Zementwerk Burglengenfeld: Noch immer läuft am Ofen nicht alles optimal

Von Thomas Rieke · 13. März 2024 um 19:00

Alle Jahre wieder veröffentlicht Heidelberg-Materials (HM) einen Bericht über die kontinuierlichen Messungen der Emissionen am Wärmetauscherofen in Burglengenfeld. Damit hat jeder Gelegenheit, sich näher mit der Frage zu beschäftigen, welche Stoffe bei der Herstellung von Zement in die Luft geblasen werden – und ob der Industriebetrieb in der Lage war, die Grenzwerte einzuhalten.

Um es vorwegzunehmen: Unterm Strich wurden die Bedingungen gemäß der 17. Bundesimmissionsschutzverordnung auch 2023 erfüllt. Dennoch ist Werkleiter Bernhard Reindl nicht zufrieden. Mit den Ausreißern im Messprotokoll konfrontiert, erklärte er auf Anfrage: „Unser Ziel ist es, die Emissionen insgesamt zu reduzieren. Wir müssen noch weiter an der Optimierung des Ofensystems arbeiten und schneller auf Schwankungen im System, die wir nicht komplett ausschließen können, reagieren.“

Immer wieder neue Auffälligkeiten

Auffällig war in den vergangenen drei Jahren: Jedes Mal sorgten andere Parameter für Diskussionsstoff. 2021 war es beispielsweise Quecksilber, das 82 Mal den sogenannten Halbstundenmittelwert riss. 2022 stachen die Stockoxidwerte (NOx) ins Auge. 2023 beschäftigten die Werte von Ammoniakwasser (NH3, ein Stoff der im Automobilbereich als Ad-Blue bekannt geworden ist), und der Gesamtkohlenwasserstoffe (Cges) die Techniker.

Noch mehr als die Emissionen beschäftigen die Burglengenfelder aktuell die Ausbaupläne für den Steinbruch. Ein Pferdehof fühlt sich in seiner Existenz bedroht. Mehr dazu lesen Sie hier.

Reindl hat sich erneut die Mühe gemacht, der MZ die Phänomene zu erklären. Die Überschreitungen von NH3 rührten seinen Worten zufolge in den meisten Fällen daher, dass zur Reduktion der Stickoxide mehr Ammoniakwasser eingedüst wurde, als notwendig gewesen wäre. Die Bildung von NOx sei stark Temperatur getrieben. Komme es zu erhöhten und schnell variierenden Schwankungen, schaffe es die Regelung nicht gut genug, NOx so abzubauen, dass das eingedüste NH3 komplett abreagiere.

Kohleeinsatz liegt unter 20 Prozent

In so einem Fall, so Reindl weiter, werde, um den NOx-Grenzwert einzuhalten, NH3 überdosiert. Im Oktober sei die Zufuhr von Brennstoffen am Kalzinator optimiert und im November in Betrieb genommen worden. Anfänglich habe dies zu erhöhten Temperaturschwankungen – und damit zu einer „ungünstigen NH3-Umsetzung geführt“.

Die Überschreitungen der Cges-Werte sind laut Reindl hauptsächlich rohmaterialbedingt. Die Zusammensetzung und Art der eingesetzten Brennstoffe sei im Vergleich zum Vorjahr gleich geblieben. Das Zementwerk nutze am Hauptbrenner und Kalzinator nach wie vor produktionsspezifische Gewerbeabfälle (BPG) sowie aufbereitete Abfälle aus Sortieranlagen (KBS). Der Anteil von Kohle sei auf unter 20 Prozent gesunken. Klärschlamm werde, soweit verfügbar, nur in Kleinstmengen (unter ein Prozent der Wärmemenge) eingesetzt.

Das komplette Messprotokoll für 2023 ist auf der Homepage des Zementwerks noch bis 6.April einsehbar. Es belegt, dass die Laufzeit des Ofens im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen ist. Dementsprechend ist die Zahl der erfassten Tagesmittelwerte auf nur noch 243 gesunken. Zum Vergleich: 2021 gab es 321 solcher Werte.

Auch heuer rechnet man mit sinkender Zementproduktion

Auch dafür nennt Bernhard Reindl plausible Gründe. Zum einen sei das Minus auf die schwächelnde Baukonjunktur zurückzuführen, zum anderen sei in den Zement bewusst deutlich weniger Klinker eingesetzt worden, um den Ausstoß an Kohlendioxid zu senken.

Im Sommer vergangenen Jahres stand Werkleiter Bernhard Reindl der MZ in einem Interview Rede und Antwort. Seine Aussagen über CO2-neutralen Beton ließen aufhorchen – und machen Hoffnung.

Die Klinkerproduktion ist laut Reindl um 20 Prozent rückläufig gewesen, die Zementherstellung um zehn Prozent. Auch heuer werde die Zementproduktion voraussichtlich noch einmal um 100000 Tonnen geringer ausfallen und auf 1,05Millionen Tonnen sinken.

Reindl bestätigte ferner, dass sich der Konzern HeidelbergMaterials auch für den Standort Burglengenfeld den Kopf zerbricht, wie man den Klimakiller CO2 abscheiden könnte. Klar sei, dass dies erforderlich sei, um die Umweltziele zu erreichen, konkrete Pläne gebe es aber noch keine.

CO2 könnte nach Norwegen verschifft werden

Eine Speicherung von CO2 vor Ort bezeichnete Reindl als unrealistisch, da die geologischen Voraussetzungen dafür fehlten. Viel wahrscheinlicher sei die Einspeisung in eine Pipeline, über die das Gas zu bestimmten Betrieben der chemischen Industrie strömen könnte – und nach Wilhelmshaven. Von dort aus könnte CO2 in Richtung Norwegen verschifft werden. Das skandinavische Land hat sich entschlossen, CO2 in großem Stil zu verpressen.

HM betreibt auch in Norwegen ein Zementwerk, und dort nimmt die Abscheidung von CO2 schon konkrete Formen an. Die Fertigstellung der Anlage wurde für Ende 2024 angekündigt.

Bernhard Reindls Vorgänger in Burglengenfeld, Henrik Wesseling, hat für die Umstellung eine Schlüsselfunktion eingenommen. Er ist für sämtliche HM-Werke in Norwegen und Schweden zum technischen Direktor aufgerückt.

Das zweite große Thema: die Steinbruch-Eerweiterung

Heidelberg-Materials möchte den Steinbruch in Burglengenfeld noch einmal deutlich zu erweitern. Dazu hat es ein Informationsforum gegeben, bei dem Fragen der Bürger gesammelt worden sind. Sämtliche Fragen (69 an der Zahl) und die dazu gehörenden Antworten können seit geraumer Zeit auf der Homepage des Unternehmens eingesehen werden: https://www.heidelbergmaterials.de/de/zement/zementwerke/burglengenfeld/steinbrucherweiterung