Klima-Kleber legen Regensburg lahm: Ein Aktivist im Gefängnis

Jetzt ist Regensburg dran: Die Klimaaktivisten der Letzten Generation machten am Montag auf ihrer Protest-Tour durch Bayern Halt in der Domstadt und blockierten zahlreiche Straßen – dafür gab es ordentlich Gegenwind. Am Dienstag sollen weitere Aktionen folgen.
Beinahe zeitgleich wurde gegen 8.30 Uhr im gesamten Stadtgebiet der Verkehr gestoppt. Betroffen waren die Furtmayrstraße, die Friedenstraße, der Odessa-Ring, die Weißenburgstraße, die Brennesstraße, die Laaberstraße und die Frankenstraße. Letztere wurde gleich zweimal blockiert – einmal an der Auffahrt zur A 93. Zeitweise bildeten sich längere Staus. Gegen 12 Uhr waren die Straßen wieder frei. Im Laufe des Tages folgten allerdings weitere Blockaden, kurzzeitig war gegen 15.30 Uhr zum Beispiel die Friedensstraße besetzt. Wie die Polizei am Abend mitteilte, kam es an zehn verschiedenen Orten zu Blockaden.
Insgesamt haben den Beamten zufolge 48 Personen an den Aktionen teilgenommen. 33 davon klebten sich fest. Fünf Personen kamen in Gewahrsam – ein Aktivist befindet sich derzeit sogar in einem Gefängnis. Wie lange die Aktivisten in Gewahrsam bleiben, sagte eine Polizeisprecherin am Abend nicht. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen gegen die Aktivisten aufgenommen. Der Vorwurf der Nötigung steht im Raum.
Klima-Kleber in der prallen Sonne: Polizei-Vize sorgt sich um Aktivisten
Die Blockade an der Kreuzung Odessa-Ring/Landshuter Straße passierte Polizeivizepräsident Robert Fuchs, der die Aktivisten eindringlich zum Schutz der eigenen Gesundheit ermahnte: „Das ist ein ganz klarer Auftrag von mir, auch wenn Sie nicht weisungsgebunden sind: Stellen Sie sicher, dass genügend Wasser und Sonnencreme zur Verfügung steht. Falls nicht, sagen sie Bescheid, dann kümmern wir uns drum.“
Einige Autofahrer und Passanten reagierten indes gereizt: Kommentare wie „Schwachköpfe“, „Vollidioten“ und vielfach auch das obligatorische „Geht arbeiten“ wurden den Aktivisten entgegengeschleudert. Eine Mitarbeiterin eines ambulanten Pflegedienstes war aufgebracht: „Was sagen Sie zu den 82-jährigen Leuten, zu denen ich jetzt eigentlich müsste, um Ihnen zu helfen?“, schrie sie einen Aktivisten an.
„Es ist schade, dass man Straftaten begehen muss – aber irgendwas muss man ja tun“, sagte dazu Johanna von der Ortsgruppe Würzburg der Letzten Generation, die zu der Groß-Aktion nach Regensburg gekommen war. Sie lobte das besonnene Vorgehen der Polizei und berichtete auch von positiven Reaktionen der Passanten. Wie bestellt überquerte in diesem Moment ein Radler die Kreuzung, mit ausgestrecktem Daumen und einem „Weiter so!“ auf den Lippen.
Klima-Kleber in Regensburg: Empörung bei der CSU – Abgeordneter fordert „härteres Vorgehen“
Ganz anders reagierte CSU-Stadträtin Bernadette Dechant, die wenig später mit ihrem E-Bike vorbeikam: „Hoffentlich werden die bald zur Verantwortung gezogen, das ist nicht mehr tragbar“, lautete ihre Meinung zur Blockade. Über die Aktivisten sagte sie: „Die ruhen sich auf unserem Wohlstand aus.“
Ihr Partei-Freund und Bundestagsabgeordneter Peter Aumer forderte schon am Mittag ein „härteres Vorgehen.“ Per Pressemitteilung schlug er vor, eine bundeseinheitliche Anlaufstelle, bei der sich betroffene melden können, ins Leben zu rufen. „Die Klima-Kleber müssen so endlich zur Verantwortung gezogen werden. Ihre radikalen Aktionen schaden der Akzeptanz für mehr Klimaschutz und damit auch unserem Land!“
Aktivisten machen Platz für einen Notarzteinsatz
Die Polizei arbeitete derweil pragmatisch daran, den Verkehr wieder zum Rollen zu bringen. Der Odessa-Ring wurde zum Beispiel in südlicher Richtung auf Höhe der Abfahrt zur B15 gesperrt – so konnten die im Stau stehenden Fahrzeuge wenden und als „legale Geisterfahrer“ dem Chaos entkommen. Ein Sanka-Einsatz an dieser Stelle war ohne nennenswerten Zeitverlust möglich, Autofahrer wie Klimakleber hatten die vorgeschriebene Rettungsgasse gebildet.
Bei der ebenfalls blockierten Auffahrt zur Westumgehung gab es einen Zwischenfall: Zwei Autofahrer zerrten einen Aktivisten der Letzten Generation, der im Rollstuhl die Fahrbahn blockierte, von der Straße. Die Gruppe veröffentlichte Aufnahmen davon auf Instagram.
Generell sperrte die Polizei die betroffenen Straßen großräumig ab. An einer Stelle war das gar nicht nötig, denn fünf Aktivisten blockierten mit der südlichen Abfahrtsrampe der Nibelungenbrücke eine derzeit ohnehin gesperrte Trasse. Auf diesen Umstand wurde das Quintett regelmäßig von Passanten hingewiesen. Eine Radfahrerin sprach einen Aktivisten direkt an: „Warum klebt ihr euch an eine gesperrte Straße, ist das nicht saudumm?“
Klima-Kleber in Regensburg: Was treibt die Aktivisten an?
Teil der Blockade der Weißenburgstraße war der Regensburger Klima-Aktivist Simon Lachner – er war jedoch nicht festgeklebt. Er begründet die derzeit durch Bayern schwappende Protestwelle damit, dass das Grundgesetz vor 75 Jahren im Freistaat beschlossen worden sei – die Klimapolitik der Regierung stelle einen Verfassungsbruch dar. Am Odessa-Ring schimpfte eine Passantin über die „riesige Verschwendung von Steuergeld“, die die Aktion darstelle. Ein Mitglied der Letzten Generation entgegnete: „Der Klimawandel kostet den Steuerzahler weitaus mehr.“
