Steinbruch-Ausbau: Burglengenfelder Bürgerinitiative stellt Forderungen an Weltkonzern

Die Bürgerinitiative (BI) „Heimat schützen, Steinbruch stoppen“, die ins Leben gerufen wurde, um die Pläne von Heidelberg-Materials (HM) nördlich von Burglengenfeld wenigstens einzudämmen, hat beim jüngsten Treffen weitere Unterstützer gefunden. In Pottenstetten diskutierten die Mitglieder durchaus auch kontrovers über Ziele und Forderungen. Am Ende konnte man sich jedoch auf bestimmte Punkte einstimmig einigen.
Wie berichtet, beabsichtigt HM, einer der mächtigsten Baustoffkonzerne weltweit, den Steinbruch in Burglengenfeld erneut zu erweitern. Bis 2066 soll die Abbaufläche um 45Hektar wachsen. In einer Versammlung Anfang Mai wurde ferner bekannt, dass damit noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht sein muss.
Dabei gehen vielen Bürgern des nördlichen Burglengenfelder Umlands schon die jetzigen Absichten zu weit. Allgemein sorgt man sich vor einer Zunahme von Erschütterungen und Staubbelastung sowie daraus resultierenden Folgen. Für mindestens einen Betrieb soll es gar ums wirtschaftliche Überleben gehen.
Zwei Stadträte ergriffen die Initiative
Nachdem ein sogenanntes Informationsforum des Zementwerkbetreibers im Dezember 2023 aus Sicht der Bürger enttäuschend verlaufen war und sich die Stadt Burglengenfeld eher in der Zuschauerrolle befindet, ergriffen mit Josef Schießl (FWL) und Thomas Hofmann (CSU) zwei erfahrene Stadträte vor wenigen Wochen die Initiative. Sie möchten der betroffenen Bevölkerung Gehör verschaffen und ihr das Gefühl geben, dass sie dem Goliath HM nicht allein und wehrlos ausgeliefert sind.
Der Steinbruch ist bei weitem nicht das einzige umstrittene Projekt, das derzeit die Gemüter in Burglengenfeld bewegt. Vor allem für das Umland ist auch der geplante Windpark ein heißes Eisen. Mehr dazu lesen Sie hier.
Anfang Mai konnte das Gasthaus Steinbauer die Besucher einer Bürgerversammlung kaum fassen, wenig später traf sich ein Kreis von etwas über zwanzig Personen, um eine BI zu gründen. Zu den obligatorischen sechs gewählten Sprechern zählen auch die erwähnten Stadträte.
Am 17. Mai war bereits das zweite Treffen angesagt. Dabei konnte der Kreis der Unterstützer bereits spürbar erweitert werden. Auch die Vor- und Kernstadt seien nun mit vertreten, freut sich Thomas Hofmann.
Ziele und Forderungen formuliert
Seinen Worten zufolge wurde in der Versammlung engagiert über Grundsätzliches diskutiert. Am Ende habe große Einigkeit geherrscht, für folgende Ziele gemeinsam einzustehen: Die Erweiterung des Steinbruchs müsse im Einvernehmen mit den Anrainern erfolgen. Die Genehmigung dürfe maximal für weitere 15 Jahre erteilt werden. Etwaige Wertverluste von Immobilien seien von Heidelberg-Materials auszugleichen. Das Abbaugebiet sei auf die Außengrenze der Ortsverbindungsstraße Saaß-Bubenhof-Dirnau-Vorstadt zu begrenzen.
Darüber hinaus wurde ein längerer Forderungskatalog erstellt. Er umfasst unter anderem ein Gutachten, welches den Ist-Zustand benachbarter Immobilien dokumentieren soll. Damit hätte man eine Basis für eventuelle Entschädigungsleistungen.
Grünland und Wald statt weiteren See
Ferner pocht die Bürgerinitiative darauf, dass für Sprengungen keine Straßen gesperrt werden. Der Sprengradius zur Wohnbebauung müsse weiter mindestens 300 Meter betragen. Um Erschütterungen, die Luftqualität sowie das Mikroklima permanent und unabhängig überwachen zu können, seien an den Grenzen des Steinbruchs Messstellen einzurichten.
