„Zaubermusik“: Leonhard Porsch, der Tontechniker für die Märchenzeit in Rötz

Es wäre kein gebührender Auftritt, erklänge nicht die königliche Fanfare, wenn Schneewittchens böse Stiefmutter den Weg zum Schloss hinauf schreitet. Die Musik läuft weiter, bis sie dieses betritt, „dann muss der Ton leiser werden“, sind Regisseur Bernhard Hübl und die „böse Königin“ Steffi Porsch sich einig.
Am Mittwoch fand eine weitere Probe für die „Märchenzeit für Jung und Alt“ auf der Naturbühne der Schwarzenburg statt. Diesmal nicht in den Kostümen, dafür aber bereits mit ausgefeilter Tontechnik. Verantwortlich dafür ist Leonhard Porsch, der seine „Anfänge“ dort als Mitwirkender hatte – ebenso wie sein Bruder Andreas, der in diesem Jahr die Rolle des Prinzen übernommen hat.
Keinen Einsatz verpassen
Irgendwann interessierte der 21-Jährige sich aber weniger fürs Schauspielern und schaute lieber Thomas Gruber am Mischpult über die Schulter.
Bald teilten sie sich die Aufgabe: Gruber stellte weiterhin die Funk-Mikrofone ein, Leonhard Porsch spielte die Musik ein. Drei Spielzeiten lang standen sie gemeinsam am Mischpult. „Nach Corona hatte Tom dann keine Zeit mehr und fragte, ob ich es komplett übernehmen kann“, erzählt Porsch. Und so war er letztes Jahr, beim Räuber Hotzenplotz, erstmals allein für die Tontechnik verantwortlich.
Spätestens ab Juni ist er auch heuer wieder bei jeder Probe dabei und darf dabei keinen Einsatz verpassen: Jeder Schauspieler mit Sprechrolle trägt ein eigenes Mikrofon. Dabei muss Porsch die Darsteller beobachten, um zur richtigen Zeit „drauf- und wegzuschalten“, indem er sein Mischpult bedient, darauf achten, dass es nicht zu laut oder zu leise ist, und gleichzeitig daran denken, wer als nächster sprechen wird – multitaskingfähig muss man für die Aufgabe auf jeden Fall sein.
Wenn die böse Königin dem sprechenden Spiegel ihre berühmte Frage stellt und er antwortet, erklingt erst die „Spiegel-“ und dann die „Zaubermusik“ – laut Porsch das „Prunkstück“ unter den komponierten Titeln. Und wenn sie einen bösen Plan schmiedet und lacht, wird das von Leonhard Porsch mit Soundeffekten wie einem Hall unterlegt, um es noch bedrohlicher wirken zu lassen. Das Lachen geht dann über in eine unheimliche Musik, wenn der Jäger Schneewittchen in den Märchenwald führt. Das Lied trägt den Titel „Düsterer Wald“.
Und das ist das Besondere: Die Musik für die Aufführungen wird seit jeher vom Verein komplett in Eigenregie erstellt. Schon für den Räuber Hotzenplotz hat Leonhard Porsch alle Titel selbst geschrieben, und auch für Schneewittchen hat er wieder acht Stücke komponiert. Dazu stimmt er sich zunächst mit dem Regisseur ab: „Bernhard Hübl sagt mir, was für Stücke wir brauchen, zum Beispiel für den Einzug oder für den Wald.“ Die Ausarbeitung ist dann Leonhard Porschs musikalischem Gespür überlassen. Die Musik ist instrumental und soll szenisch unterstützen. Teilweise wird auch dazu gesungen, zum Beispiel wenn das Zwergenlied angestimmt wird.
Die Grundmelodie, erzählt der 21-Jährige, habe er immer gleich im Kopf, wenn Hübl ihm eine Szene beschreibe. Schon im Januar habe er mit dem Schreiben der Stücke begonnen. Die Musik spielt er dann zunächst mit dem Klavier ein.
Für die Umsetzung nutzt Porsch ein spezielles Musikprogramm, bei dem man über das Keyboard seines PCs verschiedene Instrumente „herausziehen“ könne. Beim „Fine-Tuning“ oder „Mastering“, dem Abmischen, werde er dann von seinem Kumpel Nico Voith unterstützt.
Das sei natürlich insgesamt schon ein großer Zeitaufwand, gibt der 21-Jährige angehende Physiotherapeut zu, der gerade kurz vor seinem Examen steht. Doch Inspirationen zu finden falle ihm sehr leicht, ergänzt er. Er habe wie sein Vater Hans-Jürgen schon immer gern Filmmusik und Soundtracks gehört, und generell sei die Musik ihm „zugeflogen“. Das Klavierspielen habe er in der Grundschule gelernt und es zwischendurch allerdings ruhen lassen, bis er es sich über die letzten Jahre selbst wieder beigebracht hat. Seit seiner Zeit auf dem Gymnasium spielt Porsch außerdem Saxophon in der Neunburger Stadtkapelle. „Ich spiele viel aus dem Gehör“, beschreibt er es.
Routine nach den Proben
Wenn die Premiere der Märchenzeit naht, sei „natürlich schon ein kleiner Nervositätsfaktor mit dabei“, gibt er zu. Schließlich ist es beispielsweise durch Störgeräusche möglich, dass es zu technischen Problemen kommen könnte, bei Funk-Mikrofonen könne das nicht komplett ausgeschlossen werden. Nach den Proben habe er immerhin eine gewisse Routine, so der 21-Jährige.
Am Mittwoch sind die Schauspieler auf jeden Fall gut zu verstehen, egal ob sie gemäß ihrer Rolle geheimnisvoll flüstern oder laut rufen. „Es findet nur noch die Feinabstimmung statt“, bestätigt Porsch. Wer selbst hören möchte, wie die sieben Zwerge ihr Lied, untermalt mit der von Leonhard Porsch komponierten Melodie, anstimmen, hat im Juli sieben Mal die Gelegenheit dazu.