Nach der Evakuierung der Werftstraße: Weiter Ärger über marodes Ufer in Regensburg

Von Heike Haala · 14. Juli 2024 um 17:00

Die Bewohner in der Regensburger Werftstraße lassen nicht locker. Zu tief sitzt das Trauma der Evakuierung während des Hochwassers vor sechs Wochen. Zu groß ist die Sorge, dass die nächste Flut ihre Heimat am Unteren Wöhrd wegreißen könnte.

Jetzt fordert mit Richard Weidmüller ein weiterer von ihnen: Die Stadt muss bei der Sanierung der Kaimauer endlich in die Gänge kommen. Denn diesem Bauwerk kam bei der vergangenen Flut eine Schlüsselrolle zu. Darin waren die mobilen Hochwasserschutzelemente verankert, die den Fluss in Zaum hielten und die Anwohner vor dem Hochwasser schützten. Gleichzeitig war das Grundwasser stark angestiegen, was den Untergrund derart aufweichte, dass sich die Elemente dieser Schutzwand auch hätten lösen können. Die Folge wäre eine Überflutung der Werftstraße gewesen. Deswegen kam es zu der vier Tage dauernden Evakuierung.

So steht es um die Mauer

Zuletzt hatte Anwohnerin Michaela Vierthaler im Namen der Anwohner einen Brief an Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) geschrieben, in dem sie die Evakuierung als traumatisierend bezeichnete und der Stadt fahrlässiges Verhalten vorwarf, weil diese das Ufer trotz des schlechten Zustands nicht instand setzen ließ. Jetzt verweist Weidmüller bei dem Thema auf einen Beschluss im Planungsausschuss aus dem Jahr 2018. Mit dem bekam die Verwaltung den Auftrag, die Sanierung der Ufermauer in der Werftstraße zu planen.

In dem Papier ist von statischen Berechnungen die Rede, die dem Bauwerk bereits im Jahr 2012 eine „gerade noch vorhandene Standsicherheit“ attestierten. Zudem weise es Auswaschungen, Frostschäden, Ausbrüche und Fehlstellen auf. Aber obwohl dieser Beschluss die Sanierung der Mauer bereits für die Jahre 2020/21 vorsah, ist auch jetzt, vier Jahre später, nichts passiert. „Bitte macht das jetzt endlich. Die Abstände zwischen den Hochwassern werden immer kürzer“, appelliert Weidmüller an die Stadt. Immerhin seien auf dem Abschnitt auch schwere Fahrzeuge unterwegs: etwa die Müllabfuhr oder die Feuerwehr. Weidmüller will nun wissen, wann die Kaimauer saniert wird und was zu dieser Verzögerung geführt hat.

Aktuell werde ein Sanierungskonzept von der Stadt erarbeitet, die Umsetzung sei für die Jahre 2026 und 2027 vorgesehen, gibt Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt, Auskunft. „Aus personellen Gründen konnte die Stadt die Maßnahme leider nicht so zügig durchführen“, erklärt sie die Verzögerung. Auf die Frage, ob es Möglichkeiten gibt, das Projekt zu beschleunigen, sagt sie, dass es bereits prioritär behandelt werde – schon, weil es eine Voraussetzung für die bauliche Hochwasserschutzmaßnahme des Freistaats darstellt. Die Umsetzung solle erfolgen, sobald die erforderlichen Planungsschritte abgeschlossen sind, angestrebt werde 2026.

Für die Anwohner stehen damit weitere Fragen im Raum, die ihnen Sorge bereiten: Wie viele Hochwasser-Katastrophen wird es in der Zwischenzeit noch geben? Werden sie dann wieder evakuiert? Und werden ihre Häuser das überstehen? So spricht Weidmüller ein ausgeklügeltes Pumpsystem an, das er im Keller seines Hauses installiert hat, um die Wassermassen vor die eigenen vier Wände zu bekommen. „Die Stadt fordert uns dazu auf, unsere Häuser auch selbst zu schützen und dann lässt sie uns nicht mehr rein“, klagt er. Vierthaler pflichtet ihm in einem weiteren Brief der Anwohner an die Oberbürgermeisterin bei, der der Redaktion vorliegt: Die Evakuierung habe die privaten Schutzmaßnahmen in den Augen der Menschen aus der Werftstraße ad absurdum geführt. Den dadurch sei den Bewohnern die Möglichkeit genommen worden, diese zu kontrollieren, zu unterhalten oder bei Bedarf zu justieren.

Diese Folgen drohen

Die Frage, wie viele Hochwasser die Kaimauer noch aushalten kann, sei jedoch nicht pauschal zu beantworten, da kein Hochwasserereignis dem anderen gleicht, erklärt von Roenne-Styra. „Das potentiell zu befürchtende Szenario wäre ein Versagen des Untergrundes in Form eines Grundbruchs, das ufernah eintreten könnte. Ein Versagen der dort befindlichen Hochwasserschutzelemente wäre dann nicht mehr auszuschließen“, beschreibt sie mögliche Folgen. Weidmüller aber versteht die Welt nicht mehr: „So etwas sollte die Stadt den Bürgern ersparen“, fordert er.