Regensburger Aktivist in „akuter Lebensgefahr“: Er will hungern, bis der Kanzler auf ihn hört

Vor 83 Tagen trat Wolfgang Metzeler-Kick in den Hungerstreik. Laut den Ärzten, die die Protestaktion im Berliner Invalidenpark begleiten, befindet sich der Regensburger mittlerweile in „akuter Lebensgefahr“. Ans Aufhören denkt der 49-jährige Umweltingenieur trotzdem nicht.
Metzeler-Kick und seine Mitstreiter fordern Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) auf, den Klimawandel als größte Krise der Menschheit anzuerkennen. Seit dem 7. März hat Metzeler-Kick deshalb nichts mehr gegessen, seit vergangenem Freitag verzichtet er auch auf Säfte, trinkt nur noch Wasser mit Elektrolyten und Vitaminen. Die gesundheitliche Lage habe sich „deutlich zugespitzt“, sagt Medizinerin Susanne Koch in einer Videoerklärung. Die Ärzte könnten daher keine Verantwortung mehr übernehmen. „Wenn ich jetzt sterben würde, wäre das okay“, sagt Metzeler-Kick im Gespräch mit der MZ.
„Am Montag hatte ich einen Blutzuckerwert von 47. Ab 40 ist ein Kollaps wahrscheinlich. Heute ist es etwas besser“, berichtetet Metzeler-Kick. Das Gefühl beim Aufstehen, gleich umzufallen, sei wieder weg. „Aber tendenziell geht es bergab.“ 26 Kilo hat der Regensburger inzwischen verloren, am Dienstag wog er 67 Kilo. Laut seinen Ärzten bestehe mittlerweile eine aktue Gefahr für bleibende Schäden oder Tod.
Regensburger im Hungerstreik: Wolfgang Metzeler-Kick dachte kurz ans Aufgeben
Neben dem Regensburger befinden sich drei weitere Aktivisten im Hungerstreik, zwei Männer haben ihn in teils bedrohlichem Zustand abgebrochen. Auch Metzeler-Kick dachte kurz ans Aufhören. „Aber ich kann das einfach nicht ertragen, ohnmächtig in den Untergang zu steuern“, sagt er. Der Umweltingenieur rechnet verschiedene CO2-Werte und Szenarien vor. Dabei schweift er etwas ab. „Entschuldigen Sie, wenn ich nicht alles parat habe. Das liegt am Zuckerhaushalt“, sagt er.
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Die Aktivisten, die von mehreren Wissenschaftlern unterstützt werden, fordern eine Regierungserklärung ein, in der wissenschaftliche Fakten über den Klimawandel ausgesprochen werden sollen. Ein Regierungssprecher machte früh klar, dass das nicht passieren wird. Am Sonntag meldete sich Scholz erstmals selbst zu Wort. Bei einem Bürgerdialog rief er Metzeler-Kick und seine Mitstreiter dazu auf, den Hungerstreik zu beenden. Gewalt sei ein Fehler – auch wenn sie gegen sich selber gerichtet sei. „Das war nicht so scholzig-kühl wie sonst“, findet Metzeler-Kick. Man habe gemerkt, dass die Aktion den Kanzler unter Druck setze.
Hungerstreik in Berlin: „Klar beschäftige ich mich mit dem Tod“
Die Hoffnung, dass Scholz einlenkt, hat der 49-Jährige noch nicht aufgegeben. Doch auch auf das andere Szenario bereitet er sich vor. „Klar beschäftige ich mich mit dem Tod“, sagt er trocken. Anfang Juni will er, wenn nötig, die „nächste Eskalationsstufe zünden“, aufhören zu trinken. Seine Familie – Metzeler-Kick hat eigenen Angaben zufolge einen Sohn – halte seine Entscheidung für „restlos schlecht“. Metzeler-Kick bleibt dabei: „Das Einzige, was ich in meinem Leben nicht gemacht habe, aber gerne hätte, ist Gleitschirmfliegen.“