habe es hierzu auch kaum Hardware-Anbieter gegeben, gibt der Pressesprecher zu bedenken. Mit der AFIR könnte sich das nun ändern. Schließlich bleibt den Unternehmen nichts anderes übrig als sich auf die neue EU-Verordnung einzustellen.

Gottschalk zufolge wird an den Rewag-Ladesäulen bislang vor allem mit der eigenen Ladekarte des Regensburger Unternehmens bezahlt. Dass mehr Kunden mit Kredit- oder Debitkarte bezahlen wolle, sehe man nicht: „Aus unseren vielen Gesprächen mit Nutzern von Elektroautos und unserer jahrelangen Erfahrung trauen wir uns zu sagen, dass wir nicht den Eindruck gewinnen konnten, als ob hier ein großer Wunsch bestanden hat“, sagt Gottschalk.

Eine Umfrage des Nürnberger Marktforschungsinstituts Infas Quo, die im Auftrag der Initiative Deutsche Zahlungssysteme (IDZ) durchgeführt wurde, zeichnet hier allerdings ein anderes Bild. Demnach würden es 76,7 Prozent der Autofahrer bevorzugen, den getankten Strom an der Ladesäule mit ihrer Debit- oder Kreditkarte zu bezahlen. Die Mehrheit – 54,5 Prozent – würde sogar lieber mit ihrer gängigen Debitkarte zahlen, heißt es in einer Mitteilung der IDZ.

AFIR fördere Akzeptanz

Im Auftrag des Verbands, zu dem sich unter anderem Banken und Zahlungsdienstleister zusammengeschlossen haben, wurden im April 1110 Besitzerinnen und Besitzer von Kraftfahrzeugen im Alter von 18 bis 79 Jahren befragt. Davon bevorzugten lediglich 8,1 Prozent die Zahlung mit Ladekarte oder entsprechender App mit vorheriger Anmeldung. Auch die Zahlung über einen QR-Code sei mit acht Prozent keine beliebte Alternative, teilt die IDZ mit. Die Interessenvertreter schließen daraus, dass die Neuerungen der AFIR „für den Ausbau und die Akzeptanz der E-Mobilität zentral sind“. Die Verordnung garantiere, dass Verbraucher zuhause und im Urlaub in Europa spontan und barrierefrei Strom tanken können.

Für die Rewag steht nun wohl die Umrüstung der bestehenden Schnellladesäulen an. Genaue Angaben dazu macht Sprecher Gottschalk nicht. Nur so viel: Grundsätzlich sei so eine Umstellung kostenintensiv. „Zudem müssen die Geräte zusätzlich gewartet werden und es gibt auch noch wenig Erfahrungswerte zum Betrieb und zur Störanfälligkeit.“

Unter anderem deshalb nennt Gottschalk die Vorgaben der AFIR „sehr ambitioniert“. Trotzdem sieht er darin „eine Chance für die Elektromobilität, in der breiten Bevölkerung noch mehr Akzeptanz zu erfahren“. Auch bei Mer Germany unterstütze man den EU-Ansatz „noch einfacheres und kundenfreundlicheres Laden zu ermöglichen“. Man sei überzeugt, dass man die Anforderungen der AFIR erfolgreich meistern könne.