Regensburg springt bei Grundwasserschäden ein – Anwohner sehen ein größeres Problem

Von Heike Haala · 18. Juni 2024 um 05:00

Etwa zwei Meter hoch stand das Wasser vor zwei Wochen im Keller von Michaela Vierthaler aus der Werftstraße in Regensburg. Ein städtisches Hilfsprogramm soll nun speziell bei Schäden greifen, die auf diese Weise entstanden sind.

Denn laut einer Pressemitteilung der Stadt sind Schäden durch Grundwasser bei der staatlichen Soforthilfe ausdrücklich ausgenommen. Das Problem bei der Sache: Es waren weniger Überschwemmungen, die bei der inzwischen abgeflossenen Flut Probleme machten, sondern genau diese Fälle, bei denen das Wasser von unten in die Häuser eindrang. Als Einsatzschwerpunkte nannte Iris Krimm, Leiterin des Amts für Katastrophenschutz, während einer Pressekonferenz mit der Führungsgruppe Katastrophenschutz etwa Keilberg, den Stadtosten oder Burgweinting.

159.000 Euro im Paket

Deswegen will Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) die Spenden auf dem Konto für Hochwasseropfer für diejenigen einsetzen, die keine staatlichen Soforthilfen erhalten können. Dort liegen laut der Pressemitteilung gerade 159.000 Euro. Pro Haushalt sollen bis zu 5000 Euro ausgeschüttet werden, ist dort weiter zu lesen. Und: Ab Freitag könnte das Geld zur Verfügung stehen. Betroffene sollen es schnell ausgezahlt bekommen und dafür lediglich Schadensnachweise in begrenztem Umfang vorweisen müssen.

Ob das Hilfsprogramm zustande kommen kann, hängt von der Entscheidung des Stadtrats am Donnerstag ab. Allerdings kann dies als wahrscheinlich bezeichnet werden, selbst wenn die Rathauskoalition am vergangenen Freitag wegen Konflikten zwischen der SPD und ihren ehemaligen Bündnispartnern von der CSU und den Freien Wählen (FW) zerbrach und sich die Oberbürgermeisterin nun wechselnde Mehrheiten suchen muss. In diesem Fall aber scheint das kein Problem zu sein: Ob CSU, Grüne, SPD, Brücke, Freie Wähler oder ÖDP– die Spitzen aller Fraktionen kündigten an, den Vorschlag mitzutragen.

Vierthaler aus der Werftstraße hat kostspielige Gegenstände wie die Waschmaschine vor dem Ansteigen des Grundwassers hoch genug lagern können, so dass diese keinen Schaden davontrugen. Auch hat die seit 52 Jahren in der Werftstraße lebende Frau ihren Keller schon inspiziert. „Da weiß ich, dass sich nichts fehlt“, sagt die Hochwassererprobte. Deswegen geht sie davon aus, dass der Schaden, den sie zu beklagen hat, den Höchstsatz von 5000 Euro pro Haushalt aus dem städtischen Hilfsprogramm nicht übersteigen wird.

Die Frau aus der Werftstraße sagt aber auch, dass sie und derzeit etwa 30 weitere Anwohner dieses Donauufers noch ein ganz anderes Problem sehen, das nun dringend gelöst werden sollte.

Denn heute vor zwei Wochen wachten Michaela Vierthaler, ihre kranke Mutter und ihre zwei Katzen sowie insgesamt 200 Anwohner aus der Werftstraße nicht in ihren eigenen vier Wänden auf. Am Vorabend mussten sie das Notwendigste zusammenpacken und ihre Wohnungen auf unbestimmte Zeit verlassen. Die Flut hatte den Boden zu diesem Zeitpunkt derart aufgeweicht, dass die vor den Wassermassen schützenden Spundwände hätten brechen können. Deswegen hatte die Stadt die Evakuierung anberaumt. Erst am Ende der Woche konnten die Bewohner wieder zurück in ihre eigenen vier Wände.

Evakuierung als Trauma

„Ich habe den Nachbarn gerade geholfen, als ich hörte, dass ich noch 20 Minuten habe, um mein Haus zu verlassen“, sagte Vierthaler. Die Katastrophe selbst habe ihr nicht so viel angehabt wie das Erlebnis der Evakuierung, das sie als traumatisierend bezeichnet und das sie nie wieder erleben möchte.

Am Freitag wandte sich Vierthaler deswegen mit einem Brief, den sie im Namen der Bewohner der Werftstraße verfasste und der der Redaktion vorliegt, an die Oberbürgermeisterin. Darin bringt sie ihre Besorgnis und Unzufriedenheit über den Zustand der Werftstraße und der Kaimauer zum Ausdruck – erst dies habe die Evakuierung notwendig gemacht, schreibt Vierthaler. Deswegen sei die Sanierung des Uferbereichs nun dringend notwendig. Eine Antwort auf diesen Brief stand laut Vierthaler gestern Mittag noch aus.