„Klimaschutz hat es nicht gebracht“: Hunger-Aktivist geht in die Altenpflege

Von Jonas Raab · 24. Juli 2024 um 05:00

Vor ein paar Wochen war Wolfgang Metzeler-Kick noch bereit, sich in Berlin für das Klima zu Tode zu hungern. Gestern saß er im Regensburger Amtsgericht wegen zweier Straßenblockaden der Letzten Generation auf der Anklagebank.

Obwohl Metzeler-Kick wieder recht vital wirkte und das Verfahren schnell eingestellt wurde, scheint der 49-Jährige resigniert zu haben. „Heute stehe ich hier und bin gescheitert“, sagte er zu Richterin Andrea Costa. Als Metzeler-Kick zu Prozessbeginn nach seinen Personalien gefragt wurde, hatte er „Immer noch Klimaaktivist“ angegeben, später erklärte er, er werde zurück in die Altenpflege wechseln. „Klimaschutz hat es nicht gebracht.“

Im Prozess ging um Blockaden in der Friedenstraße und in der Nähe des BMW-Werkes, die am 21. und 22. August 2023 im Zuge einer bayerweiten Protest-Tour der Letzten Generation stattfanden. Einmal hatte sich Metzeler-Kick auf der Straße festgeklebt, einmal nicht. Was beide Fälle gemein hatten: lange Staus. Laut Anklage musste während der Protestaktion in der Friedenstraße eine im neunten Monat schwangere Frau, die zum Arzt gebracht werden sollte, Teile des Weges zu Fuß zurücklegen. Zudem kam sie zu spät. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Nötigung.

Regensburg: Aktivist zeichnet in „Prozesserklärung“ düsteres Bild

Auf die Frage der Richterin hin, ob er sich zu den Vorwürfen äußern wolle, stand Metzeler-Kick auf und verlas eine „Prozesserklärung“. Um die Blockaden ging es darin nur peripher, dafür um einen aktuellen Sachstandsbericht des Weltklimarates, wonach nur noch bis Ende 2025 Zeit sei, die Welt zu retten. Er sehe keinerlei Anzeichen dafür, dass in den kommenden 16 Monaten noch irgendetwas getan werde, um die „unumkehrbare Selbsterhitzung unseres Planeten“ aufzuhalten.

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„Ja, es ist wahr. Ich habe versucht, diese unmittelbare Gefahr für Leib und Leben meines 14-jährigen Sohnes und für die Angehörigen seiner Generation noch aufzuhalten“, sagte Metzeler-Kick – und bestätigte, sich an „Maßnahmen des friedlichen zivilen Ungehorsams“ beteiligt zu haben. Er habe alle Mittel ergriffen – bis hin zum Hungerstreik. Seine Rede schloss Metzeler-Kick mit einer Reihe an Fragen, die er Richterin Costa stellte: „Haben Sie nicht etwa genau so versagt, ihrem Kind eine lebenswerte Zukunft weiterzugeben?“, wollte er wissen.

Regensburger Verfahren gegen Aktivist eingestellt – Diskussion um Klimawandel

Antworten bekam Metzeler-Kick nicht, dafür ein schnelles Verhandlungsende. Da sich der Angeklagte und sein Anwalt David Hölscher dazu bereiterklärten, Rechtsmittel in zwei anderen Prozessen aus den Jahren 2022 und 2023 zurückzunehmen, wurde das Verfahren auf Antrag der Staatsanwaltschaft eingestellt.

Redebedarf hatte Metzeler-Kick weiterhin. Er begann, mit Richterin Costa über die Klimakrise zu diskutieren. Fast freundschaftlich. Die beiden hatten schon öfter miteinander zu tun. „In der Sache brauchen wir nicht diskutieren, aber diese Festkleberei ...“, meinte Costa. Die Richterin wollte von Metzeler-Kick wissen, wie er seinem Sohn erklärt habe, dass er sich zu Tode hungern habe wollen. Eine klare Antwort bekam sie nicht: Metzeler-Kick sprach übers Bäumepflanzen. „Nicht resignieren“, gab ihm Richterin Costa mit auf den Weg.