Ein weiteres Absenken des Grundwasserspiegels gelte es ebenso zu unterlassen wie die angekündigte Flutung des Steinbruchs nach dem Abbau. Ein See sei nämlich keine Renaturierung. Stattdessen sollten wieder Lebensraum für heimische Tiere sowie Grünland und Wald geschaffen werden.
Bürgerinitiative hat nicht nur Freunde
Nach Informationen der Mittelbayerischen ist man bei Heidelberg-Materials über die Entwicklung nicht besonders erfreut. Auch Burglengenfelder, die beispielsweise durch ihre berufliche Tätigkeit einen besonderen Bezug zu dem Unternehmen haben, sehen die BI kritisch.
Dabei ist das Zementwerk in Burglengenfeld längst nicht mehr der große Arbeitgeber, der er einmal war – und die BI-Sprecher versichern, sie wollten grundsätzlich keine Arbeitsplätze gefährden.
Sprecher Thomas Hofmann beteuert überdies, dass viele Umlandbewohner keine andere Wahl hätten, als sich zu verbünden, um an einem Strang zu ziehen. Der Konzern habe jahrelang an der Vorbereitung der Ausbaupläne gearbeitet. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, habe er aber bisher nie das direkte Gespräch zu den Betroffenen gesucht. Der Konzern vermittle durch sein selbstsicheres Auftreten den Eindruck, dass ihm die Belange der Dorfbewohner egal seien. Von einer Auseinandersetzung auf Augenhöhe könne jedenfalls keine Rede sein. Eine solche werde aber dringend erwünscht.
Konzern widerspricht, Gesprächen auszuweichen
Elke Schoenig, bei HM zuständig für die Unternehmenskommunikation, verweist indes auf das erwähnte Infoforum im Dezember 2023, bei dem diverse Gutachter aufgeboten waren, um drängende Fragen zu beantworten. Auch bei der Bürgerversammlung Anfang Mai habe das Unternehmen kompetente Ansprechpartner zur Verfügung gestellt. Außerdem habe es „davor und danach“ sehr wohl „mehrere persönliche Gespräche“ gegeben. Weitere seien geplant. Mit dem Reitverein, der um sein Pferdeparadies am Schwanzlhof in Dirnau fürchtet, sei nicht nur gesprochen worden, man habe Mitglieder sogar zu einer Sprengung im Steinbruch eingeladen.
Was die Forderungen der BI angeht, so beteuert Schoenig, für „nachweislich verursachte Schäden“ würde das Unternehmen „selbstverständlich haften“. Das sei auch heute schon so. Bei möglicherweise direkt betroffenen Häusern werde man im Vorfeld der Erweiterung eine Beweissicherung durchführen. Dies setze freilich das Einverständnis der Eigentümer voraus.
Landratsamt Schwandorf prüft noch Unterlagen
Ob Befürworter oder Gegner der Steinbruch-Pläne – alle blicken gespannt auf den nächsten Verfahrensschritt, die Beteiligung der Öffentlichkeit. Dafür konnte das Landratsamt aber noch keinen Termin nennen.
Abteilungsleiter Hans Prechtl erklärte auf Anfrage, die von Heidelberg-Materials eingereichten Unterlagen würden derzeit auf Vollständigkeit und etwaige notwendige Nachbesserungen geprüft. Erst wenn die Unterlagen als geeignet bewertet worden seien, folge die öffentliche Auslegung und Bekanntmachung. Träger öffentlicher Belange (wie zum Beispiel die Stadt) und Bürger werden im Anschluss vier Wochen Zeit haben, Einwendungen einzureichen.
Erfolgreicher Start der Online-Petition
Zu den Unterstützern der BI zählt der Reit- und Fahrverein Dirnau, der durch die Steinbruch-Pläne sein Pferdeparadies bedroht sieht. Auf seiner Internetseite (www.rufv-dirnau.de) gelangt man zu einem Link, der auf eine Online-Petition der Bürgerinitiative verweist. Binnen weniger Tage hatten sich über 600Bürger eingetragen. Das nächste Ziel ist die 1000er-Marke.
Ferner ist für die BI eine eigene Website im Aufbau begriffen: bi-bul-heimat-schuetzen. Kommende Woche sollte sie freigeschaltet werden.