40 Jahre auf der Bühne – oder davor: Märchenzeit-Regisseur Bernhard Hübl hat das Theater im Blut

Das Theater steckt ihm einfach im Blut: Bernhard Hübl, der in diesem Jahr schon zum 16. Mal bei der „Märchenzeit für Jung und Alt“ Regie führt, steht auch selbst seit mehr als 40 Jahren auf der Bühne.
Der Rötzer Schwarzwihrberg sei längst so etwas wie seine zweite Heimat geworden, sagt der Kallmünzer. Seine Zusage an Hans Seebauer aus Rötz, ab 1996 die Regie beim „Guttensteiner“ zu übernehmen, hat der 68-Jährige bis heute nie bereut.
Das Stück wurde zwei Jahrzehnte lang auf der Schwarzenburg aufgeführt, und 2007 sollte sich mit der „Märchenzeit für Jung und Alt“ ein weiterer großer Wunsch erfüllen: auf der Burg auch eine Aufführung für Kinder anzubieten. An der, wie derzeit mit dem Stück „Pippi in Taka-Tuka-Land“ wieder eindrucksvoll bewiesen wird, auch die Erwachsenen viel Gefallen finden.
Viele Stücke geschrieben
Der Anruf von Hans Seebauer, sagt Hübl, habe in gewisser Weise „sein Leben umgekrempelt“, und zwar im positiven Sinn. Dass er die Möglichkeit bekam, seit dem „Guttensteiner“ so viele Stücke zu schreiben, die Regie bei so vielen Festspielen in verschiedenen Städten und Märkten zu führen, das wäre in diesem Maße sonst wohl nicht passiert, mutmaßt er: „Dafür bin ich Hans Seebauer unheimlich dankbar.“
Doch Hübl ist nicht nur Regisseur und Autor, sondern auch Schauspieler. Nachdem er in seiner Jugend auf Anraten seines Vaters zunächst einen „soliden“ Berufsweg eingeschlagen hatte und zum Fernmeldewesen gegangen war, ging es ab 1983 Schlag auf Schlag, was seine wahre Leidenschaft, die Bühne, betrifft: 1983 wirkte er zur 1000-Jahrfeier von Kallmünz beim historischen Heimatstück „Die Bürgertreue“ mit. Auf der Bühne stand er 1984, in der Rolle des Brandner Kaspars bei den Schlossfestspielen in Neumarkt, später als Boandlkramer in Parsberg.
In viele Rollen geschlüpft
Seither ist er in viele Rollen geschlüpft: Er war schon tapferes Schneiderlein, intriganter Teufel, hilfloser Maikäfer oder auch der Räuber Hotzenplotz – als Regisseur brachte er letzteren im Jahr 2022 auf den Schwarzwihrberg.
Dabei hatte Hübl die Regie anfangs eigentlich nur als Hobby betrieben. Als sich bald sein Talent nicht nur für das Schauspiel, sondern auch das Inszenieren zeigte, begann er eine Regieausbildung und selbst Stücke zu schreiben. Das eine schließt das andere jedoch nicht aus: Rund 60 verschiedene Stücke hat der 68-Jährige, der 2014 mit dem Kulturpreis des Landkreises Regensburg ausgezeichnet worden ist, als Regisseur inszeniert – und oft selbst mitgespielt.
Schauspieler, Autor, Regisseur – alles macht der Kallmünzer mit Leib und Seele. Nach der „Märchenzeit“ gefragt, spricht er am liebsten über die Gemeinschaft aller Mitwirkenden vor und hinter der Bühne, die vielen Zahnräder, die ineinandergreifen müssen, damit die Zuschauer schöne Stunden bei den Vorstellungen erleben können. Auch in diesem Jahr sei es Dr. Wolfgang Schmidtler und seinem Team wieder geglückt, ein wunderbares Bühnenbild zu erschaffen. Dasselbe gelte für Leonhard Porsch, hinter dem Begriff „Tontechnik“ verberge sich auch, dass dieser die Musik zur Märchenzeit perfekt an die Szenen angepasst habe. Die Kostüme, die Maske, und auf der Bühne natürlich die Schauspieler: Bei der Märchenzeit, die übrigens „von Anfang an ein Renner“ gewesen sei, wie Hübl sich erinnert, „passt es einfach“.
Ein besonderes Augenmerk legt er jedes Jahr auf die Nachwuchs-Förderung: „Es soll schließlich immer weitergehen“, blickt er weit in die Zukunft. Die Stücke würden auch danach ausgesucht, welche Spieler und welche Nachwuchs-Schauspieler darin mitwirken können. Heuer spielten die Kinder aus dem „Märchenwald“ – dem Weg zur Burg, den es in den Vorjahren gab –, zum Beispiel die Ureinwohner der Südseeinsel. Nach der Märchenzeit ist übrigens vor der Märchenzeit: Schon kurze Zeit nach der jeweils letzten Aufführung einer Saison beginnen die Überlegungen, welches Stück im nächsten Jahr aufgeführt wird, verrät Hübl. Schließlich müsse beispielsweise mit dem betreffenden Verlag geklärt werden, ob das gewünschte Stück überhaupt gespielt werden dürfe.
Ob das dritte „Pippi-Stück“ aus der Feder von Astrid Lindgren auf der Schwarzenburg irgendwann zur Aufführung kommen wird, steht aber noch in den Sternen: Bei „Pippi auf hoher See“ käme ein Flugobjekt vor, was auf der Naturbühne schwierig umzusetzen sei, sagt der Regisseur. „Wobei – in Rötz wird eigentlich alles möglich gemacht.“

