Klima-Kleber blockieren BMW in Regensburg – Firma macht aber gerade Sommerpause

Von Philip Hell · 22. August 2023 um 17:14

Nach zahlreichen Straßenblockaden am Montag nahm die Letzte Generation am Dienstag nun den Auto-Riesen BMW in den Fokus. So lief die Protest-Aktion in Regensburg.

Langsam schälen sich die Silhouetten der Aktivisten aus dem Dunkeln. Im Schatten der Bäume vor dem BMW-Werk in der Herbert-Quandt-Allee haben sie gewartet. Es sind rund ein Dutzend Mitglieder der Letzten Generation, die sich am Dienstag um 5 Uhr hier versammelt haben. Die Gruppe trabt langsam Richtung Straße, sie streifen sich orangene Westen über.

Sind die Klima-Blockaden gerechtfertigt? Lesen Sie hier ein Pro und Contra von MZ-Redakteur Philip Hell und MZ-Chefreporter Christian Eckl

Das fahle Licht der Laternen streift ihre Gesichter. Es sind vornehmlich junge Menschen. Sie blicken rechts und links. Ein Lastwagen nähert sich auf der Straße, dahinter zwei Autos. „Perfekt“, murmelt einer der Aktivisten. Die Gruppe betritt die Straße, sie stellen sich der Reihe nach auf. In der Hand halten sie Transparente. Sie winken den Autos, die sich nähern – schon bald gibt es kein Durchkommen mehr.

Letzte Generation: Drei Blockaden bei BMW in Regensburg am Dienstag

Die Blockade ist eine von dreien, die die Klima-Aktivisten am frühen Dienstagmorgen zeitgleich errichteten. Alle betrafen das BMW-Werk im Südosten – zeitweise dürfte es beinahe unmöglich gewesen sein, auf das Firmengelände zu kommen. Die Blockaden hatten allerdings keine Auswirkungen auf die Produktion. „Das Werk Regensburg hat diese Woche Werksferien“, teilt BMW-Sprecher Christian Dürrschmidt auf MZ-Anfrage mit.

Schon am Montag gab es zahlreiche Proteste: Hier finden Sie Bilder der Klebe-Aktionen

Und dennoch: Einige Menschen müssen auf das Firmengelände. Immer wieder steigen Menschen aus ihren Autos, es sind ausschließlich Männer. Einer stürmt auf die Aktivisten zu. „Es ist 6 Uhr, ich muss in die Arbeit“, brüllt er. Kopfschütteln läuft er vor der Blockade auf und ab. Er ringt um Worte. Die Aktivisten schweigen. Er geht zurück zum Auto.

Über den Hügeln des Vorwalds am Horizont geht derweil die Sonne auf. Langsam weicht das Schwarz der Nacht dem Blau des Morgens. Einige Männer haben sich vor den Aktivisten versammelt. Mit verschränkten Armen stehen sie da. „Wer hat Lust? Trag mas weg!“ Manche nicken, einige rufen „Jawoll.“ Doch es passiert nichts.

In der Ferne ertönt ein Martinshorn. Ein Blaulicht setzt sich vom Rest-Schwarz der Nacht ab. „Die Polizei“, ruft eine Aktivistin. Sie greifen zu ihren Taschen, holen Sekundenkleber heraus. Die Klappen klackern auf dem Asphalt. „Du musst fest drücken“, sagt eine Frau zu ihrer Sitznachbarin, während sie sich mit ihrer rechten Hand auf die linke stützt.

Blockade bei BMW in Regensburg: Vier Personen in Gewahrsam

Rund eine Stunde haben die Beamten gebraucht, um die Blockaden zu erreichen. Nach anderthalb Stunden kommen Spezialkräfte an, die um 6.45 Uhr damit beginnen, die Aktivisten gemeinsam mit der Feuerwehr zu lösen. Auf einer grauen Box mit Speiseöl, Pinseln, Spachteln und Gummihandschuhen steht „Klimakleber-Set.“

Gegen 7 Uhr sind die Aktivisten gelöst. Sie werden von der Polizei auf den Gehsteig gebracht. Manche lassen sich tragen. „Sie können doch laufen“, sagt einer der Polizisten zu einer jungen Frau. Später werden die Aktivisten gemeinsam zum Jahnstadion gebracht. Dort hat die Polizei eine Gefangenensammelstelle eingerichtet – wie schon am Montag verhören die Beamten dort die Aktivisten. Ein Bus der Bereitschaftspolizei fährt vor. Die Beamten öffnen die Tür, Aktivisten steigen heraus. Eine Gruppe in orangenen Westen sitzt am Boden in einem winzigen Fleck Schatten. Als sie ihre Klebe-Genossen erblicken, jubeln sie.

Wie die Polizei am Dienstagabend sagt, wurden elf Menschen in Gewahrsam genommen. Die Kriminalpolizei ermittelt gegen zahlreiche Personen. Der Vorwurf der Nötigung steht im Raum – damit droht ihnen ein Prozess am Amtsgericht.

Am Donnerstag wollen die Aktivisten nach München weiterziehen – Regensburg haben sie allerdings wohl nicht zum letzten Mal gesehen.