Nach Hochwasser: Anwohner an der Regensburger Werftstraße erheben schwere Vorwürfe

Von Heike Haala · 19. Juni 2024 um 17:00

Das Hochwasser von Anfang Juni ist abgeflossen. Neben dem Dreck und der Feuchtigkeit in den Häusern blieben bei einigen Anwohnern in der Werftstraße in Regensburg auch Besorgnis und Unzufriedenheit zurück. In ihren Augen hätte die Stadt längst handeln müssen.

Denn in der Werftstraße hatte sich die Lage am 3. Juni derart zugespitzt, dass die Stadt am Abend die Evakuierung von 200 Menschen anordnete. Als Grund nannte die Stadt damals in einer Pressemitteilung: Der Uferboden, in dem die schützenden Spundwände verankert waren, sei derart aufgeweicht, dass sich die Elemente auch hätten lösen können. Dadurch hätten sich die Wassermassen ungebremst über diesen Bereich ergießen können.

Traumatisierendes Erlebnis

Für die hochwassererprobten Bewohner der Werftstraße, die selbst bei höheren Pegelständen an der Eisernen Brücke Nerven aus Stahl beweisen, war die Evakuierung ein Novum. „Das gab es noch nie“, sagt Anwohnerin Michaela Vierthaler, die seit 52 Jahren in der Werftstraße lebt. Die Flut hätte sie locker weggesteckt. „Das kannte ich schon“, verdeutlicht sie. Dass Vierthaler, ihre Mutter und ihre Katzen das Haus aber auf unbestimmte Zeit verlassen mussten und vorher lediglich das Notwendigste packen konnten, bezeichnet sie als eine traumatisierende Erfahrung. Und als eine, zu der es ihrer Ansicht nach nicht hätte kommen müssen, wenn sich die Stadt rechtzeitig um die Kaimauer und die Werftstraße, die Vierthaler als sanierungswürdig bezeichnet, gekümmert hätte.

Deswegen wandte sie sich am Freitag mit einem Brief, der der Redaktion vorliegt, an Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD). „Wir, die Anwohner, werfen der Stadt fahrlässiges Verhalten vor, da die Gefahren durch den schlechten Zustand der Straße/Kaimauer seit langem bekannt sind und keine ausreichenden Schritte unternommen wurden, um diese zu beheben“, heißt es darin. Diese Vernachlässigung habe in den Augen der Anwohner dazu geführt, dass sie wegen des Hochwassers evakuiert werden mussten, schreibt Vierthaler auch im Namen von ihren Angaben nach etwa 30 Anwohnern, wobei es sie immer mehr Menschen finde, die der gleichen Meinung sind. „Es ist unverständlich und äußerst enttäuschend, dass die Stadt Regensburg es bisher nicht für nötig gehalten hat, hier dringend erforderliche Sanierungsmaßnahmen zu ergreifen“, schreiben sie.

Weiter heißt es in dem Brief: „Wir fordern daher die umgehende Einleitung der notwendigen Sanierungsarbeiten an der Straße und der Kaimauer, um zukünftige Gefährdungen und traumatisierende Evakuierungen zu vermeiden.“ Zudem erwarten Vierthaler und ihre Mitstreiter nun eine transparente Kommunikation seitens der Stadt zu Maßnahmen und Zeitplänen.

Wie sehen die Pläne der Verwaltung für diese Stelle also aus? In der Werftstraße sei zwar in absehbarer Zeit eine Straßenerneuerung erforderlich, allerdings sei diese Erneuerung bis zum Bau des endgültigen Hochwasserschutzes, der durch den Freistaat Bayern erfolgen soll, zurückgestellt worden, erklärt Katrin Butz von der Pressestelle der Stadt. Denn die Straße müsse dafür ohnehin einmal aufgegraben und vollständig umgestaltet werden.

Arbeiten am Ufer geplant

Auch an der Kaimauer besteht laut Butz Sanierungsbedarf. „Aktuell wird – unabhängig vom Hochwasserereignis im Juni 2024 – ein Sanierungskonzept von der Stadt erarbeitet. Eine Umsetzung ist für die Jahre 2026 und 2027 vorgesehen“, erklärt sie. Die Planung könnte Ende des Jahres vorliegen.

Auf die Frage, ob es der Zustand der Kaimauer und der Werftstraße waren, die zu der Evakuierung führten, erklärt Butz nun, dass der Untergrund unabhängig vom baulichen Zustand der Werftstraße und der Kaimauer mit drückendem Wasser gesättigt gewesen sei. Dieses lange Durchweichen unter hohem Wasserdruck habe die die Stabilität des Bodens derart beeinträchtigt, dass sich dadurch stellenweise sogar die Fahrbahndecke anhob. Weil die Werftstraße zugleich kontrolliert geflutet wurde, habe es keine Möglichkeit mehr gegeben, die Fahrbahndecke zu zu kontrollieren – deswegen sei die Evakuierung angeordnet worden. Sie betont: „In der geschilderten Situation hätte die Evakuierung – die ein Gebot der Vorsicht war – nur durch das Vorhandensein dieses geplanten staatlichen Hochwasserschutzes sicher verhindert werden können.“

Vierthaler wird aber auch abgesehen davon noch Geduld brauchen: Die Werftstraße ist noch immer nicht für den Verkehr freigegeben. „Es war bisher nicht möglich, Trocknungsgeräte hinzufahren“, verdeutlicht sie. Butz sagt dazu, dass erst nach Vorliegen der Ergebnisse einer Bodenuntersuchungen über eine Nutzung der Werftstraße entschieden werden könne – also auch darüber, ob und in welcher Form die Sperrung aufgehoben wird.