Einigung im Sana-Tarifstreit: Es gibt mehr Lohn und den vollen Inflationsausgleich

Auch, wenn es noch nicht ganz unter Dach und Fach ist – die Tarifparteien im Streit um einen neuen Haustarifvertrag für die Beschäftigten der Sana Kliniken im Landkreis Cham haben sich weitgehend geeinigt. Die Mitarbeiter nahmen am Dienstagabend ein Verhandlungsergebnis per Mehrheitsvotum an, das ihnen mehr Lohn garantiert. Doch bald schon könnte es wieder zum Streik kommen.
Denn der neue Haustarifvertrag hatte eine extrem kurze Laufzeit, wenn er so abgeschlossen wird. Geeinigt haben sich die Verhandlungspartner von Sana und der Gewerkschaft Verdi wie des Betriebsrats auf die volle Einmalzahlung des Inflationsausgleichs von 3000 Euro.
Drei Optionen zur Wahl
Die Mitarbeiter konnten bei ihrer Versammlung am Dienstag im Hotel am Regenbogen in Cham aus drei Optionen wählen. Die erste Möglichkeit sah eine Einmalzahlung von 1500 Euro sowie eine zweimalige Lohnerhöhung um 150 Euro pro Monat vor und später noch einmal eine einmalige um 50 Euro vor.
Der Start dieser Lohnerhöhungen war für Ende 2024 (150 Euro), für Mitte 2025 (150 Euro) und für Dezember 2025 (50 Euro) angesetzt. Die Laufzeit sollte hier über 24 Monate mit Start zum Januar 2024 bis Dezember 2025 sein. Auch hier sei Sana von 36 Monaten auf 24 runtergangen.
Die zweite Option umfasste den kompletten Inflationsausgleich von 3000 Euro für dieses Jahr, sowie zwei kleinere Lohnerhöhungen von 125 Euro einmal ab Dezember 2024 und von 125 Euro ab Januar 2025 monatlich. Die Laufzeit machte die Option attraktiv, denn der Tarifvertrag würde nur bis Ende dieses Jahres laufen, auch hier mit Start im Januar dieses Jahres.
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Schließlich gab es außerdem noch die Möglichkeit, beide Verhandlungsergebnisse abzulehnen und weiter für ein besseres Ergebnis zu kämpfen und zu streiken. Während die erste Option überhaupt keine Zustimmung gefunden habe, so Gewerkschaftssekretär Heinz Neff, hätten einige im Saal für eine Fortsetzung des Arbeitskampfes votiert, um ein besseres Ergebnis zu erreichen.
Die deutlich meisten Stimmen habe aber das zweite Verhandlungsergebnis erhalten – jedoch verbunden mit einer Hausaufgabe für Verdi als Hauptverhandlungsführer der Beschäftigten, die zweite monatliche Lohnerhöhung von 125 Euro bereits im Dezember 2024 zu erhalten und nicht erst ab Januar 2025. Das müsse nun nachverhandelt werden, so Heinz Neff – hier sei bereits Kontakt mit Dr. Thomas Koch, dem Sana-Geschäftsführer aufgenommen worden. Am Donnerstag gebe es dazu eine Videokonferenz der Verhandlungspartner, erläuterte Neff.
Der Reiz für die Beschäftigten wie für die Gewerkschaft Verdi als deren Verhandlungsführerin habe in der Laufzeit gelegen, erläuterte Neff. Dass diese kurze Tarifzeit bis Ende dieses Jahres als Verhandlungsergebnis überhaupt von Sana akzeptiert worden sei, habe ihn gewundert. Zumal die zwölf Monate Laufzeit für den neuen Haustarifvertrag eine Forderung von Verdi gewesen sei. Die Sana-Verhandler hätten dagegen eine Laufzeit von 36 Monaten haben wollen. „Dass sie dann auf die zwölfmonatige Laufzeit eingangen sind, hat mich sehr überrascht“, sagt Heinz Neff.
Vorteil: Kurze Laufzeit
Er vermutet dahinter eine taktische Überlegung von Sana, erst einmal Zeit zu gewinnen und Ruhe ins Haus zu bringen, um die gesetzlichen Neuregelungen im Krankenhausbereich verarbeiten und umsetzen zu können. Das bedeute jedoch auch, dass bereits ab Januar um einen neuen Haustarif bei den Sana Kliniken des Landkreises Cham verhandelt werde. Der Vorteil für die Beschäftigten bei dem jetzt angepeilten Verhandlungskompromiss sei die hohe Einmalzahlung plus die monatliche Lohnerhöhung.
„Diese insgesamt 250 Euro ergeben auf die unteren Lohngruppen gerechnet ein Lohnplus von über zehn Prozent. Das ist gar nicht schlecht!“, so der Gewerkschaftsvertreter. Bei den höheren Lohngruppen seien das immerhin sechs Prozent mehr.
Sollten sich die beiden Parteien jetzt auf den vorliegenden und mit Mehrheit angenommenen Vorschlag einigen, gebe es am 5. August den nächsten Verhandlungstermin. „Im Normalfall wird da nur noch der Text des Tarifvertrags verfasst, um ihn dann zu unterzeichnen“, sagt Neff. Gebe es entgegen der Erwartung jedoch keine Einigung auf den Vorschlag, da die Beschäftigten das Lohnplus um einen Monat vorziehen wollen, würden die Verhandlungen weitergeführt. „Insgesamt war es eine lange Verhandlung, was eher ungewöhnlich ist“, urteilte Neff. Es habe auf ihn so gewirkt, als habe der Arbeitgeber die Verhandlungen in die Länge ziehen wollen.
Und wie haben die Beschäftigten am Ende reagiert? „Es hat niemand Hurra geschrien, aber auch niemand randaliert“, beschreibt Heinz Neff die Stimmung. Jedoch hätten die Beschäftigten jetzt etwas in der Hand, zudem gebe die kurze Laufzeit ihnen eine gute Perspektive.